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04.11.2019

07:24

Innovationen

Hochschulen tun sich schwer mit Transfer

Von: Barbara Gillmann

Deutschen Hochschulen fehlt Personal und Knowhow, um neue Ideen in die Wirtschaft zu tragen. Immerhin haben sie 2018 rund 750 Professoren für Digitalisierung angeheuert.

Viele Professoren sind mehr am akademischen Betrieb orientiert, als an praktischen Anwendungen. dpa

Albertus-Magnus-Statue in Köln

Viele Professoren sind mehr am akademischen Betrieb orientiert, als an praktischen Anwendungen.

Berlin Transfer ist das Zauberwort der Innovationspolitiker: Neue Ideen aus der Wissenschaft sollen in Form von Patenten, Ausgründungen, Lizenzen oder sonstigen Kooperationen möglichst schnell den Sprung in die heimische Wirtschaft schaffen und so für Wettbewerbsvorsprung und Wohlstand sorgen.

Doch viele Hochschulen tun sich schwer: Ein Drittel hat noch immer keine Instrumente zur Förderung dieses Transfers eingerichtet. Und lediglich ein Prozent ihrer Verwaltungsmitarbeiter widmet sich dieser Aufgabe. Das zeigt das neue Hochschul-Barometer des Stifterverbandes, der jährlich alle Hochschulchefs befragt.

Ob neue Professoren und Professorinnen sich für einen Transfer engagieren, spielt in fast dreißig Prozent der Universitäten bei den Berufungsverfahren keine Rolle. Selbst bei den stark praxisorientierten Fachhochschulen ist es nur ein gutes Fünftel.

Neben fehlendem Personal und fehlenden Mitteln behindern auch Probleme mit dem geistigen Eigentum den von der Politik gewünschten schnelleren Transfer: Fast jede zweite staatliche Hochschule berichtet, dass „Verhandlungen über Schutzrechte wie Patente Kooperationen mit Unternehmen beeinträchtigt haben“, schreibt Hochschul-Barometer-Autor Pascal Hetze. „Bei staatlichen Universitäten sind es sogar zwei Drittel.“

Die Mehrheit der befragten Hochschulrektoren wünscht sich daher auch in Deutschland eine Institution, die systematisch anwendungsbezogene Forschung und deren Transfer in die Wirtschaft fördert. Beispiele gibt es durchaus: Die Innosuisse in der Schweiz, die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft, Vinnova in Schweden oder Nesta in Großbritannien. 

Besonders viele Anhänger hätte ein deutsches Pendant bei den Fachhochschulen, die sich vor allem finanzielle Förderung erhoffen. Von den Universitäts-Leitungen plädiert dagegen nur jede vierte für eine solche Institution – sie wünschen sich mehr Vernetzung und administrative Unterstützung.

Die neue „Agentur für Sprunginnovationen“ des Bundes, die mit Milliardenaufwand Innovationen finden und zu Geschäftsideen machen soll, kannten zum Zeitpunkt der Umfrage Anfang 2018 nur die Hälfte der befragten Hochschulchefs – obwohl sie bereits im Koalitionsvertrag angekündigt und seit Frühjahr 2018 diskutiert wurde. An den Start ging die Agentur im September unter Führung des IT-Unternehmers Rafael Laguna de la Vera. Sie hat zunächst ein Budget von 150 Millionen Euro – versprochen sind aber, wenn es gut läuft, eine Milliarde Euro und mehr.

Eine gute Nachricht birgt das Hochschul-Barometer für die Digitalisierung: Jede zweite Hochschule will ihr künftig mehr Raum in der Forschung einräumen – vor allem die Fachhochschulen.

Drei von zehn Professoren, die 2018 berufen wurden, beschäftigen sich explizit mit Digitalisierung. Das sind bei 2000 bis 2500 Neuberufungen insgesamt also 600 bis 750 mit digitalem Schwerpunkt.    

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