MenüZurück
Wird geladen.

25.03.2019

10:39

Ifo-Geschäftsklimaindex

Wirtschaft stemmt sich gegen Abschwung – Ifo-Index steigt unerwartet

Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich überraschend verbessert. Der Ifo-Index steigt – dem Brexit und den Strafzöllen zum Trotz.

Das Münchener ifo-Institut stellt seine Prognose fürs Geschäftsklima vor. dpa

Die Wirtschaft lahmt

Das Münchener ifo-Institut stellt seine Prognose fürs Geschäftsklima vor.

BerlinDie Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im März erstmals seit einem halben Jahr aufgehellt. Das Barometer für das Geschäftsklima stieg überraschend auf 99,6 Punkte von 98,7 Zählern, wie das Münchner Ifo-Institut an diesem Montag zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9.000 Managern mitteilte. Zuvor gab es sechs Rückgänge in Folge.

Ökonomen hatten mit 98,5 Punkten gerechnet. „Die deutsche Wirtschaft stemmt sich dem Abschwung entgegen“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage besser, ebenso die Aussichten für die kommenden sechs Monate.

Für den Aufwärtstrend sorgten Dienstleister, Handel und Bau: Hier besserte sich die Stimmung jeweils. Sorgenkind bleibt allerdings die exportabhängige Industrie. Deren Manager bewerteten nicht nur die Lage negativer, sondern die Aussichten zugleich so schlecht wie seit November 2012 nicht mehr. „Angesichts nachlassender Nachfrage planen die Unternehmen kaum Produktionssteigerungen“, sagte Fuest. Die schwächelnde Weltkonjunktur, Unsicherheiten wie der Brexit und drohende US-Strafzölle auf Autos aus der EU belasten derzeit die Industrie.

Dax reagiert positiv – und dreht ins Plus

Der deutsche Aktienindex Dax verringerte nach Veröffentlichung der Umfrage seine Verluste und dreht sogar zeitweise ins Plus. Der Eurokurs dämmte seine Kursverluste ebenfalls ein. „Der Ifo ist eine Riesenüberraschung“, erklärte der Deutschland-Chefvolkswirt der Bank UniCredit, Andreas Rees, zu dem unerwarteten Anstieg des Geschäftsklimas. „Es ist aber noch zu früh, von einem konjunkturellen Wendepunkt zu sprechen.“ Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession sei nun von knapp 40 auf unter 30 Prozent zurückgegangen.

„Eine Schwalbe macht noch keinen Konjunktursommer, ja nicht einmal einen Frühling“, mahnte auch LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert zur Vorsicht. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner warnte ebenfalls vor zu großem Optimismus: „Die Klimaaufhellung ist ein Hoffnungszeichen, aber nicht mehr. Denn der Konjunkturzug fährt weiter auf der Kriechspur – und der größte Bremsklotz ist die Industrie“, sagte er. Hier sei die langsamere Gangart der Weltwirtschaft besonders spürbar. „Gleichzeitig steuert der Brexit seinem dramatischen Höhepunkt zu und droht bei einem ungeregelten Ausscheiden Großbritanniens vor allem die exportstarken Industriebranchen hierzulande in Mitleidenschaft zu ziehen“, sagte Zeuner.

Neue Konjunkturprognose

Droht der deutschen Wirtschaft eine Rezession?

Neue Konjunkturprognose: Droht der deutschen Wirtschaft eine Rezession?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Die Wirtschaftsweisen hatten kürzlich ihre Prognose für das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr auf 0,8 Prozent nahezu halbiert. 2018 hatte es noch zu 1,4 Prozent gereicht.

Noch im vergangenen Monat war die Stimmung ebenfalls in den deutschen Chefetagen schlecht. So war der Ifo-Geschäftsklimaindex im Februar des laufenden Jahres von 99,3 auf 98, Punkte gefallen – und damit auf den schlechtesten Wert seit 2014. Vor allem im verarbeiteten Gewerbe, im Dienstleistungssektor und im Hauptgewerbe verschlechterten sich die Geschäfte deutlich.

Andere Indikatoren zeigen maue Konjunktur an

Auch zeigte der am Freitag vergangener Woche veröffentlichte IHS-Markit-Einkaufsmanagerindex eine schwache Geschäftslage der deutschen Industrieunternehmen. Der Konjunkturindikator fiel im März überraschend deutlich um 2,69 auf 44,7 Punkte. Damit liefen die Geschäfte der deutschen Firmen laut diesem Indikator so schlecht wie seit 2012 nicht mehr.

Als Gründe für die schlechte Stimmung nannten die Markit-Experten vor allem die Unsicherheiten hinsichtlich des Brexit, die schlechter werdende Weltkonjunktur sowie den schwelenden Handelsstreit zwischen China und den USA.

Die nun bekannt gemachten Ifo-Zahlen haben sich deutlich gegen den Trend der anderen – eher mauen – Konjunkturindikatoren entwickelt.

Brexit 2019

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×