Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2018

14:59

Energiewende, Stromtrassen, Verteilernetze

Deutschlands Probleme beim Netzausbau

Der schleppende und teure Netzausbau ist ein Lieblingsthema der Kritiker der Energiewende. Meist geht es dabei um Stromtrassen quer durch Deutschland – doch Stadtwerke und Versorger haben noch ganz andere Probleme.

Deutschland hat Schwierigkeiten, beim Netzausbau voranzukommen. dpa

Monteure auf Strommasten

Deutschland hat Schwierigkeiten, beim Netzausbau voranzukommen.

Berlin Wenn Deutschland ein Netz-Problem hat, bedeutet das nicht nur, dass in der Pampa Handyempfang und schnelles Internet fehlen. Im Alltag weniger spürbar, aber ähnlich problematisch ist der schleppende Stromnetz-Ausbau. Zwar kommt hierzulande fast überall, wo Menschen wohnen, zu fast jeder Zeit Strom aus der Steckdose. Aber die Mega-Aufgabe Energiewende – also: weg vom Atomstrom und irgendwann auch weg von Kohle, Öl und Gas – stellt das Netz vor enorme Herausforderungen. Es geht dabei nicht nur um gewaltige Trassen von Nord nach Süd, sondern auch um jeden einzelnen Haushalt.

Wie weit ist der Netzausbau in Deutschland?

Meist ist damit der Ausbau der sogenannten Übertragungsnetze gemeint, die zum Beispiel Windstrom aus dem Norden in den Süden transportieren sollen. Es gab ein langes Gezerre in der Politik, bis man sich einigte, die „Stromautobahnen“ möglichst unterirdisch zu verlegen – was sie teurer macht und die Bauzeit verlängert, aber bei Anwohnern besser ankommt. Die Bundesnetzagentur gibt über den Stand der Dinge Auskunft: Nach dem dritten Quartal 2017 waren von insgesamt 7700 geplanten Leitungskilometern 900 gebaut – teils geht es dabei auch nur darum, Leitungen zu verstärken, nicht komplett neu zu verlegen. Im dritten Quartal wurden insgesamt 38 Kilometer gebaut.

Warum zieht sich der Bau so lange hin?

Die Übertragungsnetzbetreiber können nicht einfach loslegen. Sie schlagen Strecken vor, die dann sorgfältig geprüft werden – sie sollen möglichst kurz sein, um Geld zu sparen, sollen aber auch Mensch und Natur möglichst wenig beeinträchtigen. Bürger dürfen mitreden. Die Dialog- und Info-Veranstaltungen ziehen das Verfahren in die Länge, reduzieren aber – wenn es gut läuft – das Risiko von Klagen und Gerichtsverfahren, die noch viel länger dauern. Die sogenannten Antragskonferenzen für die Stromautobahnen Suedlink und Suedostlink wurden 2017 abgeschlossen. Das Planfeststellungsverfahren soll nun rund drei Jahre dauern, mit einer Genehmigung rechnen die Betreiber für 2021. Dann wird gebaut – ab 2025 soll Strom fließen.

Worüber gibt es Streit?

Notmaßnahmen kosten Milliarden: Die Energiewende stößt an ihre Grenzen

Notmaßnahmen kosten Milliarden

Die Energiewende stößt an ihre Grenzen

Um das Stromnetz zu stabilisieren, geben die Betreiber Milliarden für Notmaßnahmen aus. Der Bau neuer Leitungen verzögert sich. Ein Thinktank sieht viel Optimierungsbedarf – und regt ein Sofortprogramm an.

Bürgerinitiativen wollen aus unterschiedlichen Gründen verhindern, dass Trassen in ihrer Nachbarschaft oder durch Schutzgebiete laufen. Aber auch viele Bauern wehren sich. Sie fürchten um die Qualität ihrer Böden, wenn Kabel dort vergraben werden. Der Bauernverband fordert wiederkehrende Entschädigungen statt einmalige, da die Unternehmen ja auch fortwährend Gewinne mit den Leitungen machten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Warum sind diese Netze überhaupt so wichtig?

    Weil Windstrom aus dem Norden im industriereichen Süden bisher zu wenig ankommt. Der große Netzbetreiber Tennet musste 2017 nach eigenen Angaben fast eine Milliarde Euro für sogenannte Noteingriffe ins Netz zahlen, weil nicht genug Leitungskapazitäten frei waren. Solche Kosten landen am Ende beim Verbraucher. Wer Schuld ist an der Netzüberlastung, ist umstritten. Die einen sagen, die Erneuerbaren würden zu schnell ausgebaut – die anderen kritisieren, dass Strom aus konventionellen Kraftwerken die Netze verstopfe, weil sie nicht flexibel genug heruntergefahren würden, wenn viel Ökostrom fließe.

    Und wenn es nicht schnell genug geht?

    Dann kann es passieren, dass Deutschland in Strompreiszonen aufgeteilt werden muss. Das hat damit zu tun, dass die EU-Staaten ihre grenzüberschreitenden Leitungen nach und nach für den Stromhandel mit den Nachbarstaaten öffnen müssen. Um Netz-Engpässe zu vermeiden, können sie wählen, ob sie ihren Strommarkt in Regionen aufteilen – die dann unterschiedliche Strompreise hätten – oder die Netze ausbauen. Die Bundesregierung will Strompreiszonen vermeiden.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×