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02.11.2022

13:25

Fachkräftemangel

Nahles: Berlin ist „der schwärzeste Fleck auf der Ausbildungs-Landkarte“

Von: Barbara Gillmann

Immer mehr Lehrstellen bleiben frei – zugleich gehen Zehntausende Schulabgänger leer aus. Die Agentur für Arbeit nimmt die Unternehmen in die Pflicht.

Die BA-Chefin forderte, dass Betriebe auch solchen Interessenten eine Chance geben, „die nicht zu den optimalen Kandidaten gehören“. IMAGO/Political-Moments

Andrea Nahles

Die BA-Chefin forderte, dass Betriebe auch solchen Interessenten eine Chance geben, „die nicht zu den optimalen Kandidaten gehören“.

Berlin Die Chefin der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, hat Verständnis für die Debatte in Berlin und Bremen über eine neue Ausbildungsumlage für Unternehmen zum Ausdruck gebracht. Gerade Berlin stelle aktuell auf dem Ausbildungsmarkt „den schwärzesten Fleck auf der Landkarte“ dar, weil es dort weit mehr Bewerber für Lehrstellen als Angebote gebe. Auch in Bremen sei die Lage zwar besser geworden, „aber noch nicht wirklich gut“. 

Die beiden rot-rot-grünen Senate planen eine Umlage, um mit dem Geld Ausbildungsbetriebe zusätzlich zu unterstützen. Daneben sollen eventuell auch überbetriebliche Lehrstellen geschaffen werden.  

Die jeweiligen Wirtschaftsverbände lehnen die Umlagen strikt ab. Sie verweisen dabei auf die vom Bund angekündigte „Ausbildungsgarantie“ gegen den Fachkräftemangel, für die es aber noch keine konkreten Pläne gibt. 

Hintergrund ist der dramatische Einbruch der dualen Ausbildung in den vergangenen Jahren: 2021 starteten gerade mal 473.000 Azubis in eine Lehre –  2007 waren es noch 626.000.

Gleichzeitig weisen Experten darauf hin, dass vor allem die Energiewende ohne eine entsprechend große Anzahl an Facharbeitern und Facharbeiterinnen nicht gelingen kann. 

Nach der Ausbildungsbilanz der BA für 2021/22 „öffnet sich die Schere zwischen Angebot und Nachfrage seit 2016/17 immer weiter“, sagte Nahles. Ende September habe es noch 68.900 unbesetzte Lehrstellen gegeben – „diese Zahl steigt seit 13 Jahren“. 

Wo zu wenig Ausbildungsplätze angeboten werden

Zugleich gibt es jedoch fast 23.000 Bewerber, die noch unversorgt sind, und weitere knapp 38.000, die zwar eine Alternative gefunden haben, „aber grundsätzlich weiter willig und bereit sind, eine Ausbildungsstelle anzutreten“. 

Ein krasses Beispiel sind ausgerechnet die IT-Berufe, in denen Fachleute händeringend gesucht werden: Hier gab es laut BA-Daten im bundesweiten Schnitt rund doppelt so viele Bewerber wie Ausbildungsplätze. Vor allem in Lebensmittelberufen, am Bau aber auch in Metallberufen bleiben massenhaft Ausbildungsplätze frei. 

Nahles forderte daher „mehr Kompromissbereitschaft von beiden Seiten“. Betriebe müssten auch solchen Interessenten eine Chance geben, „die nicht zu den optimalen Kandidaten gehören“. Denn Deutschland könne auf keine potenziellen Fachkräfte verzichten. Jugendliche sollten sich auch abseits ihres „Traumberufs“ über Ausbildungsangebote informieren.  

Bei Defiziten der Jugendlichen könne die BA beispielsweise mit dem Instrument der „Einstiegsqualifizierung“ helfen, eine Art staatlich finanziertem Langzeitpraktikum, oder auch mit der „Assistierten Ausbildung“. 

Nahles appellierte an Politik und Wirtschaft, mehr Jugendliche aus dem Übergangsbereich in die Betriebe zu vermitteln – auch wenn diese vielleicht „nicht immer das ideal Profil eines Bewerbers haben“.

Mit dem Übergangsbereich werden an den Berufsschulen Kurse bezeichnet, in denen die Schulabgänger weiter fit für eine Ausbildung gemacht werden. In diesen Kursen, zu denen etwa die Berufsgrundbildungsjahre an den Berufsschulen gehören, „steckten 2021 rund 230.000 junge Leute fest“, kritisiert etwa der DGB. Um mehr davon in eine Ausbildung zu lenken, „sind aber auch mehr kooperationswillige Betrieb nötig“, sagte Nahles. 

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