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04.09.2017

16:04 Uhr

Dieselgipfel

Bund will weitere 500 Millionen in saubere Luft investieren

Die Vertreter der von Stickstoff belasteten Kommunen haben in Berlin eine halbe Milliarde Euro in Aussicht gestellt bekommen, um die Luft in ihren Städten sauberer zu machen.

Die Kommunen hatten vom Bund Unterstützung gefordert. dpa

Diesel-Gipfel mit Kommunen im Kanzleramt

Die Kommunen hatten vom Bund Unterstützung gefordert.

BerlinDie Bundesregierung stockt den Fonds für die Kommunen im Kampf gegen die Dieselabgase auf. Es werde nun eine Milliarde Euro statt der bisher vorgesehenen 500 Millionen Euro betragen, kündigte Kanzlerin Angela Merkel am Montag nach einem Treffen mit Bürgermeistern und einigen Ministerpräsidenten an. „Die Zeit drängt“, sagte sie mit Blick auf drohende Fahrverbote wegen der Stickoxid-Belastung. Alle seien sich einig, dass pauschale Fahrverbote verhindert werden sollten. „Das ist ein großer Kraftakt“, sagte Merkel.

Das Geld könnte etwa zur Bus-Umrüstung genutzt werden. Beim Diesel-Gipfel mit der Industrie im August waren bereits Software-Updates für Pkw sowie Kaufanreize für den Austausch alter Diesel vereinbart worden. Dies hat den Autoabsatz bereits beflügelt. Ob das Paket ausreicht, um Fahrverbote zu verhindern, ist aber zweifelhaft. Auch der kommunale Fonds war damals beschlossen worden. Der Bund wollte die Hälfte zur Verfügung stellen, die Autohersteller – aufgeteilt nach Marktanteil – die andere Hälfte. Die zusätzlichen 500 Millionen Euro sollen jetzt allein vom Bund kommen. Merkel kündigte aber an, man werde nochmal auf die Industrie zugehen, ob es von ihr zusätzliche Beiträge geben könne. Bei der anstehenden Automesse IAA gebe es

Fragen und Antworten zur Mercedes-Umrüstung

Um welche Autos geht es?

Fast jede Modellreihe der Schwaben ist von dem Rückruf betroffen, so verbreitet sind die beiden Turbodiesel-Modellfamilien, um die es geht. Intern werden sie mit OM (für Öl-Motor) abgekürzt. Bei dem OM 642 handelt es sich um einen V6-Turbodiesel mit drei Liter Hubraum, bei dem OM 651 um einen Vierzylinder mit 1,8 oder 2,1 Liter Hubraum.

Was kommt auf die Besitzer zu?

Halter betroffener Dieselmodelle werden bei der freiwilligen Rückrufaktion vom Hersteller direkt angeschrieben und gebeten, sich mit ihrer Vertragswerkstatt wegen eines Termins in Verbindung zu setzen. Die Autos erhalten dann eine neue Software, die für niedrigere Stickoxid-Emissionen sorgen soll. Die Umsetzung der Nachbesserung wird sich auch wegen der Menge der betroffenen Fahrzeuge bis weit in das kommende Jahr ziehen. Die rund einstündige Maßnahme soll für Kunden kostenlos sein, verspricht der Daimler-Konzern, den das Ganze mindestens 220 Millionen Euro kosten wird.

Was wird technisch gemacht?

Die Daimler-Ingenieure müssen zunächst die Stellschrauben in der Software für die Motorensteuerung finden, mit denen sich die Stickoxide reduzieren lassen. Da fast jedes Dieselmodell von dem Rückruf betroffen ist und sich die Autos sowohl bei der Motorenstärke als auch in der Getriebeart (Automatik- oder manuelle Schaltung) unterscheiden, müssen die Techniker Dutzende verschiedene Software-Updates entwickeln. Möglich werden soll die Reduktion der Schadstoffemission, indem man unter anderem die sogenannten Thermofenster anpasst. Bislang schaltet sich die Abgasreinigung ab, wenn bestimmte Außentemperaturen über- oder unterschritten werden.

Verbraucht das Auto danach mehr?

Ob die Fahrzeuge nach dem Software-Update möglicherweise mehr verbrauchen, das kann derzeit niemand mit Sicherheit beantworten. ADAC-Messungen an umgerüsteten VW-Fahrzeugen zeigten einen erhöhten Kraftstoffverbrauch nach der Umrüstung. Es ist je nach Modell aber auch denkbar, dass der Verbrauch durch den Eingriff sogar sinkt.

