Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

26.06.2019

11:18

Söder ist seit 2018 bayerischer Ministerpräsident und seit Januar 2019 CSU-Chef. dpa

Markus Söder

Söder ist seit 2018 bayerischer Ministerpräsident und seit Januar 2019 CSU-Chef.

CSU

Söder umgarnt Rezo und andere Youtuber: „Sind häufig größere Stars als Filmschauspieler“

Von: Christian Rothenberg

Influencerpreis, Youtuber-Festival: Der CSU-Chef hat große Pläne. Seine Ideen sind auch ein kleiner Seitenhieb gegen die Schwesternpartei.

Düsseldorf Eigentlich geht es um den Start des Münchner Filmfests, das am Donnerstag beginnt. Aber dann startet Markus Söder eine Charmeoffensive in Richtung der jungen Generation. Zuerst aber erzählt er im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ ausgiebig von seiner Leidenschaft für Filme („Wenn ich Filme anschaue, kann ich komplett abschalten“) und seinen jüngsten Kino-Besuch, dem Freddy-Mercury-Film „Bohemian Rhapsody“. Dokumentarfilme schaue er gern, bekennt der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident, aber es darf auch gern mal Science-Fiction sein.

Söder hat Großes vor, er will das Filmfest der bayerischen Landeshauptstadt auf das Renommee-Level der Berlinale hieven. Aber nicht nur das. Weil es mit der jungen Generation zuletzt aus Sicht der Union eher mäßig lief, will Söder auch dort Neues wagen: Bei allen Digitalthemen müsse man, der 52-Jährige sagt „wir“, sich besser aufstellen.

So kündigt Söder kündigt an, dass er ab dem kommenden Jahr einen Influencer-Preis ausloben will. „Das ist eine Form der Kommunikation, die wir stärker beachten müssen. Youtuber sind häufig größere Stars als Filmschauspieler.“

Youtuber und die Union – war da nicht was? Ausgerechnet kurz vor der Europawahl im Mai stolperte die Führung der Schwesterpartei um die Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer über einen Youtuber. Das Video „Zerstörung der CDU“ des Internetstars Rezo sammelte bei Youtube inzwischen mehr als 15 Millionen Aufrufe ein. Es ist eine gnadenlose Abrechnung mit der Politik der Partei.

Die CDU-Spitze reagierte erst gar nicht darauf. Dann kündigte sie an, Rezo mit einem Video antworten zu wollen, stoppte aber die Veröffentlichung des fertig produzierten Clips. Kramp-Karrenbauer forderte daraufhin eine Debatte über Regeln im Umgang mit Meinungsmache im Internet. Sogar Kanzlerin Angela Merkel kritisierte den Umgang mit dem Rezo-Video.

Im Umgang mit der Generation Youtube sah die CDU alt aus. Bei der Europawahl offenbarte sich das Problem ebenfalls. Unter 18- bis 24-Jährigen rutschten CDU und CSU im Vergleich zur vorangegangenen Wahl von 27 auf 12 Prozent, bei 25- bis 34-Jährigen von 29 auf 18 Prozent. Dennoch offenbarte sich ein vor allem für Söder nicht unerheblicher Unterschied: Die CSU verlor deutlich weniger als die Schwesterpartei.

„Eine eigene Plattform, die wir dringend respektieren sollten“

Söder umkurvt das Thema Rezo, als er im Interview darauf angesprochen wird. Direkte Kritik an AKK vermeidet er. Lieber pirscht er sich weiter an die Youtuber heran. Ja, warum nicht ein ganzes Youtuber-Festival veranstalten? Das erste große soll in München sein“, sagt er, relativiert dann aber gleich. Diese Idee sei noch im Anfangsstadium. Söder stellt jedoch klar: „Es ist unbestritten, dass Youtube eine eigene Plattform ist, die wir dringend respektieren sollten.“

Die Botschaft ist Söder wichtig. Der CSU-Chef will demonstrieren, dass seine Partei aus den Fehlern der CDU gelernt hat und die jüngere Generation ernst nimmt. Sein Vorstoß mit einem Influencer-Preis und einem Youtuber-Festival lässt sich fast als kleiner Seitenhieb gegen Kramp-Karrenbauer verstehen.

Die angeschlagene CDU-Vorsitzende zeigte sich in dieser Woche erneut reuig. „Natürlich würden wir heute ganz anders reagieren, viel schneller vor allen Dingen“, sagte sie beim Ständehaustreff der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf. Und gestand: Ihr Sohn habe ihr im Fall Rezo „alle meine Fehler unter die Nase gerieben“.

Mehr: Der Umgang mit der Rezo-Kritik zeigt: Die CDU ist weit weg von der Jugend. Das schreibt Christoph Herwartz, Deskchef für Wirtschaft und Politik, in seinem Kommentar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×