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07.08.2019

08:04

Glücksspiel für Bildungsprojekte

Die Bildungslotterie wird eingestellt – und neu gestartet

Von: Barbara Gillmann

Die Hoffnungen des gemeinnützigen Träger haben sich nicht erfüllt: Die Bildungslotterie erreicht nicht genug Menschen. Glücksspielprofis sollen das ändern.

Die Initiative fördert Menschen und Projekte, die im staatlichen System zu kurz kommen. dpa

Bildung

Die Initiative fördert Menschen und Projekte, die im staatlichen System zu kurz kommen.

Berlin Auf ihrer Homepage wirbt die „Bildungslotterie“ an diesem Dienstag noch mit dem großen Gewinn: „Jeden Dienstag: Chance auf zwei Millionen Euro“. Doch das ist erst einmal vorbei: Die Lotterie von Stifterverband, SOS-Kinderdörfern und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung verschickte Mails an alle Spieler und Firmenkunden, dass das Projekt Ende August zunächst endet.

Die letzte Ziehung findet voraussichtlich am 27. August statt. „Wir mussten feststellen, dass es doch weit schwieriger ist, als neuer Anbieter auf dem Online-Lotterie-Markt bekannt zu werden, ohne sehr viel Geld für Marketing auszugeben“, sagt Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbands der Wirtschaft.

Vor allem der Aufbau von Markenbekanntheit mittels TV-Werbung habe sich als viel zu teuer und ineffizient erwiesen. Deshalb ist nun ein Neubeginn mit der Hilfe eines Branchenprofis geplant: Aktuell verhandeln der Stifterverband und seine beiden Lotteriepartner „mit einem etablierten Unternehmen aus dem Glücksspielsektor mit einem sehr großen Kundenstamm“, berichtet Gerald Mauler, Finanzvorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit und Mitgeschäftsführer der gemeinsamen bisherigen Lotteriegesellschaft der drei Partner.

Neue Vermarktung

Dieses Unternehmen soll dann den Betrieb und die Vermarktung der Bildungslotterie übernehmen. Die Vertragsunterzeichnung ist noch für diesen Monat geplant. Der Spielbetrieb soll dann – mit neuer Lizenz und einem neuen Produkt – Anfang 2020 starten.

Stifterverbandschef Schlüter gibt sich „sehr zuversichtlich“, dass die Bildungslotterie dann sehr gute Chancen hat. „Denn es hat sich deutlich gezeigt, dass die Spieler den Zweck, ausgewählte Bildungsprojekte zu unterstützen, sehr gut finden – aber wir müssen sie eben erst mal an Bord holen.“

Anlass für die Gründung der Lotterie, die Schlüter jahrelang vorangetrieben hatte, waren Unzufriedenheit und Ungeduld des Wirtschaftsverbands mit dem staatlichen System, das die enormen Bildungsaufgaben angesichts der Digitalisierung und des zunehmenden Anteils von Migranten nicht bewältigt.

Hoffnung auf Lose als Firmengeschenke

„Der Staat ist nicht so gut darin, Einzelne so zu fördern, dass sie ihr volles Potenzial entwickeln“, sagte Schlüter zum Start im Mai 2018. Er und seine Mitstreiter aus der Industrie setzen daher auf Selbsthilfe: „Das kann das staatliche Bildungssystem gar nicht so leisten, wie es erforderlich wäre. Diese Lücke wollen wir helfen zu füllen.“ Entsprechend sollen die Erträge aus der Lotterie nicht nur den drei Partnern, sondern auch ausgewählten weiteren Initiativen für Bildungsprojekte zugutekommen.

Zum Start waren die Ziele sehr optimistisch: Spätestens in zehn Jahren wollte man einen Umsatz von 100 Millionen Euro erzielen – das wäre ein Viertel dessen gewesen, was Marktführer Aktion Mensch einnimmt. „Heute denke ich, dass wir in zwei bis vier Jahren auf etwa 20 Millionen kommen können“, sagte Schlüter mit Blick auf das erste Jahr.

Seit dem Auftakt im Frühsommer 2018 hat die Bildungs-Chancen-Lotterie, wie sie sich auch nennt, insgesamt rund 1,5 Millionen Euro eingenommen und davon bislang gut 450.000 Euro an „vorbildliche Bildungsprojekte von vielfach kleinen Organisationen“ ausgezahlt, sagte Mauler. Man habe zwar 8 000 Dauerabonnenten gewinnen können – „aber um kostendeckend zu arbeiten, bräuchten wir 40.000 bis 50.000“.

Lotterie-Start-up

Das Anfangskapital für das Lotterie-Start-up von 20 Millionen Euro hatten nicht die drei Partner, sondern rund ein Dutzend Privatleute und Stiftungen bereitgestellt, darunter Christian Boehringer von Boehringer Ingelheim, Bettina Würth von der Würth-Gruppe und Nicola Leibinger-Kammüller von Trumpf.

Auch der frühere Präsident des Stifterverbands, Arend Oetker, der die Idee schon 2013 im Handelsblatt öffentlich gemacht hatte, beteiligte sich. Der größere Teil davon sei nun verbraucht, sagte Mauler. Die Investoren können die Kredite also nur vollständig zurückbekommen, wenn das Folgeprojekt Erfolg hat.

Große Hoffnungen hatte der Stifterverband auf seine eigenen rund 3000 Mitglieder gesetzt: Sie könnten Lose der Bildungslotterie an Kunden, Mitarbeiter oder Partner verschenken und damit Bildungsprojekte unterstützen. Das sei auch sehr gut angelaufen: „Wir haben fast 10.000 Jahreslose an Unternehmen verkauft“, so Schlüter, „die allerdings nur an einer Ziehung pro Monat teilnehmen.“ Hier sei durchaus noch Luft nach oben, erklärt sein Partner Mauler: „Viele Unternehmen planen etwa Weihnachtsgeschenke ein Jahr im Voraus – dafür waren wir im ersten Jahr zu spät dran.“

Mehr: Die Lotterie fördert Menschen, die im staatlichen System zu kurz kommen. Wie die Anfänge der Bildungslotterie ausgesehen haben, lesen Sie hier.

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