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19.06.2019

15:41

Industrie

IW-Studie: Firmen im Osten haben niedrigere Arbeitskosten

Laut einer IW-Analyse produzieren Firmen im Osten rund 35 Prozent günstiger als Firmen im Westen. Eine Arbeitnehmerstunde im Osten koste rund 27,80 Euro.

Der Kostenvorteil schwindet langsam: Im Jahr 2000 betrug er noch 42 Prozent. Jetzt liegt er bei 35 Prozent. dpa

Gasturbinenwerk in Berlin

Der Kostenvorteil schwindet langsam: Im Jahr 2000 betrug er noch 42 Prozent. Jetzt liegt er bei 35 Prozent.

BerlinIndustriebetriebe in Ostdeutschland haben einer IW-Studie zufolge noch immer spürbar niedrigere Arbeitskosten als die Konkurrenz im Westen. Die Firmen produzieren rund 35 Prozent günstiger, wie aus einer Analyse des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht, die Reuters am Mittwoch vorlag.

Demnach kostete eine Arbeitnehmerstunde im Verarbeitenden Gewerbe zwischen Rügen und Sachsen 2018 rund 27,80 Euro, zwischen Flensburg und Passau indes 42,90 Euro. „Die ostdeutschen Bundesländer haben beim Wettbewerb um Neuansiedlungen gegenüber den westdeutschen Ländern noch einen wichtigen Vorteil.“ Zudem liege der Osten – ohne Berlin – damit auf Augenhöhe mit Italien, Großbritannien und Kanada. Allerdings schwindet dieser Kostenvorteil peu à peu: Im Jahr 2000 betrug er noch 42 Prozent.

In der gesamten deutschen Industrie kostete die Arbeitnehmerstunde 41,00 Euro. Damit liegt die Bundesrepublik im Vergleich unter 42 Industrienationen an fünfter Stelle und trägt laut IW-Studie um fast ein Drittel höhere Kosten als andere Länder.

Nur in der Schweiz (51,50 Euro), Norwegen (48,60 Euro), Dänemark (45,60 Euro) und Belgien (42,70 Euro) müssten Unternehmen für ihre Mitarbeiter noch mehr ausgeben. In den vergangenen zehn Jahren seien die industriellen Arbeitskosten in Deutschland insgesamt um 23 Prozent gestiegen. „Besonders gegenüber dem Euro-Ausland hat sich die deutsche Kostenposition merklich verschlechtert.“

Betrug der Kostennachteil 2013 noch rund 19 Prozent, seien es inzwischen mehr als 24 Prozent. Das hat laut IW Folgen für die Investitionen: Plant ein Unternehmen eine neue Niederlassung für die Produktion, spielen die Arbeitskosten für die Standort-Entscheidung eine große Rolle. „Fast jedes zweite Industrieunternehmen in Deutschland sieht die hohen Arbeitskosten als Geschäftsrisiko an.“ Auch der Fachkräftemangel trage dazu bei, dass Deutschland als Investitionsstandort zunehmend unattraktiver werde.

Bundesweit wird sich dem Institut zufolge in den kommenden Jahren an diesem Trend nur wenig ändern. Viele der 2018 abgeschlossenen Tarifverträge hätten eine mehrjährige Laufzeit, 2019 würden die Reallöhne spürbar steigen. „Wir sind deutlich teurer als das Ausland. Und wer teurer ist, muss auch besser sein“, sagte Studienautor und IW-Experte Christoph Schröder.

Die Politik sei daher gefordert, finanzielle Belastungen für die Unternehmen in Grenzen und den Standort attraktiv zu halten – „zum Beispiel durch eine Förderung von Forschungsaufgaben und Investitionen in Bildung und Infrastruktur“.

Mehr: Sowohl die Bruttoverdienste als auch die Lohnnebenkosten haben sich im ersten Quartal erhöht. Dadurch sind die Arbeitskosten in Deutschland gestiegen.

Brexit 2019

Von

rtr

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