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06.08.2019

18:51

Immobilienmarkt

Preissteigerungen von 240 Prozent – Ökonomen warnen vor Immobilienblase

Von: Martin Greive

Starke Preissteigerungen bei Einfamilienhäusern bereiten vielen Ökonomen Sorgen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Immobilienblase sehen sie bei 92 Prozent.

In der bayerischen Landeshauptstadt sind die Immobilienpreise explodiert. Getty Images

München

In der bayerischen Landeshauptstadt sind die Immobilienpreise explodiert.

Berlin München ist schon lange ein teures Pflaster zum Wohnen. Aber in den vergangenen zehn Jahren sind die Immobilienpreise in der bayerischen Landeshauptstadt regelrecht explodiert. Um unglaubliche 240 Prozent sind in dieser Zeit die Kaufpreise für Einfamilienhäuser gestiegen. In anderen Großstädten war die Entwicklung ähnlich.

Aus Sicht von Ökonomen sind solche Preissteigerungen nicht mehr gesund. Die „explosive Preisentwicklung“ habe sich zunehmend von „den Erträgen von Immobilien entkoppelt“, heißt es in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die am Mittwoch veröffentlicht wird und dem Handelsblatt vorliegt. Die Wahrscheinlichkeit für eine spekulative Preisblase in Deutschland liegt derzeit demnach bei 92 Prozent.

Deutschland ist nicht das einzige Land, in dem es laut DIW zu Preisübertreibungen gekommen ist. Die Niedrigzinsen haben in fast allen Industriestaaten die Preise in die Höhe getrieben, etwa in Belgien, Schweden oder den USA. In diesen wie in vier weiteren OECD-Ländern liegt die Wahrscheinlichkeit einer Blase auch bei über 90 Prozent.

„Lediglich in Australien, Finnland, Irland und Italien ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering“, sagt DIW-Forscher Konstantin Kholodilin. Immerhin eine gute Nachricht gibt es laut DIW: Die Wahrscheinlichkeit einer Blase nimmt in Deutschland bis Ende des Jahres auf 84 Prozent ab. „Dies spiegelt die verlangsamte Immobilienpreisentwicklung in den Großstädten wider.“

Ein Grund für die gestiegenen Immobilienpreise ist, dass zu wenig Wohnungen gebaut werden – obwohl sie bereits genehmigt wurden. „Ende 2018 gab es in Deutschland rund 700.000 bereits genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen“, heißt es in der Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des kommunalpolitischen Sprechers der SPD-Fraktion, Bernhard Daldrup, die dem Handelsblatt vorliegt.

Der sogenannte „Bauüberhang“ liegt damit auf neuem Rekordhoch. „Würde auch nur die Hälfte zeitnah abgebaut, würde dies deutlich zur Entspannung des Wohnungsmarktes beitragen“, sagte Daldrup. Er sieht vor allem Bauminister Horst Seehofer in der Pflicht: „Er muss endlich die Bremse der Neubauoffensive lösen.“

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