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14.02.2019

08:47

Die elektronische Patientenakte könnte auch der telemedizinischen Behandlung einen großen Schub geben. imago/Jochen Tack

Telemedizin

Die elektronische Patientenakte könnte auch der telemedizinischen Behandlung einen großen Schub geben.

Digitalisierung

Grüne fordern freie Wahl bei der elektronischen Patientenakte

Von: Peter Thelen

Versicherte sollen die Patientenakte ihrer Krankenkasse nutzen. Doch die Grünen wollen, dass sich Versicherte auch für andere Anbieter entscheiden können.

Berlin Die Grünen verlangen bei der elektronische Patientenakte ein Wahlrecht für die Versicherten. Das heißt: TK-Versicherte sollen nicht automatisch die derzeit von der TK mit IBM entwickelte Akte erhalten, sondern sich auch für einen anderen Anbieter entscheiden können. Das Gleiche gilt für die DAK, die beim Thema Digitalisierung mit dem Anbieter Vivy zusammenarbeitet.

Bisher gibt es drei verschiedene Modelle der Akte, die sie unter anderem dabei unterscheiden, wo die Daten gespeichert sind und wer wann und wie Zugriff darauf hat.

„Grundsätzlich würde ich ein solches Wahlrecht des Versicherten für den richtigen Weg halten“, sagte die Gesundheitsexpertin der Grünen Maria Klein-Schmeink dem Handelsblatt. Voraussetzung dafür wäre, dass die Akte über eine Zertifizierung bezüglich Datenschutz und Datensicherheit verfügt. Die Krankenkassen werden in dem derzeit im Bundestag zur Beratung anstehenden Termin-Service-Gesetz verpflichtet, ihren Versicherten spätestens ab 2021 eine elektronische Patientenakte anzubieten.

Nach den Vorstellungen der Grünen böte ein Wahlrecht ganz andere Möglichkeiten, was die Nutzung der Akte angeht. Zum einen müsste eine solche frei verfügbare Akte natürlich alle strengen Datenschutzanforderungen erfüllen. Über die Akte wäre es zudem möglich, das Profil des Versicherten mit weiteren Informationen zu verbinden wie bestimmte Behandlungsmöglichkeiten.

Auf diese Zusatzinformationen, bereit gestellt zum Beispiel von Patientenorganisationen, könnte der Versicherte über seine Akte Zugriff erhalten. „Sie könnte Portal und Träger einer unabhängigen Patientenberatung und Information sein“, so die Gesundheitsexpertin der Grünen.

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Bislang sehen die Kassen die Akte eher als Teil ihres Internetauftritts gegenüber den Versicherten. Allerdings ist auch jetzt schon vorgesehen, dass ein Versicherter seine Akte beim Wechsel der Krankenkasse zur neuen Kasse mitnehmen können muss.

Damit wären in Zukunft grundsätzlich auch die technischen Voraussetzungen für eine freie Wahl der Akte gegeben. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen wünscht sich gleichwohl eine Art Monopol für die Kassen als Anbieter der Akte gegenüber ihren Versicherten. Die Akte würde damit Teil des Markenauftritts einer Kasse werden.

Das sieht neben den Grünen auch die IT-Branche kritisch. Der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) betrachtet ein solches Monopol als Verstoß gegen das Prinzip der freien Marktwirtschaft. Ein fairer Wettbewerb der Anbieter von Patientenakten untereinander würde so verhindert.

„Neben den Projekten einzelner Krankenkassen bietet der Markt bereits etliche Akten. Diese werden von Softwareherstellern angeboten, die teilweise in Zusammenarbeit mit Krankenkassen oder ohne eine solche Kooperation funktionieren“, sagte Sebastian Zilch, Geschäftsführer vom bvitg.

Nicht zu vergessen sei das Engagement von Kliniken bei Aktenprojekten. „Anstatt diese bestehenden Projekte und damit zahlreiche Innovationen im Keim zu ersticken, sollte der Gesetzgeber entsprechende Voraussetzungen für innovative und faire Marktbedingungen schaffen und garantieren“, so Zilch.

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