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31.07.2022

09:40

HDE-Konsumbarometer

Der erwartete Konsumboom nach Corona droht auszufallen

Von: Luisa Bomke

Die Unsicherheit beim Gas und steigende Preise setzen der Stimmung der Verbraucher zu. Wie sich der private Konsum weiterentwickelt, hängt von Putins Willkür ab.

Die Stimmung der Verbraucher ist weiter getrübt. Dabei haben die Deutschen 200 Milliarden Euro Überschussersparnis in der Coronapandemie gespart. Bloomberg/Getty Images

Duty Free am Münchner Flughafen

Die Stimmung der Verbraucher ist weiter getrübt. Dabei haben die Deutschen 200 Milliarden Euro Überschussersparnis in der Coronapandemie gespart.

Berlin 200 Milliarden Euro Überschussersparnis haben die Deutschen in den Coronajahren laut dem Ifo-Institut gespart, weil Reisen, Restaurantbesuche oder Einkaufstouren nicht möglich waren. Geld, das jetzt für den Konsum zur Verfügung stünde. Doch die Deutschen verzichten auf Shoppingtouren und den großen Kaufrausch.

Das zeigt das aktuelle HDE-Konsumbaromenter. Während sich das Barometer im Juli kaum veränderte, verzeichnete es im August einen deutlichen Rückgang um 2,94 Punkte. Mit einem Wert von 86,56 Punkten weist das Barometer ein Allzeit-Tief auf und zeigt damit eine weitere Eintrübung der Verbraucherstimmung in Deutschland.

Grund dafür sind die anhaltend hohe Inflationsrate, die Angst vor einer neuen Corona-Welle im Herbst und die weiter gestiegene Unsicherheit bei der Gasversorgung. Für Experten ist klar: Der Post-Corona-Konsumboom bleibt aus.

Sinkende Realeinkommen trüben den Konsum

Das Barometer wird monatlich vom Handelsblatt Research Institute für den Handelsverband HDE berechnet und basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1000 Verbrauchern. Als Basis dienen dem Index die Umfrageergebnisse aus dem Januar 2017.

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    Maßgeblicher Treiber für den Rückgang des HDE-Konsumbarometer im August sind gleich zwei Faktoren: Erster Faktor, die sinkende Bereitschaft Anschaffungen zu tätigen. Wie das Barometer zeigt, geht die Anschaffungsneigung um 5,27 ebenfalls auf ein Allzeit-Tief von 86,75 Punkte zurück. Und zweiter Faktor sind die durch die deutlich steigenden Lebenshaltungskosten sinkenden Realeinkommen.

    Grafik

    Gründe für die steigenden Kosten gibt es unterschiedliche. So verschärft die von Putin am 27. Juli weiter reduzierte Gasliefermenge die Situation am Energiemarkt - mittlerweile strömen nur noch 20 Prozent der Maximalliefermenge durch die Gaspipeline Nordstream 1. Und auch die Inflationsrate in Deutschland verharrt bei über 7 Prozent.

    Leitzins soll Inflation auf zwei Prozent drücken

    Wann sich die Preisentwicklung in Deutschland stabilisiert und sich die Stimmung der Verbraucher aufhellt, ist aber nicht abzusehen. Die EZB versucht die Inflation durch den seit elf Jahren erstmals angehobenen Leitzins zu drücken. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bemüht sich durch Maßnahmenpakete eine Gasunterversorgung zu vermeiden.

    Die Vorgaben für Gasspeicherstände wurden erhöht, Unternehmen werden zum Energiesparen verpflichtet und Räume, in denen sich Menschen nicht länger aufhalten, sollen auf Mindesttemperatur geheizt werden. Ein Anstieg der Energiekosten ist allerdings nicht zu vermeiden und damit auch die wachsende Zurückhaltung der Konsumenten.

    Der internationale Währungsfonds IWF hat seine Prognose aus dem Mai für das deutsche Wirtschaftswachstum um 0,8 Prozentpunkte deutlich nach unten revidiert. Er rechnet nur noch mit einem Plus von 1,2 Prozent und auch die Bundesbank ist pessimistisch.

    "Im laufenden Quartal dürfte der BIP-Zuwachs aus heutiger Sicht wohl etwas schwächer ausfallen als im Basisszenario der Bundesbank-Projektion vom Juni 2022 erwartet", hieß es im Monatsbericht der Notenbank für den Juli.

    Die EU hat in ihrer Prognose bereits eingeräumt, dass es Putin in den kommenden Monaten in der Hand habe, „die EU-Wirtschaft aus dem Tritt zu bringen“.

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