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07.11.2022

16:09

Feinstaub

Euro-7-Norm soll die Abgase von Bremsbelägen reduzieren

Von: Christoph Herwartz, Moritz Koch

Moderne Autos sollen künftig den Abrieb ihrer Bremsbeläge einsaugen und filtern. Die Abgaswerte am Auspuff sollen trotz der neuen Norm unverändert bleiben.

Mit Euro 7+ sollen Autos ausgezeichnet werden, die mindestens zehn Prozent weniger Schadstoffe ausstoßen, als die Euro-7-Norm vorgibt. dpa

Verkehr

Mit Euro 7+ sollen Autos ausgezeichnet werden, die mindestens zehn Prozent weniger Schadstoffe ausstoßen, als die Euro-7-Norm vorgibt.

Brüssel Über Jahrzehnte haben die Abgasnormen der EU dazu geführt, dass Automotoren immer weniger gesundheitsschädliche Stoffe freisetzen dürfen. Bei der neuen Norm Euro 7 soll das anders sein: Dem aktuellen Entwurf zufolge sollen sich die Werte nur minimal ändern.

Die Menge der besonders relevanten Stickoxide (NOx) soll sogar konstant bleiben. Wie für die Euro-6-Norm dürfen 60 Milligramm Stickoxide pro einem Kilometer aus dem Auspuff kommen, um die Norm Euro 7 zu erfüllen.

So sieht es der letzte Entwurf des Gesetzesvorschlags vor, den die Organisation Transport & Environment (T&E) veröffentlicht hat. Die EU-Kommission will ihn am Mittwoch vorstellen und kann noch Änderungen vornehmen. Bis daraus ein Gesetz wird, können das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten Änderungen verlangen. Gelten würde die neue Norm wohl ab Mitte 2025.

Warum soll es überhaupt eine neue Abgasnorm geben, wenn die Abgaswerte nicht gesenkt werden? Die Kommission wird vorschlagen, erstmals auch Grenzwerte für den Abrieb von Bremsen festzulegen. Nur noch sieben Milligramm pro Kilometer sollen sie freisetzen, ab 2035 sogar nur noch drei Milligramm pro Kilometer.

Der Verschleiß von Bremsbelägen lässt sich nicht verhindern. Doch es ist möglich, einen Großteil des Abriebs bei jedem Bremsvorgang mit einer Art Staubsauger einzusaugen und zu filtern. Dieses System müsste wohl in jedes Euro-7-Auto eingebaut werden. Entwickelt wurde es vom französischen Zulieferer Tallano.

Euro 7 werde „die Normen für Luftschadstoffemissionen von Kraftfahrzeugen deutlich verschärfen und die Luftqualität für unsere Bürger verbessern“, sagte EU-Industriekommissar Thierry Breton dem Handelsblatt und anderen europäischen Zeitungen.

T&E kritisiert Bretons Entwurf scharf: „Die Emissionen am Auspuff werden praktisch gar nicht gesenkt“, sagte Anna Krajinska, Auto-Expertin bei T&E. „Damit wäre das Euro-7-Label vor allem Greenwashing.“ Es sei unverständlich, warum die Reduktion der Brems-Emissionen erst 2035 verschärft werden solle, obwohl die Technik dafür jetzt schon verfügbar sei. Insgesamt bewertet T&E aber positiv, dass es Vorgaben für den Bremsabrieb geben soll.

Auch der Abrieb der Reifen soll künftig reguliert werden. Noch sei unklar, wie deren Emissionen gemessen werden können, sagte Krajinska. Darum sind die entsprechenden Felder im Anhang des Kommissionsvorschlags leer. Sollte es während des Gesetzgebungsprozesses Fortschritte geben und die Emissionen der Reifen messbar gemacht werden, könnten dort Grenzwerte eingetragen werden.

Weitere Neuerungen bei den Abgasnormen

Eine weitere Neuerung ist die Einführung der Abgasnormen Euro 7+, 7A und 7G. Mit Euro 7+ sollen Autos ausgezeichnet werden, die mindestens zehn Prozent weniger Schadstoffe ausstoßen, als die Euro-7-Norm vorgibt.

Euro 7A soll anzeigen, dass sich das Abgasreinigungssystem anpassen lässt, sodass in Umweltzonen der Ausstoß weiter gesenkt werden kann. Euro 7G soll Hybridautos kennzeichnen, die in Umweltzonen automatisch in den elektrischen Null-Emissions-Modus umschalten.

Euro 7 werde „die Normen für Luftschadstoffemissionen von Kraftfahrzeugen deutlich verschärfen“, sagte EU-Industriekommissar Thierry Breton. Reuters

Thierry Breton

Euro 7 werde „die Normen für Luftschadstoffemissionen von Kraftfahrzeugen deutlich verschärfen“, sagte EU-Industriekommissar Thierry Breton.

Ob diese Vorgaben von der Industrie umgesetzt werden, ist noch unklar. Dafür ist es notwendig, dass das Auto erkennt, ob es sich in einer Umweltzone befindet. T&E sieht dabei Umsetzungsprobleme.

Außerdem könnte der Schadstoffausstoß außerhalb der Umweltzonen steigen, wenn der in den Filtern angesammelte Feinstaub außerhalb der Umweltzone abgebrannt und ausgestoßen wird.

Die Abgasnormen sind kein Widerspruch zu der EU-Vorgabe, dass ab 2035 keine neuen Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden dürfen. Denn sie definieren Vorgaben auch für bestehende Autos.

Die EU-Kommission rechnet damit, dass 2050 noch mindestens 20 Prozent Benzin- und Diesel-Autos auf Europas Straßen unterwegs sein werden. Die Emissionsgrenzen für Bremsen und Reifen würden auch für Elektroautos gelten.

Breton rief die Autoindustrie dazu auf, weiter in die Verbrenner-Technologie zu investieren. Außerhalb Europas würden diese Motoren noch deutlich länger genutzt werden. Auch dort müsse die Luftqualität verbessert und der Beitrag zum Klimawandel begrenzt werden.

Den Wandel in der europäischen Autoindustrie will Breton eng begleiten. Für Kohle-Regionen gebe es Hilfe beim Strukturwandel, für den Mobilitätssektor noch nicht. „Wir haben bisher keine Strukturen, um Austausch von Wissen und Informationen zwischen den direkt betroffenen Regionen zu erleichtern“, sagte er. Um den Übergang zu erleichtern, brauche es mehr Geld.

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