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27.02.2019

13:36

Das Schild einer Praxis für Psychotherapie. dpa

Psychotherapie

Das Schild einer Praxis für Psychotherapie.

Gesundheitspolitik

Spahn reagiert auf Kritik: Zugang zu Psychotherapie soll reformiert werden

Von: Gregor Waschinski

Nach heftiger Kritik an seinen Plänen unternimmt der Gesundheitsminister einen weiteren Anlauf, um die Vergabe von Behandlungsplätzen in der Psychotherapie neu zu regeln.

BerlinDer Widerstand war groß: Mehr als 200.000 Menschen unterzeichneten eine Petition gegen die Pläne von Jens Spahn, die Vergabe von Therapieplätzen für psychisch Kranke neu zu regeln. Die Gegner des Vorhabens befürchteten, dass der Bundesgesundheitsminister den Betroffenen bei der Suche nach Hilfe Steine in den Weg legen würde.

Der CDU-Politiker beteuerte dagegen, ihm gehe es darum, durch eine bessere Steuerung die Situation von psychisch kranken Menschen zu verbessern. Sein ursprüngliches Vorhaben hat Spahn angesichts der Kritik nun beerdigt. Zugleich unternimmt er einen neuen Anlauf: Die Selbstverwaltung von Ärzten und Kassen soll bis Mitte nächsten Jahres eine Lösung erarbeiten. 

„Ich möchte eine bessere Versorgung für Menschen mit psychischen Erkrankungen“, sagte der Minister am Mittwoch in Berlin. Diese dürften „nicht von Pontius zu Pilatus laufen“, ehe sie einen Therapieplatz bekommen. Dafür sei eine stärkere Zusammenarbeit von Ärzten und Psychotherapeuten nötig.

Patienten warten in Deutschland durchschnittlich 20 Wochen auf einen Platz beim Psychotherapeuten. Eigentlich wollte der Minister den Zugang zur Behandlung in seinem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) reformieren, das der Bundestag voraussichtlich im März verabschieden wird. Die psychotherapeutische Behandlung, so die Idee, sollte im Rahmen einer „gestuften und gesteuerten Versorgung“ erfolgen.

Die Formulierung löste allerdings Befürchtungen aus, dass psychisch Kranke künftig mit vorgeschalteten Ärzten und Psychotherapeuten sprechen müssen, ehe sie die Aussicht auf einen Therapieplatz bekommen. Kritiker sprachen von einer „emotionalen Zumutung“ für die Betroffenen und warnten vor einem „Nadelöhr vor der eigentlichen Behandlung“. Nicht nur die Berufsverbände der Psychotherapeuten machten gegen den Passus im TSVG mobil. Auch in den Oppositionsparteien und beim Koalitionspartner SPD stieß Spahn auf Ablehnung.

Von einem Rückzieher will Spahn nicht sprechen

Jetzt gibt der Minister die Aufgabe an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), in dem Spitzenvertreter der Krankenkassen, der Ärzte und der Kliniken sitzen. Das Gremium soll Regeln für eine Verzahnung der verschiedenen medizinischen Stellen erarbeiten, um eine „verbesserte und zeitgerechtere psychotherapeutische Versorgung“ zu erreichen.

Der Auftrag an den G-BA steht im Psychotherapeuten-Ausbildungsgesetz, das am Mittwoch das Bundeskabinett passierte. Von einem Rückzieher will Spahn nicht sprechen. Wegen des „Sachzusammenhangs“ passe es doch gut, das Thema nun in diesem Gesetz zu regeln.

Im Zentrum des verabschiedeten Kabinettsentwurfs steht das Ziel, dass die Ausbildung von Psychotherapeuten künftig über ein eigenständiges Studienfach laufen soll. Die neuen, auf fünf Jahre angelegten Studiengänge sollen zum Wintersemester 2020 starten. Bisher müssen Psychotherapeuten ein Studium der Psychologie oder Pädagogik abschließen und anschließend eine therapeutische Ausbildung machen. Diese Trennung sei „nicht mehr zeitgemäß“, sagte Spahn.

Wenn die Absolventen des neuen Studiengangs eine Zulassung von der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten wollen, müssen sie anschließend noch eine praktische Weiterbildung in ambulanten und stationären Einrichtungen machen. Dabei sollen sie bereits ein Gehalt bekommen. Mit der neuen Ausbildung werde die Qualifikation noch besser und der Beruf noch attraktiver, sagte der Gesundheitsminister. „Das ist gut für Therapeuten und Patienten.“

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) begrüßte die Reform der Psychotherapeutenausbildung. Mit der Neuregelung werde auch der Umgang mit den Folgen von sexualisierter Gewalt im Kindes- und Jugendalter Teil der regulären Grundausbildung. „Damit können Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten die psychischen Folgen von sexuellem Kindesmissbrauch künftig schneller und zuverlässiger erkennen und behandeln“, erklärte sie.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, forderte, Psychotherapeuten in Ausbildung ab sofort eine Vergütung zu zahlen. „Bis zur Umsetzung des Gesetzes werden noch etliche Jahrgänge nach altem Recht eine fünfjährige Ausbildung nach abgeschlossenem Psychologiestudium ohne geregelte sozialrechtliche Absicherung und Entgelt absolvieren müssen“, erklärte sie. „Das muss noch im Gesetzgebungsverfahren mit einer Übergangsregelung gelöst werden.“

Das Gesetz soll noch vor der Sommerpause durch den Bundestag, auch der Bundesrat muss zustimmen.

Mehr: Die gesetzliche Krankenversicherung hat neu festgelegt, welche Hilfsmittel und Leistungen die Krankenkasse bezahlt.

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