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01.12.2020

12:50

Elektroautofabrik

Tesla forciert mit neuer Waldrodung den Bau der Gigafactory bei Berlin

Von: Silke Kersting, Dietmar Neuerer

Der Bau der Tesla-Fabrik im brandenburgischen Grünheide geht zügig weiter. Die Rodung einer weiteren riesigen Waldfläche wurde unter Auflagen genehmigt.

Der Elektroautobauer will am Standort Grünheide ab nächsten Sommer jährlich rund 500.000 Fahrzeuge der Models 3 und Y bauen. dpa

Tesla-Gelände in Brandenburg

Der Elektroautobauer will am Standort Grünheide ab nächsten Sommer jährlich rund 500.000 Fahrzeuge der Models 3 und Y bauen.

Berlin Der US-Elektroautobauer Tesla forciert den Bau seiner Fabrik in Grünheide bei Berlin. Am Morgen startete die Rodung einer weiteren 82,8 Hektar großen Waldfläche. In den sozialen Medien kursierten Bilder von den Baumfällarbeiten mit sogenannten Harvestern: Das sind große Holzerntemaschinen.

Mit der Rodung wurde die Berliner Arikon Bau AG beauftragt, die nach Informationen des Handelsblatts zunächst Bäume auf einer Fläche von 50 Hektar fällen soll. Das Landesamt für Umwelt (LfU) in Brandenburg hatte zuvor den vorzeitigen Beginn der Rodung genehmigt, teilte das Umweltministerium in Potsdam mit.

Bisher baut Tesla seine Fabrik über einzelne, vorläufige Zulassungen. Dies ist nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) möglich. Eine abschließende Baugenehmigung für das Autowerk hat die Behörde noch nicht erteilt.

Das Gelände werde benötigt, „um Flächen für Rohrleitungen und Lagerung zu ermöglichen, die für den weiteren Baufortschritt benötigt werden“, heißt es aus dem Landesumweltministerium. Ursprünglich wollte Tesla deutlich mehr Wald roden. Der Umfang sei dann „mehrfach auf die unbedingt zum jetzigen Zeitpunkt erforderlichen Maßnahmen und Flächen reduziert“ worden, erklärte das Ministerium.

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    Eine Genehmigung für den Antrag auf vorzeitige Zulassung der Montage für einen Teil der Lackiererei steht noch aus. Aus der Sicht von Tesla ist die Lackiererei ein wichtiger Bestandteil der Fabrik.

    Tesla will am Standort Grünheide ab nächsten Sommer jährlich rund 500.000 Fahrzeuge der Models 3 und Y bauen. Unternehmenschef Elon Musk will das künftige Werk des Elektroautoherstellers auch zur weltgrößten Batteriefabrik machen. Naturschützer und Anwohner befürchten negative Folgen für die Umwelt.

    Der Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg will gegen die Rodungsarbeiten vorgehen. „Wir werden im Laufe des Tages Widerspruch einlegen und umgehende Akteneinsicht fordern, um zu prüfen, inwieweit diese Entscheidung tatsächlich alle naturschutzfachlichen Anforderungen berücksichtigt“, sagte Nabu-Geschäftsführerin Christiane Schröder dem Handelsblatt.

    Michael Ganschow, Landesgeschäftsführer der Grünen Liga Brandenburg, eines Netzwerks ökologischer Bewegungen, brachte eine Klage ins Spiel: „Über eine Klage gegen die sofortige Vollziehung wird dann entschieden, wenn die Kettensägen angeworfen werden“, sagte Ganschow dem Handelsblatt.

    Mit der jetzt zugelassenen Rodung sind laut Umweltministerium „umfangreiche Auflagen“ zum Natur- und Artenschutz umzusetzen. Tesla müsse ebenso eine Ersatzaufforstung und waldverbessernde Maßnahmen umsetzen. Die Arbeiten dürften nur werktags zwischen 7 und 20 Uhr stattfinden. Die Einhaltung der Auflagen zum Lärmschutz müsse Tesla durch entsprechende Messungen dokumentieren und entsprechende Berichte dem Landesamt für Umwelt nachweisen.

    Grafik

    Die Artenschutzmaßnahmen auf der Fläche seien bereits abgeschlossen, wie das Handelsblatt aus gut informierten Kreisen erfuhr. Es seien drei Bäume entdeckt worden, die zunächst stehen bleiben müssten, weil dort Fledermäuse leben. Die Bäume würden erst dann gerodet, wenn die Tiere umgesiedelt worden seien.

    Tesla führt die zugelassenen Maßnahmen auf eigenes Risiko durch. Sollte die abschließende Genehmigung des Gesamtvorhabens nicht erfolgen, sind alle schon errichteten Gebäude zu beseitigen und ist die Fläche auf Kosten des Investors wieder zu bewalden.

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