Wäre eine Hardware-Umrüstung nicht besser?

Das kann noch nicht endgültig beantwortet werden, klar aber ist: Reine Softwarelösungen sind für den Hersteller billiger und die Werkstattaufenthalte für die Kunden kürzer, als wenn neue Hardware eingebaut werden muss. Einige Experten halten reine Softwareänderungen an der Motorsteuerung zwar für nicht ausreichend. Andererseits würde sich bei älteren Dieselfahrzeugen eine große Hardwarelösung durch AdBlue-Einspritzung, bei der Stickoxide in Abgasen per Harnstoff-Einspritzung reduziert werden, nicht rechnen.

Was sind mögliche Negativfolgen einer Umrüstung?

Greift man auf die Erfahrungen zurück, die Halter im Zuge von VW-Umrüstungen gesammelt haben, so muss klar sein: Jede Umrüstung stellt einen technischen Zustand her, der so vom Hersteller eigentlich nicht vorgesehen war. In puncto Verschleiß und Langzeitfolgen weist der ADAC darauf hin, dass noch Fragen zu Dauerhaltbarkeit, Systemeinbindung und Betriebssicherheit geklärt werden müssten. Wie das innerhalb weniger Monate für Hunderttausende Fahrzeug- und Motorisierungsvarianten geschehen soll, bleibt offen.

Die Kommunen könnten mit dem Fonds den öffentlichen Nahverkehr sowie den Fahrrad- und Fußgängerverkehr fördern. Zudem soll in die Digitalisierung der Verkehrssteuerung investiert werden, um Staus und damit zusätzliche Emissionen zu verhindern. Die häufig veraltete Diesel-Bus-Flotte könnte mit dem Geld ebenfalls umgerüstet werden. In manchen Städten kommt ein Fünftel des Stickoxid-Ausstoßes von der Busflotte. Das Geld des Fonds fließt 28 Regionen zu, in denen die Stickoxid-Belastung besonders hoch ist, was auch zur einer Vertragsverletzungs-Klage der EU geführt hat.

Das angekündigte Kaufprogramm für Elektrobusse von 100 Millionen Euro jährlich ist davon allerdings getrennt zu sehen. 80 Prozent des Preis-Unterschieds zu Dieselbussen sollen die Kommunen mit dem Geld ausgleichen können. Derzeit sind in Deutschland nur rund 500 Elektro- oder Hybridbusse, aber knapp 80.000 Diesel-Busse unterwegs.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zeigte sich skeptisch, ob Fahrverbote zu umgehen seien. Er sprach sich für eine sogenannte Blaue Plakette aus, mit der bundesweit geregelt werden könnte, welche Fahrzeuge noch in Innenstädte einfahren dürfen. Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (SPD) widersprach: „Die Blaue Plakette löst gar nichts.“ Sie werde nur zu weiterer Verunsicherung der Autofahrer führen.

Nach der Bundestagswahl – spätestens im November – soll es einen weiteren Diesel-Gipfel geben, den Merkel bei einer Wiederwahl leiten will.

Kommentare (4)

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Novi Prinz

04.09.2017, 14:45 Uhr

500 Millionen in heiße Luft verwandeln , ist für den Bund keine Kunst.

Herr Old Harold

04.09.2017, 14:46 Uhr

Simpel, nach dem Geld der Steuerzahler zu schreien, um die Luft in den Städten wieder sauber zu bekommen.

Von einem Politiker, der sich mir aufdrängt, um meine Zukunft gestalten zu wollen, erwarte ich jedoch mehr.

Da genügt oft schon ein Blick über den eigenen Gartenzaun: In London erhalten Taxiunternehmer nur noch für E-Autos neue Taxi-Lizenzen.

Herr Peter Spiegel

04.09.2017, 17:22 Uhr

Die Lebensdauer von Stickoxiden beträgt in Bodennähe etwa einen Tag; in einigen Kilometern Höhe dauert der Abbau bereits mehrere Wochen.[20] Auch durch natürlich vorkommende Bakterien kann NOx abgebaut werden. Zu den stickstoffbindenden Bakterien in der Pflanzenwelt gehören z.B. Knöllchenbakterien und Bodenbakterien.
Wieder ein völlig unsinnige Diskussion.

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