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08.09.2019

13:28

Einhaltung der Menschenrechte

Verbraucherschützer fordern Lieferketten-Gesetz für alle Unternehmen

Von: Dietmar Neuerer

Das Gütesiegel „Grüner Knopf“ soll den Kauf fairer Kleidung erleichtern. Verbraucherschützer fordern, auch andere Branchen in die Pflicht zu nehmen.

Die Idee für ein Textil-Siegel entstand nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit vielen Toten und Verletzten vor sechs Jahren. dpa

Näherinnen in Bangladesch.

Die Idee für ein Textil-Siegel entstand nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit vielen Toten und Verletzten vor sechs Jahren.

Berlin Nach Ansicht des Chefs des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, kann das Textil-Siegel „Grüner Knopf“ nur ein Anfang bei der Einhaltung der Menschenrechte in Lieferketten sein. „Andere Branchen müssen nachziehen. Wir brauchen ein Lieferkettengesetz, das alle Unternehmen in die Pflicht nimmt, Umwelt- und Sozialstandards einzuhalten“, sagte Müller dem Handelsblatt. „Auch das wäre ein Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz.“

Das Gütesiegel „Grüner Knopf“, das am Montag offiziell vorgestellt wird, soll gewährleisten, dass ökologische und soziale Mindeststandards eingehalten werden. Kleidungsstücke müssen 26 Kriterien erfüllen, bevor sie ausgezeichnet werden.

Entwicklungsminister Gerd Müller hofft, dass der „Grüne Knopf“ ein Signal auch in andere Wirtschaftszweige sendet. „Alle haben gesagt, man kann keine komplette Lieferkette bis in den Laden durchzertifizieren. Wir beweisen jetzt am Beispiel von Textilien: Es geht eben doch“, sagte der CSU-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“.

VZBV-Chef Müller zeigte sich überzeugt, dass „Grüne Knopf“ Verbrauchern Orientierung beim Einkauf von Textilien bieten könne. „Zu wissen, dass soziale und ökologische Mindeststandards bei der Herstellung eingehalten wurden, ist für viele Verbraucher wichtig beim Kauf von Textilien, aber auch bei anderen Produkten“, sagte er. Deshalb sei der „Grüne Knopf“ ein guter Anfang. „Das Siegel muss nun halten, was es verspricht. Wir werden die Pilotphase genau beobachten.“ Unter welchen Bedingungen Menschen arbeiten und Ressourcen genutzt werden, dürfe nicht egal sein, auch wenn die Textilfabrik weit entfernt sei.

Auch Minister Müller betonte, Deutschland könne es sich nicht mehr leisten, beim Import von Produkten die sozialen Bedingungen in Billiglohnländern auszublenden. „Wir können weiter wegsehen und die Menschen sklavenartig für uns arbeiten lassen, aber das wird nicht funktionieren.“ Er fügte hinzu: „Dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich Millionen auf den Weg nach Europa machen.“

CSU-Minister beklagt Ausbeutung in den globalen Lieferketten

Zu den sozialen Standards des „Grünen Knopfs“ gehören unter anderem die Zahlung von Mindestlöhnen und das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit. Die ökologischen Standards umfassen etwa das Verbot von Weichmachern und anderen Chemikalien sowie Grenzwerte für Abwässer, die bei der Produktion anfallen. Die Herstellerfirmen müssen nachweisen, dass sie menschenrechtliche, soziale und ökologische Verantwortung übernehmen.

Die Idee für das Siegel sei nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit 1136 Toten und fast 2500 Verletzten vor sechs Jahren entstanden, erklärte der Entwicklungsminister. „Damals ist mir klar geworden, welche Ausbeutung von Mensch und Natur es in den globalen Lieferketten gibt.“

Für Kunden im Laden werde es nicht teurer, betonte Müller. „Eine Jeans mit dem Grünen Knopf kostet in der Produktion am Ende etwa einen Dollar mehr. Das reicht, um den Frauen in Bangladesch einen Lohn zu zahlen, von dem sie leben können.“ Müller verlangte, dass der Bund, aber auch Kommunen, Krankenhäuser oder Polizeidienststellen sich künftig am Grünen Knopf orientieren, wenn sie Arztkittel, Uniformen oder Bettwäsche einkaufen.

Mehr: Das staatliche Textilsiegel „Grüner Knopf“ kommt. Lesen Sie hier, warum es längst überfällig ist.

Mit Material von dpa.

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