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24.03.2020

18:38

Coronavirus

Wirtschaftsweise erwarten Rezession wie in der Finanzkrise – im wahrscheinlichsten Fall

Von: Donata Riedel

Spitzenökonomen sind sich einig: Wie schwer die Rezession wird, hängt stark von der Länge des Shutdowns ab. Sie werben für andere Schritte als flächendeckende Kontaktverbote.

Die Wirtschaftsweisen und weitere 15 Spitzenökonomen haben mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auch über Möglichkeiten des Ausstiegs aus dem Stillstand des Landes beraten. imago images/Emmanuele Contini

Kein Verkehr am Brandenburger Tor

Die Wirtschaftsweisen und weitere 15 Spitzenökonomen haben mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auch über Möglichkeiten des Ausstiegs aus dem Stillstand des Landes beraten.

Berlin Der Sachverständigenrat Wirtschaft rechnet in diesem Jahr nicht mit einer weitaus tieferen Rezession als während der Finanzkrise 2009. „Wenn der Shutdown fünf Wochen anhält und dann im Laufe von drei Wochen eine Erholung einsetzt, wird das Minus weniger als fünf Prozent betragen“, beschrieb der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld, einen der aus seiner Sicht wahrscheinlichen Rezessionsverläufe. Die Wirtschaftsweisen treten damit Schreckensszenarien anderer Ökonomen entgegen.

Das Münchener Ifo-Institut etwa hatte am Montag mehrere Varianten für den Rezessionsverlauf in diesem Jahr vorgestellt. Die Verluste für das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) reichten nach den Berechnungen der Ifo-Ökonomen je nach Dauer der Kontaktverbote von 7,5 bis 20,6 Prozent in diesem Jahr. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hält wegen der Corona-Pandemie einen Einbruch zwischen 4,5 und neun Prozent für möglich.

Anders als das Ifo erwartet der Sachverständigenrat nicht, dass in vielen Branchen die Umsätze komplett ausfallen. „Viele Restaurants etwa stellen ja auf Lieferdienst um“, sagte Feld. Sollte der Shutdown sieben Wochen dauern und die Erholungsphase fünf Wochen, „lägen wir in etwa bei der Finanzkrise“, sagte Feld. Damals war das Bruttoinlandsprodukt um 5,7 Prozent geschrumpft.

Die Wirtschaftsweisen und weitere 15 Spitzenökonomen hatten am Dienstag mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in einer Videokonferenz über die wirtschaftlichen Auswirkungen der seit dieser Woche geltenden Kontaktverbote gesprochen.

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    Die Runde war sich einig, dass es nach dem Ende des Shutdowns eine „steuerliche Initialzündung“ für den Wiederaufschwung geben müsse, etwa eine Reform der Unternehmensteuern. Sie beriet aber auch über Möglichkeiten des Ausstiegs aus dem Stillstand des Landes.

    Hohe Zahl an Tests erforderlich

    Denn einig sind sich die Ökonomen in Deutschland darin, dass die Tiefe der Rezession sehr stark davon abhängt, wie lange der Shutdown dauert. „Es wäre daher gut, sich genau anzuschauen, welche anderen Möglichkeiten jenseits der flächendeckenden Kontaktverbote es gibt, die Pandemie einzudämmen“, sagte Feld dem Handelsblatt. „Es wäre gut, wenn es in Deutschland wie in Südkorea gelänge, flächendeckend zu testen und das Tracking der Kontakte von Infizierten datenschutzkonform auszugestalten“, sagte Feld.

    Auch der Wirtschaftsweise Volker Wieland sprach sich gegenüber dem Handelsblatt für eine hohe Zahl an Tests aus, um Angesteckte konsequent isolieren und ihre Kontaktpersonen schnell in Quarantäne schicken zu können. „Es muss uns jetzt gelingen, das Gesundheitssystem sehr schnell hochzufahren“, sagte Wieland. Und: „Das kostet natürlich viel Geld, aber ein Shutdown, der viele Wochen anhält, würde viel mehr Geld kosten.“

    Um Zeit für den Ausbau der Krankenhäuser zu gewinnen und den schnellen Anstieg der Infiziertenzahlen zu bremsen, seien die flächendeckenden Kontaktverbote „absolut notwendig“, sagte Wieland. Er lobte auch die Überbrückungshilfen der Bundesregierung für Unternehmen.

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    Der Sachverständigenrat hält die ganz dramatischen Rezessionsszenarien auch mit Blick auf Aussagen von Wissenschaftlern anderer Disziplinen, darunter Virologen, für wenig wahrscheinlich.

    „Zuversichtlich macht die Kurzstellungnahme der Leopoldina-Arbeitsgruppe, dass Kontaktverbote von zwei bis drei Wochen die Infektionszahlen deutlich senken können“, sagte Feld dem Handelsblatt, denn: „Das würde ja bedeuten, dass die ganz strengen Maßnahmen nach Ostern allmählich wieder gelockert werden könnten.“

    Mehr: „Die Maßnahmen der EZB werden die gewünschte Wirkung erzielen“: Der Wirtschaftsweise Volker Wieland über die Beschlüsse der Notenbank und seine Empfehlung an die Politik.

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