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26.09.2019

19:13

Gleichstellung

Bundesfrauenministerin Giffey plant Frauenquote bei Vorstandsposten

Von: Heike Anger

Die SPD-Politikerin will börsennotierte Unternehmen zu Frauen im Vorstand verpflichten – auch wenn das so nicht im Koalitionsvertrag steht.

Die Familienministerin tritt für eine Frauenquote in Unternehmensvorständen ein. Reuters

Franziska Giffey

Die Familienministerin tritt für eine Frauenquote in Unternehmensvorständen ein.

Berlin Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) will die Vorgaben zur Frauenquote in Unternehmen drastischer verschärfen als dies im Koalitionsvertrag mit der Union vereinbart worden ist. Das machte Giffey am Donnerstag bei einer Veranstaltung der Organisation „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar) in Berlin deutlich. „Es ist kein Verstoß gegen die Menschenwürde, wenn ab einer bestimmten Vorstandsgröße auch eine Frau dabei sein muss“, sagte die Ministerin.

Bislang gibt es eine feste Frauenquote von 30 Prozent nur für Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen, bei denen das Gremium jeweils zur Hälfte mit Vertretern von Anteilseignern und Arbeitnehmern besetzt ist. Für den Vorstand gibt es derzeit keine gesetzlichen Quoten.

Das soll sich nach dem Willen Giffeys nun offenbar ändern. „Bislang sind zu wenig Frauen in den Vorstandsetagen angekommen“, kritisierte Giffey. Dafür gebe es keinen vernünftigen Grund. „Wir müssen schauen, an welcher Stelle wir mehr als eine unverbindliche Empfehlung aussprechen können“, kündigte die SPD-Politikerin an.

Die Große Koalition hatte sich darauf geeinigt, das „Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen“, das seit 2016 gilt, zu verschärfen. Künftig sollen börsennotierte und mitbestimmte Unternehmen hohe Bußgelder zahlen, wenn sie sich die Zielgröße „null“ bei Frauen in Führungspositionen setzen und dies nicht begründen oder gar keine Ziele festlegen.

Das reicht nach Giffeys Ansicht aber nicht. „Ich werde alles dafür tun, dass wir mehr machen als nur eine Begründungspflicht für die Zielgröße Null einzuführen“, versprach sie. Der Zustand in vielen Vorstandsetagen sei „unterirdisch“, erklärte die Frauenministerin und kündigte an, bis zum Jahresende Vorschläge für die Verschärfung des Frauenquoten-Gesetzes vorzulegen. „Es gibt große Vorbehalte beim Koalitionspartner“, räumte Giffey allerdings ein.

Frauenanteil in Top-Position rückläufig

Die Zahlen zu Frauen in Führungspositionen seien trotz aller Fortschritte nicht wirklich gut, betonte auch Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. Zuletzt sei sogar eine Abschwächung deutlich geworden. So holen laut einer aktuellen Studie von Fidar zur Besetzung von Aufsichtsratsposten in großen öffentlichen Unternehmen, die am Donnerstag vorgestellt wurde, Frauen in den Aufsichtsgremien zwar auf. Ihr Anteil in Top-Führungspositionen dieser Unternehmen ist demnach allerdings wieder leicht gesunken.

Konkret sei der Anteil von Frauen in Aufsichtsgremien großer öffentlicher Unternehmen von 29,7 Prozent im Vorjahr leicht um 1,1 Prozentpunkte auf 30,8 Prozent gestiegen und habe damit gleichauf mit dem Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 30 Dax-Unternehmen gelegen.

Bei Geschäftsführung, Geschäftsleitung oder Vorstand jedoch gebe es seit 2014 zum ersten Mal einen leichten Rückgang im öffentlichen Sektor. Im Schnitt seien 18,8 Prozent der Top-Position mit einer Frau besetzt. Das seien allerdings doppelt so viele wie in Dax-Unternehmen.

Nur wenige öffentliche Unternehmen veröffentlichten Zielgrößen für den Frauenanteil. 58,8 Prozent davon planten mit der Zielgröße „null“ für das Top-Management.

Untersucht wurden die 263 größten Unternehmen mit Länder- oder Bundesbeteiligung in Deutschland - dazu gehören die Deutsche Bahn und ihre Töchter, verschiedene Stadt- und Wasserwerke oder auch Wohnungs- und Lottogesellschaften.

Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow forderte mehr Druck von Bund und Ländern als Gesellschafter, damit gleichberechtigte Teilhabe in öffentlichen Unternehmen „endlich konsequenter“ umgesetzt werde. Alles andere sei eine „Bankrotterklärung für die Chancengleichheit“.

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Kommentare (1)

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Herr Ulrich Lehmann

26.09.2019, 19:30 Uhr

Wieder einmal Symbolpolitik. Es gibt nur wenige Hundert börsennotierte Unternehmen, also geht es (überschlägig geschätzt) um weniger als 1.500 Positionen, die zukünftig mit Frauen besetzt sein sollen.
Einen viel größeren Hebel bieten Parteien, Gewerkschaften, Körperschaften (wie Fernsehanstalten) und bundeseigene Ämter/Institutionen. Vielleicht gelingt es, falls denn eine solche verpflichtende Frauenquote kommen sollte, sie auch wirklich auf dieser breiten Basis umzusetzen.

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