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02.12.2021

09:53

Digitalpakt Schule

Jedes zweite Gymnasium hat noch immer kein funktionierendes WLAN – Ampel will Tempo machen

Von: Barbara Gillmann

40 Prozent der Lehrer haben keinen Dienstlaptop, zwei Drittel der Schulen keinen IT-Berater – trotz Milliarden an Fördermitteln. Die Ampel verspricht einen Digitalpakt 2.0.

Digitalpakt: Jedes 2. Gymnasium hat kein funktionierendes WLAN dpa

Gymnasium in Deutschland

Die künftige Bundesregierung will die Neuanschaffung von Hardware sowie den Austausch veralteter Technik finanzieren.

Berlin Die Ampelkoalition plant einen Neustart bei der Digitalisierung der Schulen: Ein Digitalpakt 2.0 soll dauerhaft die nötigen Mittel bereitstellen – und zugleich dafür sorgen, dass diese auch schnell abgerufen werden. Eine neue Umfrage unter Gymnasiallehrern zeigt, wie dringend nötig das ist: Noch immer gibt fast jede zweite Lehrkraft an, an Schulen zu unterrichten, an denen das WLAN nicht oder nicht ausreichend funktioniert. 

Fast zwei Drittel der rund 7000 befragten Pädagogen können nicht auf die Hilfe einer professionellen IT-Kraft zurückgreifen, ergab eine Umfrage des Philologenverbandes (DPhV). Nur knapp 23 Prozent der Befragten erklärten, von einem professionellen Administrator profitieren zu können. 

Auch haben gut 43 Prozent der Lehrkräfte noch immer kein digitales Endgerät von ihren Dienstherren bekommen. „Das ist nach mehr als 20 Monaten Pandemie ein Armutszeugnis für die politisch Verantwortlichen“, sagte die Bundesvorsitzende des Verbandes, Susanne Lin-Klitzing. „Die Schulen müssen unbürokratischer, schneller und besser ausgestattet werden.“

Von 6,5 Milliarden Euro Fördergeld ist erst ein Achtel abgeflossen

Am Geld liegt es nicht: Der mittlerweile mit 6,5 Milliarden Euro ausgestattete Digitalpakt war Anfang 2019 an den Start gegangen. Zuerst flossen die Mittel jedoch nur tröpfchenweise ab. Auch aus der „irren Aufholjagd“, die die amtierende Präsidentin der Kultusminister Anfang 2021 versprach, wurde nichts: Obwohl in der Pandemie der digitale Unterricht schlagartig vom netten Beiwerk zum essenziellen Instrument wurde, waren bis Ende Juni dieses Jahres erst 851 Millionen abgeflossen

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    Als Grund gaben die Länder an, die Schulen seien wegen der Pandemie mit anderen Dingen beschäftigt. Die Kommunen beklagten bürokratische Hemmnisse – und die Gefahr,  mittelfristig auf den Folgekosten der Digitalisierung der Schulen sitzen zu bleiben. Die Kultusminister forderten daher schon lange einen Digitalpakt 2.0.

    Diesen Wunsch wollen die Ampelkoalitionäre erfüllen und die „Länder und Kommunen dauerhaft bei der Digitalisierung des Bildungswesens unterstützen“, heißt es im Koalitionsvertrag. Der Digitalpakt 2.0 soll bis 2030 laufen.

    Grafik

    Damit soll dann auch die „nachhaltige Neuanschaffung von Hardware, der Austausch veralteter Technik sowie die Gerätewartung und Administration“ finanziert werden. Zudem sollen bedürftige Schülerinnen und Schüler weiterhin kostenlos Zugang etwa zu Laptops erhalten.

    Immerhin zwei Drittel der Lehrer berichten von datenschutzkonformen Lernplattformen

    Zugleich sollen neue Mechanismen dafür sorgen, dass die Mittel besser abfließen. „Noch im ersten Halbjahr 2022“ Lösungen finden. Zur Unterstützung vor Ort sollen „Service-, Beratungs- und Vernetzungsangebote“ geschaffen werden. Gemeinsam mit den Ländern soll der Bund Kompetenzzentren für digitales und digital gestütztes Unterrichten in Schule und Weiterbildung fördern und zudem eine zentrale Anlaufstelle für Lernen und Lehren in der digitalen Welt schaffen. 

    Ein positives Ergebnis hatte die Umfrage des Philologenverbands immerhin: Gut 69 Prozent der befragten Gymnasiallehrkräfte können inzwischen an ihren Schulen mit geeigneten und datenschutzkonformen Lernplattformen arbeiten. Bei knapp 14 Prozent war das allerdings noch immer nicht der Fall. Vielfach hatten Datenschutzbeauftragte vor allem die Verwendung von Programmen US-amerikanischer Anbieter wie Microsoft oder Zoom beanstandet

    Bei Schul-Clouds und Plattformen liegt Deutschland zehn Jahre zurück

    „In der etwas ruhigeren Phase der Pandemie haben es zudem nahezu alle Landesregierungen versäumt, den Einsatz und Umgang mit digitalen Medien auf rechtlich tragfähige Beine zu stellen“, kritisiert Lin-Klitzing. „Der Philologenverband fordert die Landesregierungen erneut auf, die Mitbestimmungsrechte der Personalräte nicht weiterhin sträflich zu vernachlässigen und endlich notwendige Dienstvereinbarungen zu schließen. Schulleitungen und Lehrkräfte werden hier immer noch im rechtsfreien Raum alleingelassen.“

    Auch nach einer Studie der Telekomstiftung herrscht bei den Schulplattformen aktuell „Kraut und Rüben“, sagte unlängst deren Vorstand Thomas de Maizière.  Daher müsse schleunigst dafür gesorgt werden, dass zumindest „die Schnittstellen und Standards funktionieren“. 

    Insgesamt liegt Deutschland bei den Plattformen oder Schul-Clouds nach der Studie im internationalen Vergleich ungefähr zehn Jahre zurück. Der Bund will nun mit den Ländern auch digitale Programmstrukturen und Plattformen für Open Educational Ressources sowie die Entwicklung intelligenter, auch lizenzfreier Lehr- und Lernsoftware unterstützen. Daneben will er helfen, Positivlisten mit datenschutzkonformen, digitalen Lehr- und Lernmitteln aufzustellen, heißt es im Koalitionsvertrag. 

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