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15.03.2022

10:00

Emissionsdaten 2021

„Etwas weniger heizen, das Auto mal stehen lassen“: Regierung verfehlt Klimaziele im Gebäude- und Verkehrssektor

Von: Silke Kersting

Die Treibhausgasemissionen sind gestiegen, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist gesunken. Die Bilanz zeigt die Abhängigkeit Deutschlands von den fossilen Energien.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sank vor allem aufgrund schlechter Windverhältnisse um sieben Prozent. dpa

Erneuerbare Energien

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sank vor allem aufgrund schlechter Windverhältnisse um sieben Prozent.

Berlin Während die Bundesregierung ein neues Entlastungspaket aufgrund der hohen Energiepreise auf den Weg bringen will, zeigen die Emissionsdaten für 2021 erneut die große Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle in Deutschland.

So wurden hierzulande 2021 rund 762 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt, 33 Millionen Tonnen oder 4,5 Prozent mehr als 2020. Vor allem im Energiesektor erhöhten sich die Emissionen – um 27 Millionen Tonnen.

Die Sektoren Verkehr und Gebäude liegen zudem über den im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmengen. Das geht aus aktuellen Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA) hervor, die UBA-Präsident Dirk Messner und Patrick Graichen, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, an diesem Dienstag vorlegten.

Im Folgenden eine Übersicht über die einzelnen Branchen:

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    Energie: Sinkende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien

    Die Emissionen im Energiesektor lagen 2021 bei 247 Millionen Tonnen CO2, ein Plus von 12,4 Prozent im Vergleich zu 2020. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sank vor allem aufgrund schlechter Windverhältnisse um sieben Prozent.

    Weil der Stromverbrauch zunahm, erhöhte sich die Stromerzeugung aus der Stein- und Braunkohleverstromung. Der Einsatz von emissionsärmerem Erdgas sank in der zweiten Jahreshälfte aufgrund der deutlich gestiegenen Gaspreise.

    Verkehr: Weniger Pkw-Verkehr als vor der Corona-Pandemie

    Im Verkehrssektor stiegen die CO2-Emissionen auf rund 148 Millionen Tonnen. Das ist nicht nur ein Plus von 1,2 Prozent gegenüber 2020. Überschritten wurde auch die zulässige Jahresemissionsmenge von 145 Millionen Tonnen. Das Klimaschutzgesetz des Bundes schreibt seit 2020 jährlich kontinuierlich sinkende Jahresemissionsmengen für die einzelnen Sektoren vor.

    Der Pkw-Verkehr ist niedriger als vor der Corona-Pandemie. imago images/photothek

    Verkehr in Berlin

    Der Pkw-Verkehr ist niedriger als vor der Corona-Pandemie.

    Als einen Grund für die höheren Emissionen im Verkehrssektor nennt das UBA den Straßengüterverkehr auf Autobahnen. Der Pkw-Verkehr ist dagegen niedriger als vor der Coronapandemie.

    Industrie: Vermehrter Einsatz fossiler Brennstoffe

    In der Industrie erhöhten sich die Emissionen um gut neun Millionen Tonnen CO2 (plus 5,5 Prozent) auf 181 Millionen Tonnen. Damit lagen sie wieder fast auf dem Niveau von 2019, aber knapp unter der im Bundesklimaschutzgesetz festgeschriebenen Jahresemissionsmenge von 182 Millionen Tonnen.

    Als Gründe für das Plus nennt das UBA aufholende Konjunktureffekte infolge der Coronakrise und ein vermehrter Einsatz fossiler Brennstoffe.

    Gebäude: Weniger Heizölkäufe

    Wie der Verkehrssektor überschreitet auch der Gebäudesektor seine Jahresemissionsmenge gemäß Klimaschutzgesetz, die bei 113 Millionen Tonnen CO2 liegt. Freigesetzt wurden 115 Millionen Tonnen, ein Minus von vier Millionen.

    >> Lesen Sie mehr zu dem Thema:

    Das UBA erklärt das im Wesentlichen mit deutlich verringerten Heizölkäufen. Die Heizöllager wurden aufgrund der günstigen Preise und in Erwartung des 2021 eingeführten CO2-Preises zuvor umfangreich aufgestockt. Der Erdgasverbrauch stieg dagegen witterungsbedingt. Auch 2020 hatte der Sektor die zulässige Jahresemissionsmenge überschritten.

    Landwirtschaft: Rückgang bei der Tierhaltung

    Die Emissionen in der Landwirtschaft sanken um gut 1,2 Millionen Tonnen auf 61 Millionen und blieben damit unter dem zulässigen Höchstwert von 68 Millionen Tonnen. Der Rückgang der Tierzahlen setzt sich fort, so das UBA. Die Zahl der Rinder sank um 2,3 Prozent, die der Schweine um 9,2 Prozent. Dadurch gab es weniger Gülle, die Emissionen sanken ebenfalls.

    Abfall: Verbot der Deponierung organischer Abfälle

    Die Emissionen sanken um rund 4,3 Prozent auf gut acht Millionen Tonnen, erlaubt wären neun gewesen. Der Trend wurde laut UBA im Wesentlichen von sinkenden Emissionen infolge des Verbots der Deponierung organischer Abfälle bestimmt.

    Seit 1990 sanken die Emissionen in Deutschland um nunmehr 38,7 Prozent. Innerhalb eines Monats bewertet nun der Expertenrat für Klimafragen die vorgelegten Daten. Danach haben Bundesbau- und -verkehrsministerium drei Monate Zeit, ein Sofortprogramm vorzulegen, mit dem die beiden Sektoren auf Zielkurs gebracht werden sollen. Bis 2030 will Deutschland seine Emissionen im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent senken, bis 2045 soll Klimaneutralität erreicht sein.

    Grafik

    Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klima (BMWK) arbeitet derzeit an einer Strategie für einen Ausbau der erneuerbaren Energien und einer Reduzierung des Verbrauchs fossiler Energien, um die Abhängigkeit von russischen Importen zu senken. Beim Thema Energieeffizienz „schlummern große Einsparpotenziale“, heißt es, etwa über die Gebäudedämmung und die Umstellung der Wärmeversorgung. Staatssekretär Graichen sagte am Dienstag einen „Wärmepumpenboom“ für dieses Jahr voraus.

    Auch UBA-Präsident Messner forderte, nicht nur schnell mehr Sonnen- und Windenergieanlagen zu bauen. Gebäude müssten auf Wärmepumpen umgestellt werden, sagte er, und „wir müssen so schnell wie möglich aufhören, Öl- und Gasheizungen einzubauen“.

    Jede und jeder Einzelne, so Messner, könne etwas tun, was auch dem Klima hilft: „Etwas weniger heizen, das Auto öfter mal stehen lassen oder, wenn es doch notwendig ist, langsamer fahren.“

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