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29.03.2018

11:20

Gesundheitswesen

Investitionslücke bei Krankenhäusern verursacht unnötige Behandlungsfälle

Von: Peter Thelen

Die Länder kommen ihren gesetzlichen Investitionspflichten nur zur Hälfte nach. Deswegen müssen Krankenhäuser tricksen – zum Nachteil der Patienten.

In Deutschland landen 50 Prozent mehr Patienten im Krankenhaus als im EU-Durchschnitt. dpa

Behandlung im Krankenhaus

In Deutschland landen 50 Prozent mehr Patienten im Krankenhaus als im EU-Durchschnitt.

Noch immer finanzieren die Bundesländer die Krankenhäuser nicht genug. Gerade einmal die Hälfte wird dieses Jahr voraussichtlich von den Bundesländern gedeckt. In den vergangenen Jahren sah das nicht anders aus. Die Investitionslücke lag bei etwa drei Milliarden Euro – der Investitionsstau wird immer größer.

Zu diesem Ergebnis kamen am Mittwoch in einer gemeinsamen Stellungnahme der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), der Verband der privaten Krankenversicherungen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

Der fatale Nebeneffekt der chronischen Unterfinanzierung: Um trotzdem die Gebäude und Geräte in Stand zu halten, versuchen Krankenhäuser im laufenden Geschäft Überschüsse aus den Zahlungen der gesetzlichen Krankenkassen für die Behandlung von Patienten zu erzielen.

Das sei auch die Ursache dafür, dass in Deutschland besonders viele Patienten im Krankenhaus landen. Der aktuelle Krankenhausreport des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen zeigt, dass die Zahl der Behandlungsfälle seit 1995 um mehr als 30 Prozent gestiegen ist, während sie im Rest der EU stabil blieb. Damit liegt die Anzahl der Behandlungsfälle derzeit um 50 Prozent über dem EU-Schnitt.

Die Finanzierung der Krankenhäuser erfolgt in Deutschland über zwei Säulen: Die gesetzlichen Krankenkassen und die Private Krankenversicherung tragen die Betriebskosten, etwa für die abgerechneten medizinischen Leistungen und das Klinikpersonal. Die Bundesländer verantworten die Investitionen und zwar sowohl für die Klinikgebäude als auch deren Erhaltung, sowie medizinischen Großgeräte, die im Krankenaus zum Einsatz kommen. Doch hier fehlt seit Jahren Geld.

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In Krankenhäusern gibt es große Qualitätsunterschiede – zum Nachteil der Patienten. Dabei müssten die Kliniken nur auf Spezialisierung setzen.

Wie groß das Problem inzwischen ist, zeigt nach Ansicht des GKV-Spitzenverbands folgende Relation: Entsprachen die Investitionsmittel der Bundesländer für Krankenhäuser Anfang der 1970er Jahre noch 25 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen, so liegen sie heute bei unter vier Prozent. „Wie auch in den Vorjahren ist festzustellen, dass die Bundesländer ihrer Verpflichtung zur Finanzierung der Investitionen nicht nachkommen“, klagen die drei Verbände in seltener Einmütigkeit.

Hintergrund ist, dass das Institut für Entgeltsysteme gerade den Bedarf der Kliniken ermittelt hat. Anhand der im vergangenen Jahr gestellten und behandelten Diagnosen wurde errechnet, dass Investitionen in Höhe von sechs Milliarden Euro von Nöten sind – ähnlich wie in den vergangenen Jahren.

Der Report der Ortskrankenkassen fordert daher eine Konzentration der Krankenhauslandschaft. Dieser Strukturwandel würde zwar zunächst höhere Kosten verursachen. Doch auf lange Sicht dürfte sich der Investitionsbedarf durch die Bundesländer verringern.

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