Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

11.02.2019

21:20

Energiewende

Amprion und OGE planen Großanlage zur Herstellung von Wasserstoff mittels Ökostrom

Von: Klaus Stratmann

Amprion und Open Grid Europe planen die erste großtechnische Power-to-Gas-Anlage in Deutschland. Sie betreten damit Neuland. Aber es gibt ein Problem.

Von „Power-to-Gas“ ist die Rede, wenn aus Strom Brennstoff wird. dpa

Wasserstoff

Von „Power-to-Gas“ ist die Rede, wenn aus Strom Brennstoff wird.

Stromnetzbetreiber Amprion und Gasleitungsbetreiber Open Grid Europe (OGE) machen Ernst: Sie wollen mit der ersten großtechnischen Anlage zur Herstellung von Wasserstoff mittels Strom aus erneuerbaren Energien in die Genehmigungsphase eintreten.

Sie nennen ihr Projekt „Hybridge“, haben bereits einen Standort auserkoren und sind bereit, 150 Millionen Euro zu investieren. Sie betreten damit Neuland. Aber es gibt noch ein Problem: Die Politik ist noch nicht so weit wie Amprion und OGE.

Thomas Hüwener, Mitglied der OGE-Geschäftsführung, schwärmt: „In Lingen haben wir optimale Voraussetzungen.“ Die Projektpartner führten für ihr Vorhaben bereits einen konstruktiven Dialog mit der Stadt Lingen und dem Landkreis Emsland.

Worum geht es? Amprion und OGE planen die erste großtechnische Power-to-Gas-Anlage in Deutschland. Von „Power-to-Gas“ ist die Rede, wenn aus Strom Brennstoff wird. Power-to-Gas beruht auf dem seit zweihundert Jahren erprobten Verfahren der Elektrolyse. Dabei wird Strom in Wasserstoff umgewandelt.

Der Wasserstoff lässt sich direkt verbrennen, aber auch speichern oder in Methan oder synthetische Kraftstoffe umwandeln. Wenn der eingesetzte Strom aus erneuerbaren Quellen stammt, ist der so hergestellte Brennstoff klimaneutral.

Klaus Kleinekorte, technischer Geschäftsführer von Amprion, erklärt, warum das Projekt Signalwirkung haben könnte. „Die deutschen Klimaziele, der Ausstieg aus der Kernkraft und der sich abzeichnende Kohleausstieg bedeuten eine enorme Herausforderung für unser Energiesystem. Wir müssen daher jetzt die Voraussetzungen schaffen, damit uns Power-to-Gas nach 2030 im Gigawatt-Maßstab zur Verfügung steht“, sagt Kleinekorte.

Die im Emsland geplante Anlage soll eine elektrische Leistung von 100 Megawatt (MW) erreichen. Ein Gigawatt sind 1.000 MW.

Vielfältige Verwendungsmöglichkeiten

Die Verwendungsmöglichkeiten für das produzierte Gas sind vielfältig. Einerseits ließe sich eine Wasserstoffinfrastruktur aufbauen. „Auch die in der Region vorhandenen Erdgasspeicher können perspektivisch auf Wasserstoff umgewidmet werden. Ein Teil des bestehenden Gasnetzes kann zudem für den ausschließlichen Transport von Wasserstoff genutzt werden“, sagt Hüwener. Außerdem könne Wasserstoff nach Umwandlung in Methan direkt ins Erdgasnetz eingespeist werden.

Die Projektpartner bauen somit eine Brücke von der Strom- zur Gasinfrastruktur. Das Emsland bietet sich besonders an, weil hier – wie in weiten Teilen Norddeutschlands – ein wachsendes Überangebot an Windstrom besteht und gleichzeitig große Gasspeicher zur Verfügung stehen.

Immer dann, wenn der Windstrom nicht mehr sinnvoll ins Stromnetz eingespeist und in den Süden weitergeleitet werden kann, bietet sich die Umwandlung des Stroms in Wasserstoff an. So ließen sich die Stromnetze entlasten. Die Nutzung der vorhandenen Gasnetzinfrastruktur könnte vielleicht sogar den Bau neuer Stromleitungen zu einem Teil überflüssig machen.

Klimaneutraler Brennstoff: Anlagenbauer in Deutschland drängen auf mehr Förderung für Wasserstoff

Klimaneutraler Brennstoff

Anlagenbauer in Deutschland drängen auf mehr Förderung für Wasserstoff

Unter bestimmten Voraussetzungen kann Wasserstoff die Energiewende antreiben – bei Autos und Kraftwerken. Der VDMA macht nun Druck auf die Politik.

Amprion und OGE wollen die geplante Infrastruktur allen Marktteilnehmern diskriminierungsfrei zur Verfügung stellen. Die über die Gas- und Stromleitungen transportierte Energie soll sich zu keiner Zeit im Eigentum der Netzbetreiber befinden.

Diese Konstruktion trägt den Bedenken der Bundesnetzagentur und des Bundeswirtschaftsministeriums Rechnung. Der Regulierer und das Ministerium sind der Auffassung, dass die geplante Anlage nicht zum Aufgabenbereich der beiden Unternehmen gehört.

OGE und Amprion fordern ein Umdenken. „Wir brauchen die regulatorische Möglichkeit, das Projekt umzusetzen. Hier ist nun die Politik am Zug. Wenn die Weichen jetzt gestellt werden, kann die Anlage 2023 bereits in Betrieb gehen“, sagte Amprion-Geschäftsführer Kleinekorte.

Handelsblatt Premium

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Kay Golze

12.02.2019, 13:20 Uhr

Ein lange, sehr lange fälliges Projekt. Wir hatten bereits vor fünf Jahren eine ähnliche Planung, inkusiver privater Investoren. Zu diesem Zeitpunkt wurden ich vor allem von der Wissenschaft attackiert. Heute scheinen langsam die Forschungsgelder abgearbeitet zu sein, so dass erneut Projekte zur Wandlung von Überschussstrom möglich werden. Aber die Rückwandlung ist heute durch das EEG an die Nutzung einer Brennstoffzelle gebunden, was in diesem Dimensionen keinen Sinn macht. Mal sehen, wie sich dieses Projekt entwickelt. Ich finde es jedenfalls sehr gut und überfällig!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×