Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

27.06.2022

16:53

Inflation

IG Metall lehnt Scholz-Vorstoß zu steuerfreien Einmalzahlungen ab

Die Idee, Arbeitnehmer mit einer einmaligen Zahlung zu unterstützen, stößt auch bei der IG Metall auf Ablehnung. Die Gewerkschaft besteht auf alte Forderungen.

Der IG-Metall-Chef will eine dauerhafte Erhöhung der Löhne durchsetzen. dpa

Jörg Hofmann

Der IG-Metall-Chef will eine dauerhafte Erhöhung der Löhne durchsetzen.

Frankfurt/Main, Berlin Die IG Metall lehnt die Pläne einer steuerfreien Einmalzahlung als Mittel zum Inflationsausgleich ab. Eine Sprecherin verwies am Montag auf Äußerungen des Gewerkschaftschefs Jörg Hofmann vom Monatsbeginn. Der Erste Vorsitzende der größten deutschen Gewerkschaft hatte bei der Ankündigung einer konzertierten Aktion durch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erklärt: „Tarifverhandlungen werden nicht im Kanzleramt geführt. Über Ziele unserer Tarifpolitik entscheidet nicht die Politik, sondern die Tarifkommissionen und Gremien der IG Metall.“

Die IG Metall will in den ab September anstehenden Tarifverhandlungen für die rund 3,8 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie kräftige Erhöhungen in den dauerhaft wirksamen Gehaltstabellen durchsetzen. Bei der Bewältigung der Teuerung könne die Politik mit weiteren Entlastungsschritten für die Bürgerinnen und Bürger und der Abschöpfung von Spekulationsgewinnen beitragen, hatte Hofmann erklärt.

Scholz hatte am Wochenende als Ausgleich der stark gestiegenen Verbraucherpreise die Möglichkeit einer steuerfreien Einmalzahlung durch die Arbeitgeber vorgeschlagen. Im Gegenzug sollen die Gewerkschaften bei Tarifrunden auf einen Teil der Lohnsteigerungen verzichten, um so die Inflation nicht weiter anzuheizen. Auch der DGB und die Arbeitgeber lehnten den Vorstoß ab.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) hält ebenfalls nichts vom Vorschlag von Scholz. „Angesichts der in den vergangenen Monaten explodierenden Preise ist ein solcher plötzlicher Liquiditätsabfluss, und nichts anderes wäre die Auszahlung zunächst, für viele Unternehmen aktuell einfach nicht mehr zu stemmen“, sagte der Bundesgeschäftsführer des Verbandes, Markus Jerger, dem Handelsblatt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Zudem sehe der Mittelstand alle Eingriffe in die grundgesetzlich garantierte Tarifautonomie kritisch. „Dies galt schon bei der parteipolitisch motivierten Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro im vergangenen Bundestagswahlkampf und ebenso für die jetzt vorgeschlagene Einmalzahlung“, sagte Jerger. „Beides sind untaugliche Versuche, sich bei der Bekämpfung der Inflationswirkungen aus der Verantwortung zu ziehen.“

    Jerger mahnte vor diesem, Hintergrund: „Statt undurchdachter Schnellschüsse sollte die neue Bundesregierung ihre gesamte Energie darauf verwenden, die Steuer- und Abgabenlast der Beschäftigten zu reduzieren, die kalte Progression endlich angehen und so für insgesamt höhere Nettoeinkommen zu sorgen.“ Dafür notwendige Strukturreformen sei seit Übernahme der Regierungsverantwortung auf die lange Bank geschoben worden. „Das Nichtstun muss angesichts der auf breiter Front gestiegenen Preise schnellstens beendet werden.”

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×