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25.06.2022

15:32

Gipfeltreffen

Geringes Interesse an G7-Großdemo in München – Teilnehmer enttäuscht

„Klimakrise, Artensterben, Ungleichheit“ – dafür seien die G7-Staaten laut den Demonstrierenden verantwortlich. Der Zulauf der Veranstaltung war überraschend gering.

15 Verbände riefen zu der Demonstration auf. AP

G7-Demonstration

15 Verbände riefen zu der Demonstration auf.

München Die angekündigte Großdemonstration zum G7-Gipfel in München hat am Samstag deutlich weniger Teilnehmer angezogen als erwartet. Die Polizei sprach mehr als zwei Stunden nach Beginn der Veranstaltung von etwa 4000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Veranstalter gaben 6000 Protestierende an. Ursprünglich war mit mindestens 20.000 Menschen gerechnet worden.

Eine Sprecherin der Veranstalter sagte, dass man die Ursache für die geringe Teilnahme allerdings noch nicht bewerten könne. Der Anmelder der Kundgebung, Uwe Hiksch von den Naturfreunden, meinte, dass das deutlich unter dem sei, „was wir erwartet haben“. Es habe sich aber schon seit etwa eineinhalb Wochen abgezeichnet, dass die Mobilisierung nicht so stark sei.

„Wir haben den Eindruck, dass ganz viele Menschen durch den Krieg in der Ukraine verunsichert sind“, sagte Hiksch. Gerade im rot-grünen Spektrum, das man normalerweise für so eine Demo mobilisiere, gebe es derzeit viele Menschen, die sagten: „Es ist jetzt nicht die Zeit, dass man eine Gegenposition zu den Regierungschefs bezieht.“

Aktivisten zeigten sich schon am Anfang des Protests verwundert und überrascht über den geringen Zulauf bei einer Startkundgebung auf der Theresienwiese. „Wir sind enttäuscht“, sagte die 46-jährige Andrea von Greenpeace aus Hannover. Es wirke so, als ob nur Organisationen vor Ort seien, aber niemand aus der Bevölkerung.

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    Ähnlich äußerte sich der 50-jährige Thorben Becker aus Berlin, der für den Bund für Umwelt und Naturschutz nach Bayern gefahren war. Er hätte sich mehr Demonstranten erhofft, aber es gebe derzeit nicht das eine Aufregerthema wie TTIP oder Trump, das die Leute mobilisieren könne. Der Krieg in der Ukraine sei schlimm und betreffe viele Menschen, aber man spüre, dass sich die Politik ernsthaft bemühe, meinte er.

    Demonstration verlief ohne Zwischenfälle

    Die Mobilisierung sei schleppend gelaufen, sagte auch Florian Kaiser vom Bund Naturschutz in Bayern. Woran das liege, wisse er aber nicht. Möglicherweise halte das gute Wetter auch Menschen ab. Er sei nicht enttäuscht, habe sich aber „freilich mehr erhofft“, sagte Kaiser.

    Der G7-Gipfel ist wie schon im Jahr 2015 auf Schloss Elmau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu Gast. Vom 26. bis zum 28. Juni treffen sich dort die Staats- und Regierungschefs von sieben führenden westlichen Industriestaaten und einigen Gastländern. Neben Deutschland gehören der G7-Gruppe die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan an.

    Die Polizei hat rund 20.000 Teilnehmer erwartet. Reuters

    G7-Proteste

    Die Polizei hat rund 20.000 Teilnehmer erwartet.

    Die Münchner Polizei hatte nach offiziellen Angaben rund 3000 Einsatzkräfte bei der Protestversammlung im Einsatz. Es war befürchtet worden, dass ein schwarzer Block für Unruhe sorgen könnte. Letztlich wurden etwa 100 bis 150 Personen von der Polizei diesem Spektrum zugeordnet, zu Zwischenfällen kam es zunächst allerdings nicht. Schon vor der Veranstaltung hatte es geheißen, dass die Mobilisierung aktuell nicht so stark wie beim G7-Gipfel vor sieben Jahren sei.

    Zur Demonstration in München haben 15 globalisierungskritische Verbände von Attac bis zur Umweltorganisation WWF aufgerufen. Die Kundgebung hat vier Schwerpunkte: den Ausstieg aus fossilen Energien, den Erhalt von Tier- und Pflanzenvielfalt, die soziale Gerechtigkeit auf dem Planeten und die Bekämpfung des Hungers.

    „Klimakrise, Artensterben, Ungleichheit: Die G7-Staaten tragen Verantwortung dafür, dass sich die weltweiten sozialen und ökologischen Krisen immer dramatischer zuspitzen. Schluss damit. Gerecht geht anders“, heißt es im Aufruf zur Teilnahme.

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