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22.10.2019

13:06

Hans-Lothar Domröse

Ex-Nato-General zu syrischer Sicherheitszone: „Die Bundeswehr kann das“

Von: Donata Riedel

Der ehemaliger Nato-Befehlshaber Hans-Lothar Domröse spricht sich für europäische Schutztruppen in Syrien aus. Der Bundeswehr traut er eine Führungsrolle zu.

Domröse zu Sicherheitszone in Syrien: „Die Bundeswehr kann das“ AFP

Hans-Lothar Domröse

Archivbild des ehemaligen Nato-Generals im Gespräch mit Jens Stoltenberg, Generalsekretär des Militärbündnisses.

Berlin Militärisch wäre es möglich, eine internationale Schutzzone unter UN-Mandat entlang der türkisch-syrischen Grenze zu errichten. Davon jedenfalls ist Generalleutnant Hans-Lothar Domröse überzeugt. Der Vier-Sterne-General leitete von 2012 bis zu seiner Pensionierung im März 2016 als Oberbefehlshaber die Allied Joint Forces Command der Nato im niederländischen Brunssum.

„Wenn man will, würde das gehen, und die Bundeswehr wäre dazu auch in der Lage“, sagte Domröse dem Handelsblatt. Die Voraussetzung dafür wäre zwingend die Zustimmung der Vereinten Nationen: „Ohne UN-Mandat würde ich als militärischer Berater nicht zu einem gewaltsamen Einmarsch raten“. Das wäre „eine Kriegserklärung für einen Krieg, den wir nicht gewinnen könnten“, sagte er.

Lesen Sie hier das vollständige Interview.

Herr General Domröse, wie beurteilen Sie die Lage an der syrisch-türkischen Grenze, in der die Bundesverteidigungsministerin nun eine Schutzzone vorschlägt?
Aktuell ist die Lage, dass die USA abgezogen sind, Russland die Lücke gefüllt hat, die Türkei versucht, ihre eigene Schutzzone dort zu etablieren, und Europa bisher keine Rolle spielt. Kramp-Karrenbauer will nun, wenn ich das richtig verstanden habe, eine internationale Schutzzone unter UN-Mandat.

Wäre das sinnvoll?
Wenn die Europäer ein solches UN-Mandat bekämen, wäre das gut und richtig. Sie müssten dann aber bereit sein, es militärisch auszufüllen.

Könnten Sie das denn?
Wenn ich das richtig sehe, würde es um eine 110 Kilometer lange Schutzzone entlang der türkisch-syrischen Grenze gehen. Eine Luftüberwachung würde nicht reichen, man müsste dort dann schon mit Bodentruppen stehen, die der Bevölkerung sichtbar zeigen: Wir schützen Euch. Wie damals im Kosovo. Möglich wäre das.

Kann die Bundeswehr das leisten?
Ich denke ja, wenn es das UN-Mandat gibt, und Frankreich, Großbritannien und Deutschland die Kerntruppe bilden würde. Notwendig wären wohl drei Brigaden. Wenn eine Brigade unter Führung der Bundeswehr stünde, wäre es möglich. Wenn diese aus fünf Bataillonen bestünde, könnten zwei aus Deutschland, eins aus den Niederlanden, eins aus dem Baltikum und eins von Polen, Tschechien, Ungarn gestellt werden. Wenn man will, würde das gehen, und die Bundeswehr wäre dazu auch in der Lage. Und vielleicht ließen sich ja auch die Russen zur Beteiligung an einer internationalen Mission gewinnen. Im Kosovo damals waren sie dabei.

Will Deutschland denn Bodentruppen?
Frau Kramp-Karrenbauer hat bisher nichts zu Bodentruppen gesagt, und in der SPD scheint die Idee nicht auf Begeisterung zu stoßen, um es vorsichtig auszudrücken. Aber Deutschland hat 2020 ja die EU-Ratspräsidentschaft, und deshalb sollte die Bundesregierung Vorschläge auch für derart schwierige Konflikte in der EU-Nachbarschaft entwickeln. Entscheidend ist das UN-Mandat, darum sollte sich Deutschland bemühen.

Wird das denn im UN-Sicherheitsrat zu erreichen sein? Russland dürfte es doch blockieren.
Das heißt nicht, dass man es nicht dort versuchen sollte. Wir wissen nicht, wie sich Russland und China dann verhalten. Und natürlich ist auch unklar, wie sich die Briten zu einer EU-Mission stellen werden. Sie wollen ja raus aus Europa. Außerdem wissen wir ja nicht: Was will nun eigentlich Trump?

Wenn ein UN-Mandat scheitert, was dann?
Vielleicht ist es ja doch möglich. Jedenfalls: Ohne UN-Mandat würde ich als militärischer Berater nicht zu einem gewaltsamen Einmarsch raten. Das wäre dann ja eine Kriegserklärung für einen Krieg, den wir nicht gewinnen könnten.

Kommentare (5)

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Herr J.-Fr. Pella

22.10.2019, 13:34 Uhr

Diese säbelrasselnden Generäle.........

Hans-Lothar Domröse geh Du voran....... nur Mut!

Herr Jürgen Orlok

22.10.2019, 14:29 Uhr

Schön, daß Herr Domröse vom Kosovo spicht.
Folge eines völkerechtswidrigen Angriffskrieges der NATO.
Heute seit 20 Jahren ein Protektorat der NATO, daß bei Abzug schnell zusammenbrechen würde.
Oder Afghanistan.
Ebenso ein gescheitertes NATO-Projekt. Ebenfalls sehr lange - ,mit UN.
Nun sollen also NATO-Truppen , mit den Kriegsverbrechern GB, F, D, USA, ... auch ein solches Protektorat in Syrien errichten.
Uns kleinen Dummerchen wurde und wird wohl auch noch heute beigebracht : Handlungen gebunden an Völkerrecht, lokales Recht.
Die Realität spricht dem lautstark HOHN !

Herr Helmut Metz

22.10.2019, 16:30 Uhr

Es wird kolportiert, dass die Bundeswehr am Hindukusch nicht die Freiheit Deutschlands verteidigt hat, sondern insbesondere illegale Opiumfelder der CIA.
Wollte man tatsächlich die Freiheit Deutschlands verteidigen, dann müsste man einmal Griechenland und Bulgarien dabei helfen, ihre EU-Außengrenzen zur Türkei komplett dicht zu machen, und desweiteren den südlichen Mittelmeeranrainerstaaten, eine schlagkräftige Marine zwecks Abwehr von nordafrikanischen Schleuserschiffen aufzubauen.
Geht nicht? Doch, das geht:: nach Australien etwa kommt heute kein einziges Schleuserboot mehr durch!!
Aber die australische Regierung will eben auch ihr Land und ihre Heimat schützen - und nicht verraten wie die deutsche...

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