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17.06.2019

19:20

Gesundheitswesen

Spahns Mann fürs Digitale: Leyck Dieken wird neuer Gematik-Chef

Von: Maike Telgheder , Gregor Waschinski

Leyck Dieken wird Chef der Gematik. Der Ex-Notarzt soll bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen Tempo machen. Wegbegleiter trauen das dem Deutsch-Brasilianer zu.

Der promovierte Mediziner setzt sich dafür ein, dass die elektronische Patientenakte in Deutschland endlich Wirklichkeit wird. Pressefoto

Markus Guilherme Leyck Dieken

Der promovierte Mediziner setzt sich dafür ein, dass die elektronische Patientenakte in Deutschland endlich Wirklichkeit wird.

Frankfurt, BerlinAus seiner Zeit als Notarzt kennt Markus Leyck Dieken das Problem, jemanden behandeln zu müssen, über den man fast nichts weiß. „Bei Notarzteinsätzen wird einem klar, welche eklatanten Informationslücken man hat. Man weiß quasi nichts über den Patienten, kennt keine Blutgruppe, keine Medikation, keine Vorgeschichte und soll den Patienten trotzdem schnell und bestmöglich behandeln“, sagt der 54-Jährige dem Handelsblatt.

Ein Grund, warum er sich in seinem neuen Job als Chef der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (Gematik) dafür einsetzen will, dass die elektronische Patientenakte in Deutschland endlich Wirklichkeit wird.

Die Gematik wurde bereits 2005 gegründet, der Aufbau des Gesundheitsdatennetzes und die Schaffung von digitalen Anwendungen wie den Patientenakten sind aber schwer in Verzug. Lange stritten sich die Interessengruppen im Gesundheitswesen um Kompetenzen und Geld.

Mitte Mai übernahm Gesundheitsminister Jens Spahn die Kontrolle über die Gematik. Der CDU-Politiker entmachtete Kassen, Ärzteschaft, Krankenhäuser und Apotheker bei der Digitalisierung, indem sich sein Ministerium per Gesetz die Mehrheit an der Gesellschaft sicherte. Die Neubesetzung der Führungsspitze ist der nächste Schritt: Leyck Dieken löst den als eher zurückhaltend geltenden Juristen Alexander Beyer ab.

Der Ex-Pharmamanager gilt als hochintelligent

Dass der neue Chef Tempo in die Gesellschaft bringt, trauen ihm Wegbegleiter zu. Sie beschreiben den Deutsch-Brasilianer, der viele Jahre als Pharmamanager gearbeitet hat, als hochintelligent, unternehmerisch denkend und extrem gut vernetzt. Mancher bezweifelt allerdings, ob sein Gestaltungswille und eine Organisation mit Verwaltungscharakter – so wird die Gematik in der Branche empfunden – zusammenpassen.

Leyck Dieken freut sich auf seinen neuen Job. „Es gibt meiner Meinung nach derzeit kaum eine spannendere Aufgabe im Gesundheitsbereich, und zudem ist sie eine, die in den nächsten Jahren exponentiell an Bedeutung gewinnen wird“, sagt er.

„Es geht nicht nur um die elektronische Patientenakte – die neuen Technologien werden in den nächsten Jahren immense Fortschritte in der Gesundheitsversorgung ermöglichen und für die Patienten große Verbesserungen bringen.“

Die Technologiekompetenz für seinen neuen Job hat sich Leyck Dieken in zahlreichen Digitalisierungsprojekten unter anderem für seinen langjährigen Arbeitgeber Teva erworben. In der Pharmabranche gestartet ist der promovierte Mediziner Ende 1998 beim Insulinspezialisten Novo Nordisk, wo er sich bis zum Europachef hocharbeitete. Nach weiteren Stationen kam er 2013 zum israelischen Teva-Konzern, wo er dreieinhalb Jahre als Chef der Teva Ratiopharm-Gruppe in Deutschland und Österreich arbeitete.

Mitte 2017 wurde der Manager zum globalen Chef einer Teva-Medikamentensparte in die USA berufen. Als sich der Konzern – hochverschuldet und angeschlagen nach einem milliardenschweren Zukauf – auf die Generika konzentrieren wollte, ging Leyck Dieken zum japanischen Shionogi-Konzern, um dessen Deutschlandgeschäft aufzubauen.

„Man muss neue Jobs mit Zuversicht angehen“

Von dort wechselt Leyck Dieken in einen Job mit wackeligen Zukunftsaussichten, schließlich ist die Lebenszeit der Großen Koalition derzeit sehr fraglich. „Man muss neue Jobs mit Zuversicht angehen“, sagt Leyck Dieken dazu. „Wenn ich den Job gut mache, wird hoffentlich jeder Gesundheitsminister froh sein, dass in der Gematik ein guter Job gemacht wird.“

Bei der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen muss sich Leyck Dieken allerdings auf einen zurückhaltenden Empfang einstellen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beklagte, man sei von der Personalentscheidung überrumpelt worden. „Das ist nicht zwingend ein Beispiel für gute Zusammenarbeit“, sagte GKV-Chefin Doris Pfeiffer.

Am Freitag soll die Gematik-Gesellschafterversammlung Leyck Dieken wählen – eine Formalie, denn mit der Mehrheitsbeteiligung seines Ministeriums kann Spahn dort jeden Kandidaten durchdrücken.

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