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09.10.2019

11:45

Gesundheit

Besuch bei Homöopathie-Hersteller wird zum Bumerang für SPD-Staatssekretär

Von: Dietmar Neuerer

SPD-Justizstaatssekretär Lange besucht in seinem Wahlkreis einen Homöopathie-Hersteller. Was er dazu twittert, sorgt für Unmut in den eigenen Reihen.

Die Behandlungsmethode setzt auf eine hohe Verdünnung des Wirkstoffs. dpa

Homöopathie

Die Behandlungsmethode setzt auf eine hohe Verdünnung des Wirkstoffs.

Berlin Der Bundesvorsitzende der SPD-Jugendorganisation (Jusos), Kevin Kühnert, hat mit Unverständnis auf einen Homöopathie-Vorstoß des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesjustizministerium, Christian Lange, reagiert.

Der SPD-Politiker hatte auf Twitter geschrieben: „Homöopathie gehört zu einer guten Patientenversorgung, darin war ich mir mit der Geschäftsführung der @Weleda_D in Schwäbisch Gmünd einig.“ Hinter den Tweet setzte Lange einen „Daumen hoch“-Emoji.

Kühnert erklärte zum Posting seines Parteikollegen, ebenfalls auf Twitter: „Wenn Du Dich in einem so sensiblen Thema auf eine – für mich und viele andere – unverständliche Art positionierst, dann wäre es zumindest hilfreich zu erfahren, auf welcher Grundlage Du argumentierst. Und wie das in Zusammenhang mit dem Besuch dieses privaten Unternehmens steht“, schrieb der Juso-Chef.

Der Hinweis auf das Unternehmen ist pikant. Denn Weleda hat seinen Sitz im baden-württembergischen Schwäbisch Gmünd – und damit in Langes Wahlkreis. Weleda stellt neben Naturkosmetikprodukten unter anderem auch anthroposophische Arzneimittel her – zum Teil nach homöopathischen Verfahren.

Kühnert will von Lange auch wissen, ob er der Ansicht sei, dass Homöopathie Kassenleistung sein solle. Kühnert scheint deutlich anderer Meinung zu sein, wenn er schreibt: „Zuckerkugeln kann man sich ja unabhängig davon gerne gönnen, wenn einem danach ist. Ich bevorzuge Bonbons.“

Frankreich streicht Homöopathie als Kassenleistung

Kühnert trifft damit einen wunden Punkt. Denn es ist schon lange ein Reizthema, ob Patienten Homöopathie-Leistungen aus Beitragsgeld der Kassen bezahlt bekommen sollen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuletzt Mitte September deutlich gemacht, dass er an Erstattungen durch viele Kassen nicht rütteln will, und auf den eher kleinen Anteil an den gesamten milliardenschweren Ausgaben verwiesen.

Die Kassen zahlten bei Arzneiausgaben von rund 40 Milliarden Euro im Jahr etwa 20 Millionen für Homöopathie, erläuterte Spahn beim „Berliner Salon“ des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Darüber könne man emotional diskutieren und dabei vielen vor den Kopf stoßen. Oder man könne sich fragen, ob es das angesichts der gesamten Größenordnung wert sei. „Ich habe mich entschlossen zu: Es ist so okay, wie es ist“, sagte der Minister.

Homöopathie gehört nicht zum regulären Leistungskatalog. Allerdings erstatten viele Kassen Behandlungskosten für Naturheilverfahren, weil es eine Nachfrage dafür gibt und weil dies ein Instrument im Konkurrenzkampf ist.

In Frankreich sollen homöopathische Arzneimittel ab 2021 nicht mehr erstattet werden. Das hatte auch die Diskussion in Deutschland befeuert. Wer solche Mittel haben wolle, solle sie erhalten, „aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft“, hatte etwa der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, gefordert. Grund seien unzureichende wissenschaftliche Belege zur Wirksamkeit.

Die Wirksamkeit bezweifelt offenbar auch Juso-Chef Kühnert. Und nicht nur er. Auf Twitter bekam er für seine Reaktion auf Lange viel Zuspruch. Der bekannte Investor Frank Thelen („Höhle der Löwen“) etwa twitterte: „Hier sind wir 100 Prozent einer Meinung. :-) #GreatDay“

Mehr: Die kleine Homöopathiefirma Hevert-Arzneimittel versuchte, Kritikern Unterlassungserklärungen abzutrotzen. Das sorgte für eine Welle der Kritik.

Kommentare (6)

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Herr Jürgen Orlok

09.10.2019, 12:56 Uhr

Hierzu einen Fall.
Anfang der 90er hat eine Heilpraktikerin einem mir bekannten kleinen Mädchen mit sehr schwerer Neurodermits eine excellente schnell wirksame Therapie empfohlen.
Damals galt bei der Ärzteschaft : Hier hilft nur Cortison.
Bei kleinen Kindern sind die Nebenwirkungen jedoch nicht zu vernachlässigen.
Die empfohlene Threapie eine Diät: Verzicht auf ca. 10 Arten von Lebensmitteln, Tomaten , Zucker etc.
Die Wirksamkeit war wirklich erstaunlich.
Wenn ich nicht irre ist heute auch bei der Ärzteschaft Ernährung als eine Ursache für Neurodermitis angekommen.
Ich erinnere auch an Herrn Dr. Köhler im Zusammenhang mit der "tödlichen" Wirkung von NOx, eine Studie für Lungenfachärzte auf dem Niveau : Viele Störche > viele Babies.
Auf Anfrage bei der Vereinigung der Lungenärzte gab es KEINE Antwort auf die Frage nach der Entwicklung von Lungenschäden durch NOx seit den 50ern, 60ern.
Herr Köhler machte nur einen Fehler in Bezug auf aktuellen Schadstoffgehalt, EU-Richtlinie.
Dies war praktisch bedeutungslos, da jeder Raucher die dann 2Jahre Rauchen überlebt.

Herr Wolfgang Rueckert

09.10.2019, 13:03 Uhr

Der wahrscheinlich einzige Punkt in dem ich mit Hr Kühnert zu 100% übereinstimme.

Herr J.-Fr. Pella

09.10.2019, 14:19 Uhr

Wie komme ich nur auf die wahnwitzige Idee, dass hier maasiv Geld eine Rolle
spielen könnte.

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