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18.09.2019

18:31

Innovationsagentur

Altmaier vergibt Innovationsauftrag nach Leipzig

Von: Barbara Gillmann, Moritz Koch

Die Bundesregierung will Hochtechnologien mit einer neuen Agentur für Sprunginnovationen fördern. Diese wird als GmbH in Ostdeutschland angesiedelt.

Der Bundeswirtschaftsminister stattet die Agentur mit einem Etat von 151 Millionen Euro bis 2022 aus. imago/photothek

Peter Altmaier

Der Bundeswirtschaftsminister stattet die Agentur mit einem Etat von 151 Millionen Euro bis 2022 aus.

Berlin Der Bundeswirtschaftsminister hat große Erwartungen geschürt. Um den Technologiestandort Deutschland zu stärken, werde er ein „deutsches Darpa“ gründen, versprach Peter Altmaier (CDU) immer wieder: eine Innovationsgesellschaft nach Vorbild des Forschungsarms des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Herausgekommen ist die Agentur für Sprunginnovationen – sie wird sich als GmbH nun in Leipzig ansiedeln.

Gemeinsam mit Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) und dem Gründungsdirektor der Agentur, Rafael Laguna de la Vera, trat Altmaier am Mittwoch vor die Presse, um den Startschuss zu geben: Ab 2020 soll die Agentur bahnbrechende Innovationen „made in Germany“ finden und ihnen zum wirtschaftlichen Durchbruch verhelfen.

Die Bundesregierung schlage damit einen „völlig neuen Weg in der Innovationspolitik“ ein, sagte Karliczek. In der Zentrale der Agentur sollen bis zu 50 Mitarbeiter beschäftigt werden, die in ganz Deutschland Ideen aufspüren, Wettbewerbe veranstalten und zentrale Entwicklungen an die Agentur binden – und das unabhängig von politischen Vorgaben.

Ziel ist, dass in Deutschland aus Ideen viel mehr als bisher auch erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen entstehen. Dass Deutsche so etwas wie die mp3-Technik entwickeln, dann aber andere das große Geld damit verdienen, soll möglichst nicht wieder passieren.

Der Agentur steht zunächst bis 2022 ein Etat von 151 Millionen Euro zur Verfügung. Das sei aber nur ein Anfang, betonte Altmaier. Ihm sei bewusst, dass der „augenblickliche Betrag in der Höhe begrenzt“ sei. Wenn die Agentur aber gut arbeite, werde dies „Argumente liefern, sie besser auszustatten“.

Bisher hatte die Bundesregierung eine zusätzliche Summe von einer Milliarde Euro über die nächsten zehn Jahre in Aussicht gestellt. Das sei jedoch zu wenig, um wirklich Bahnbrechendes zu leisten, hatte die Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI) in ihrem jüngsten Gutachten gemahnt. Die US-amerikanische Darpa verfügt über ein jährliches Budget von 3,4 Milliarden US-Dollar.

„Enorme Aufbruchstimmung in Leipzig“

Bei der Standortwahl setzte sich Leipzig gegen Potsdam und Karlsruhe durch. Altmaier sieht Leipzig als „innovationspolitischen Leuchtturm“ mit einer starken Wissenschaftsorientierung und einer guten Verkehrsanbindung. Den Ausschlag bei der Entscheidung gab allerdings Gründungsdirektor Laguna de la Vera. Die Regierung habe ihm „größtmögliche Freiheiten eingeräumt, auch bei der Ortswahl“, erläuterte Karliczek.

Laguna de la Vera, der in Leipzig geboren wurde und die DDR als Zehnjähriger mit seinen Eltern verließ, sagte, er wolle „die enorme Aufbruchstimmung in Leipzig nutzen“. Der 55-jährige IT-Spezialist leitet das in Köln angesiedelte Unternehmen Open-Xchange, dessen E-Mail-Software weltweit von 2,7 Milliarden Nutzern verwendet wird.

Eines der Forschungsprojekte, mit dem sich die Agentur beschäftigen wolle, sei die Entwicklung „einer Art Holodecks“, sagte Laguna de la Vera. Ähnlich wie in der Fernsehserie Star Trek sollen dabei Gesprächssituationen durch Hologramme simuliert werden. Das könne etwa Geschäftsreisen überflüssig machen und so Zeit und CO2-Emissionen sparen.

Neben der Finanzausstattung und dem Standort war im Vorfeld auch Kritik an den fehlenden Möglichkeiten laut geworden, mit vielversprechenden Innovationen entsprechende Geschäfte zu machen. Kritiker verwiesen auf den seit Jahren beklagten Mangel an Risikokapital in Deutschland. Zudem wurde die Frage aufgeworfen, ob eine solche Agentur als EU-weites Projekt nicht besser aufgestellt sei.

Thomas Sattelberger, Forschungspolitiker der FDP, kritisierte, die GroKo begnüge sich mit Symbolpolitik. Anstatt einen wirklich attraktiven Standort zu wählen, betreibe sie Förderpolitik für Deutschlands Osten. „Wenn es so weitergeht, bleiben Sprunginnovationen in Nordamerika und Asien zu Hause“, so Sattelberger.

Der CDU-Digitalpolitiker Tankred Schipanski kritisierte die Standortentscheidung: „Bei allem Respekt für den erfolgreichen Freistaat Sachsen: Starke Standorte weiter ,fettzufüttern‘ widerspricht dem Ziel der Bundesregierung, eine ausgewogene Verteilung von Bundeseinrichtungen und -institutionen über alle Länder hinweg zu erreichen“, beklagte der Thüringer Bundestagsabgeordnete.

Kommentare (1)

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Herr Christian Faust

18.09.2019, 18:41 Uhr

der Ansatz stimmt...wichtig ist, dass keiner Angst vorm Scheitern hat sondern begreift, dass das Scheitern der Anfang der Erkenntnis ist.

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