Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

28.07.2022

14:38

Daten der Betriebskrankenkassen

Fehlzeiten so hoch wie seit zehn Jahren nicht: Grippewelle sorgt für Rekord bei Krankmeldungen

Von: Jürgen Klöckner

Die Betriebskrankenkassen melden die höchsten Fehlzeiten unter Beschäftigten seit Langem. Grund sind Atemwegserkrankungen. Coronainfektionen machen nur einen kleinen Anteil aus.

Die Betriebskrankenkassen verzeichnen so viele Krankmeldungen wie seit über zehn Jahren nicht mehr. dpa

Krankmeldung

Die Betriebskrankenkassen verzeichnen so viele Krankmeldungen wie seit über zehn Jahren nicht mehr.

Berlin Atemwegserkrankungen haben im ersten Halbjahr 2022 zu einem Rekordwert bei den Krankenständen gesorgt. Das geht aus Daten des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK) hervor. Demnach meldeten sich 5,7 Prozent der beschäftigten Mitglieder in diesem Zeitraum mindestens einmal krank.

Nie waren die Fehlzeiten der Auswertung zufolge seit 2011 auch nur annähernd so hoch. In den zurückliegenden Jahren lag die Quote zwischen vier und fünf Prozent. Die Betriebskrankenkassen haben zusammen rund neun Millionen Mitglieder.

Gründe für die Krankmeldungen waren jedoch nicht nur Coronainfektionen, sondern auch allgemeine Atemwegserkrankungen. Dazu zählen etwa Grippe, akute Infektionen und andere Lungenkrankheiten. Diese waren in der Pandemie stark zurückgegangen.

2021 hatten lediglich 0,34 Prozent der beschäftigten BKK-Mitglieder eine Krankmeldung mit diesen Diagnosen eingereicht. Im ersten Halbjahr 2022 waren es hingegen 1,16 Prozent – und damit sogar mehr als im Jahr 2018, als die bisher schwerste Grippewelle des letzten Jahrzehnts den Wert in die Höhe getrieben hatte. Wegen einer Coronainfektion meldeten sich lediglich 0,25 Prozent der versicherten Beschäftigten krank.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon-Hochschule Berlin erklärt die Fälle damit, dass das Immunsystem durch Maßnahmen wie die Kontaktbeschränkungen in den vergangenen beiden Jahren nicht richtig trainiert werden konnte. „Jetzt wird es nach Wegfall der Maskenpflicht vermehrt mit Erregern konfrontiert, deren Immunabwehr lange Zeit nicht eingesetzt werden musste“, sagte er dem Handelsblatt.

    Auch das Robert Koch-Institut (RKI) verzeichnete in den vergangenen Monaten eine starke Zunahme von Atemwegserkrankungen. Im April und Mai seien gar die „virologischen Kriterien einer Grippewelle“ erfüllt worden, heißt es im aktuellen RKI-Wochenbericht der Arbeitsgruppe Influenza.

    RKI warnt vor Grippewelle

    Das Institut geht dem Bericht zufolge derzeit von 3,9 Millionen akuten Fällen von Atemwegserkrankungen aus, wozu auch Coronainfektionen beitragen. Experten warnen angesichts der Zahlen vor einer Doppelwelle, die insbesondere im Herbst und Winter das Gesundheitssystem belasten könnte.

    Der Vorstandsvorsitzende des BKK-Dachverbands, Franz Knieps, forderte angesichts des hohen Krankenstands: „Viel Zeit zum Durchatmen für Beschäftigte und Unternehmen, so wie es die ,Sommerpause‘ in den vergangenen Jahren ermöglicht hat, wird es wohl in diesem Jahr nicht geben.“

    Umso wichtiger sei es deshalb, „dass spätestens jetzt die notwendigen Vorkehrungen für den kommenden Herbst beziehungsweise Winter getroffen werden, um einen weiteren Anstieg des Krankenstands und somit Personalengpässen vorzubeugen“. Gesundheitsminister Karl Lauterbach hatte am Mittwoch eine baldige Verständigung der Koalition auf ein Konzept zu Corona-Schutzregelungen für den Herbst in Aussicht gestellt.

    Er rechne mit Ergebnissen „in sehr kurzer Zeit“, sagte der SPD-Politiker. Die Verhandlungen mit Justizminister Marco Buschmann (FDP) schritten sehr schnell voran. Forderungen nach einem Ende der Isolationspflicht für Coronainfizierte erteilte Lauterbach erneut eine Absage, da dies die Pandemie nur beschleunigen würde. Es gebe derzeit „keinerlei Anlass, die Isolationsregeln zu verändern“.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×