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27.09.2019

03:58

„Fortschrittsindex Vereinbarkeit“

Neuer Index mahnt Familienfreundlichkeit von Unternehmen an

Von: Heike Anger

Viele Betriebe schätzen sich fortschrittlicher ein, als ihre Beschäftigen es tun. Nun lässt sich die tatsächliche Lage mit einem Index überprüfen.

Die Familienfreundlichkeit wird für Arbeitnehmer immer wichtiger bei der Jobwahl. Ute Grabowsky/photothek.net

Kinder beim Frühstück

Die Familienfreundlichkeit wird für Arbeitnehmer immer wichtiger bei der Jobwahl.

Berlin Ob es um die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen geht. Für immer mehr Arbeitnehmer ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zentral. Die Unternehmen haben das erkannt. Laut der Studie „Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit“ gaben 2003 noch 47 Prozent der befragten Firmen an, dass Familienfreundlichkeit wichtig sei. 2018 betrug dieser Wert bereits gut 83 Prozent. Aber häufig schätzen sich Arbeitgeber deutlich familienfreundlicher ein, als ihre Mitarbeiter es empfinden.

Um die Sache konkret zu machen, hat das Bundesfamilienministerium in Kooperation mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und dem Bundesverband der Personalmanager (BPM) einen „Fortschrittsindex Vereinbarkeit“ entwickelt. Firmen können so familienfreundliche Maßnahmen regelmäßig messen und anpassen. Der Index soll beim Unternehmenstag „Erfolgsfaktor Familie“ an diesem Freitag gestartet werden. Das Konzept liegt dem Handelsblatt vorab vor.

„Familienfreundliche Angebote steigern nachweislich die Arbeitgeberattraktivität“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) dem Handelsblatt. Politik und Wirtschaft seien gemeinsam verantwortlich, eine Arbeitswelt zu gestalten, in der die Beschäftigten Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren könnten. „Familienfreundlichkeit ist wichtig und wird immer wichtiger“, erklärte Giffey. Es gehe längst nicht mehr um ein „Nice-to-have“, sondern um einen echten Wettbewerbsfaktor.

Laut dem Konzept muss sich das Unternehmen zunächst zu Leitlinien einer familienorientierten Unternehmenskultur bekennen. Diese bekunden etwa, dass eine gute Vereinbarkeit sichtbar in Leitbildern und Grundsätzen des Unternehmens verankert ist. „Unsere Führungskräfte leben Vereinbarkeit selbst vor und schaffen den Rahmen für faire Lösungen in ihren Teams“, heißt es in den Leitlinien weiter.

Familiäre und berufliche Verantwortung hätten den gleichen Stellenwert, eine Balance helfe bei der Fachkräftesicherung. In einer Passage heißt es: „Flexible Arbeitsbedingungen werden so gestaltet, dass sie im Sinne der Erfordernisse der Unternehmen und im Interesse der Beschäftigten sind.“

Testphase abgeschlossen

In einem zweiten Schritt können Firmen auf einem Internetportal Unternehmensdaten eingeben. Dabei geht es etwa um den Wirtschaftssektor, den Tätigkeitsbereich, die Anzahl der Beschäftigten und ihre Altersstruktur. „Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht veröffentlicht“, heißt es dazu in der noch nicht öffentlichen Testversion. „Einzelne Unternehmen oder Rankings können nicht identifiziert werden.“ Eine Testphase mit ausgewählten Unternehmen ist bereits abgeschlossen.

Mit einem Kennzahlensystem können Unternehmen dann jährlich ihre familienfreundliche Kultur messen. Zu den zwölf abgefragten Kennzahlen gehören unter anderem die Anzahl der Beschäftigten mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, Dauer der Elternzeit von Müttern und Vätern oder der Anteil von weiblichen Führungskräften.

Sind zum Beispiel 19 von 130 Führungskräften in freiwilliger Teilzeit, ergibt das einen Wert von 14,6 Prozent. Für die Auswertung wird ein solcher Durchschnittswert dann mit den Werten anderer Unternehmen der gleichen Branche oder Größe verglichen. Die Vergleichswerte wurden in einer repräsentativen Befragung erhoben. Der Index „unterstützt Betriebe dabei, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter zu verbessern“, zeigte sich DIHK-Präsident Eric Schweitzer überzeugt.

Am Ende kann sich das Unternehmen die Indexwerte anzeigen lassen und Empfehlungen zu unterentwickelten Bereichen abrufen. „Treffen Sie konkrete Vereinbarungen, wie viel Abwesenheit vom Arbeitsplatz erlaubt ist, wie die Arbeitszeit erfasst wird, wie mit E-Mails und Telefonaten außerhalb der regulären Arbeitszeiten umgegangen wird“, heißt es dann etwa.

Teilnehmende Unternehmen erhalten ein Siegel, das in Stellenausschreibungen als Signal für eine familienbewusste Kultur im Betrieb gelten kann. Familienfreundlichkeit dürfe nicht nur „gute Absicht“ bleiben, mahnte Ministerin Giffey.

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