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29.07.2022

14:51

Formel 1

Sebastian Vettel: „Formel-1-Fahrer zu sein, bringt Dinge mit sich, die mir nicht mehr gefallen“

Von: Luisa Bomke

Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel beendet seine Karriere. Überraschend kommt der Schritt nicht, der Rennfahrer äußerte immer lautere Kritik an der Formel 1.

Der Weltmeister von 2010 bis 2013 hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. ddp/abaca press

Sebastian Vettel

Der Weltmeister von 2010 bis 2013 hat seinen Rücktritt bekannt gegeben.

Berlin Deutschlands erfolgreichster Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel beendet zum Saisonende 2022 seine Karriere. 53 Siege und vier Weltmeistertitel konnte der Heppenheimer in seiner Karriere erfahren. Noch zehn Rennen will Vettel absolvieren – dann ist Schluss. Das hat Vettel in einer Videobotschaft auf seinem Instagram-Kanal bekannt gegeben.

Dabei wollte sein Rennstall Aston Martin unbedingt mit Vettel weitermachen. Team-Chef Mike Krack betonte Vettels extremen Einsatz, seine Erfahrung sowie die Fähigkeiten, ein Team zu motivieren und weiterzubringen. Vettels Ziele jedoch haben sich verändert. „Weg von Rennsiegen und um Meisterschaften zu kämpfen, hin zu meinen Kindern“, begründet Vettel seinen Rücktritt.

Überraschend kommt die Entscheidung des Rennfahrers für viele Experten nicht. Vettel dachte lange über seinen Rücktritt nach. Doch nicht nur sportlich passten Vettel und die Formel 1 in den vergangenen Jahren nicht mehr zusammen. Den letzten seiner 53 Siege feierte der Deutsche 2019 beim Grand Prix von Singapur.

Auch seine Kritik an dem Sport und sein Einsatz für Menschenrechte und das Klima sind immer lauter geworden. „Formel-1-Fahrer zu sein bringt Dinge mit sich, die mir nicht mehr gefallen“, sagt Vettel in seinem Abschieds-Statement. Er spielt damit auf die Austragungsorte der Formel-1-Rennen und die Ressourcenverschwendung des Rennsports an.

Vettels Proteste stoßen im Rennsport auf Kritik

Die Regenbogenflagge, einen Sticker gegen den Ukrainekrieg, ein Aufruf zum Schutz der Bienen – immer wieder setzte Sebastian Vettel auf seinem Rennhelm auf politische und gesellschaftliche Botschaften. Beim diesjährigen Grand Prix in Kanada wollte er einen Sonderhelm tragen, um auf den umweltschädlichen Teersand-Abbau aufmerksam zu machen. Dazu wurde ihm jedoch vom Team und dem internationalen Motorsport-Dachverband (FIA) abgeraten.

Doch nicht nur seinen Helm nutzt Vettel regelmäßig für politische Botschaften. 2021 beim Großen Preis von Ungarn trug er ein T-Shirt im Regenbogen-Design mit der Aufschrift „Same Love“. Die Regenbogenflagge gilt seit den 1970er-Jahren als internationales Symbol für Toleranz und Vielfalt. Nur wenige Wochen vor dem Grand Prix in Budapest hatte Viktor Orban Gesetze erlassen, die die Information über Homo- und Transsexualität beschränken.

Sebastian Vettel setzte mit den Regenbogenfarben ein Zeichen gegen Orbans Homosexuellen-Gesetze. Pool via REUTERS

Großer Preis von Ungarn

Sebastian Vettel setzte mit den Regenbogenfarben ein Zeichen gegen Orbans Homosexuellen-Gesetze.

FIA-Chef Mohammed bin Sulayem kritisierte Vettel im Gespräch mit Grandprix247.com: „Niki Lauda und Alain Prost ging es nur um das Fahren. Jetzt fährt Vettel ein Regenbogen-Fahrrad.“ Für sein Statement wurde Vettel im Anschluss an das Rennen von FIA und Formel 1 abgemahnt.

„Ich bin kein Heiliger“

Auch an den Austragungsorten Bahrein und Abu Dhabi übte er Kritik und während der Black-Lives-Matter-Proteste kniete er sich als Zeichen der Solidarität hin. Über die Widersprüche zwischen seinem Leben als Rennfahrer und seinem Engagement für Menschenrechte und den Klimaschutz ist sich Vettel seit Jahren bewusst. Seine Reisen gestaltete er deshalb so klimaschonend wie möglich: Verzicht auf Flüge innerhalb Europas, mit E-Autos oder Bahnfahrten.

„Ich bin kein Heiliger“, sagte Vettel im Interview mit dem britischen Nachrichtensender BBC auf die Frage, ob sein Engagement nicht geheuchelt sei. Vettel antwortete, dass das Auto zwar seine Leidenschaft sei, beim Aussteigen denke er aber: „Ist das etwas, was wir machen sollten – um die Welt reisen und Ressourcen verschwenden?“ Jetzt macht Vettel nach 15 Jahren Schluss mit der „Ressourcenverschwendung“ Formel 1.

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