MenüZurück
Wird geladen.

28.05.2019

03:45

Viele Autobesitzer sorgen sich wegen drohender Fahrverbote. mauritius images / Johann Hinrichs / Alamy

Diesel-Transporter

Viele Autobesitzer sorgen sich wegen drohender Fahrverbote.

Dieselnachrüstung

Freie Fahrt für Handwerker, Fahrverbote für Private

Von: Daniel Delhaes

Es gibt endlich ein zugelassenes Nachrüstkit für Dieselfahrzeuge – zuerst aber nur für kommunale Fahrzeuge. Alle anderen müssen wohl bis Juli warten.

BerlinUmweltministerin Svenja Schulze formuliert gerne markige Sätze, etwa: „Ich will weniger Verkehr, aber mehr Mobilität“, oder: „Ich will keine Fahrverbote.“ Beim Ärgernis Nummer eins der Autofahrer hat sie auch gleich noch einen Tipp: Das neue Bundesimmissionsschutzgesetz schaffe einen „Anreiz für die Hardwarenachrüstung von Fahrzeugen“. Das war im März.

Rund zehn Millionen Autobesitzern, die einen Diesel mit Euronorm 1 bis 5 fahren, bereitet der Gedanke an Fahrverbote Sorgen. Vor allem die sechs Millionen Halter von Euro-5-Fahrzeugen warten darauf, ihre Autos nachzurüsten.

Zwar steht das Gesetz inzwischen im Bundesgesetzblatt. Doch gibt es erst ein genehmigtes Nachrüstkit: für ein Kommunalfahrzeug, wie das Bundesverkehrsministerium auf Nachfrage bestätigte. Die bisherigen Anträge für Diesel-Pkws seien unvollständig. „Es ist Sache der Nachrüsthersteller, vollständige Anträge vorzulegen“, erklärte ein Sprecher. Dann könne das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sie „innerhalb von zwei Wochen“ genehmigen. Bei leichten und schweren Handwerker- und Lieferfahrzeugen gebe es noch keine Anträge, wofür das Ministerium die Schuldige ausgemacht hat: Schulze.

Viele Wochen hatten das Umwelt- und das Verkehrsressort um Details gerungen. Ende April schlugen die Beamten von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Alarm: Wer privat etwa einen VW Transporter fährt, wird ein Fahrverbot trotz Nachrüstung nicht umgehen können, notierten sie für den Minister. Was war geschehen?

Das Gesetz befreit nicht nur Euro-6-Diesel von Fahrverboten, sondern auch Handwerker- und Lieferfahrzeuge. Zu ihnen gehört etwa ein VW Bus oder ein Fiat Ducato. Sofern ein Gewerbetreibender seinen Transporter umrüstet, darf er auch in die Stadt fahren. Dazu müssen laut Gesetz die Stickoxidwerte (NOx-Werte) nur prozentual sinken.

Grafik

Was aber, wenn der Handwerker sein Fahrzeug an eine Privatperson verkauft? „Dann wird der Eintrag der Nachrüstung im Fahrzeugbrief gestrichen und der private Käufer des Fahrzeugs darf nicht mehr in die Stadt fahren“, hieß es im Verkehrsministerium.

Der Grund steht im Gesetz: Wer ein Fahrzeug privat nutzt, muss die NOx-Werte mit der Umrüstung absolut senken, auf unter 270 Milligramm je Kilometer. Eine prozentuale Einsparung wie beim Gewerbetreibenden reicht nicht. Der Private müsste erneut nachrüsten. Anbieter würden nicht zwei verschiedene Kits für den gleichen Fahrzeugantrieb entwickeln, warnten die Beamten im Verkehrsressort und forderten eine Ausnahme. „Die Hersteller kommen so nicht auf die nötigen Mengen, um Produkte auf den Markt zu bringen.“

Im Umweltressort wollten sie davon nichts wissen. Die Experten der Häuser seien sich einig, dass auch bei Fahrzeugen „über 2,8 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht die Wirksamkeitsgrenze von Nachrüstungssystemen unter 270 Milligramm pro Kilometer liegen muss“, erklärte ein Sprecher. „Um die Schadstoffbelastung in den Städten zu mindern, ist es wichtig, dass eine relevante Anzahl von Fahrzeugen mit Nachrüstungen ausgestattet wird.“

Handwerker können eine Förderung vom Umweltministerium bekommen

Jenseits dieser Kuriosität stehen die Unternehmen in den Startlöchern. Die Baumot-Gruppe will „in den nächsten zwei Monaten“ ihre Betriebserlaubnis für eine E-Klasse sowie den VW Passat vorstellen, wie Vorstand Stefan Beinkämpen sagte. Der Preis soll sich um „3.000 Euro plus/minus“ bewegen und damit in dem Spektrum, in dem sich Daimler und Volkswagen für die Kunden finanziell beteiligen wollen. Auch für einen Mercedes Sprinter hat Baumot ein Kit entwickelt. Handwerker können eine Förderung beim Umweltministerium beantragen, die bis zu 60 Prozent der Kosten abdeckt.

Die Dr. Pley Technology will die erste Zulassung für ein Nachrüstkit (Mercedes E250cdi) am 10. Juni beim KBA beantragen. Zwei zusätzliche Anträge (Volvo 2.4l, BMW X3 2.0) sollen am 25. Juni folgen, weitere später. Unternehmenschef Martin Pley rechnet damit, im Juli zu starten. Das Marktvolumen schätzt er auf 800.000 Fahrzeuge, Beinkämpen geht von 1,3 Millionen aus.

Natürlich gebe es skurrile Graubereiche, so der Baumot-Chef, gerade bei den Handwerkerfahrzeugen. Entscheidend aber sei, dass endlich alle Richtlinien vorlägen und die Gesetze angepasst worden seien: „Die Umrüstung kann kommen“, sagte Beinkämpen. So könnten die Kunden ihre individuelle Mobilität und den Wert ihrer Fahrzeuge erhalten.

Dazu müssen auch etliche der 5,3 Millionen Dieselfahrer auf die von den Herstellern zugesagten Softwareupdates bei zweifelhaften Abgasreinigungssystemen warten. Laut Verkehrsministerium sind erst „rund 85 Prozent“ der Fahrzeuge mit einem Update versehen, weil die Hersteller noch nicht alle nötigen Unterlagen für die Freigabe der Updates beim KBA eingereicht haben. VW habe seine manipulierten Fahrzeuge zu „mehr als 99 Prozent“ umgerüstet.

Mehr dazu: Ein Oberlandesgericht hat erstmals zugunsten von VW-Kunden geurteilt. Der Autobauer hat nun Revision angekündigt.

Brexit 2019

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Christian Trüe

28.05.2019, 14:23 Uhr

Vorsicht Frau Barthels!
Sie neigen dazu einem nicht ganz vertrauenswürdigen Unternehmer zu glauben. Seine Vita jedenfalls rät zur absoluten Vorsicht.
Ich bin dazu geneigt Ihren Artikel als Spam zu kennzeichnen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×