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11.09.2017

13:13 Uhr

IT-Freelancer

Ohne Soloselbstständige geht es nicht

VonPeter Thelen

Sieben von zehn Unternehmen halten freie Mitarbeiter im IT-Bereich für unverzichtbar. Sie erledigen rund ein Fünftel der Arbeit, meldet der aktuelle Etengo-Freelancer-Index – Tendenz in Zukunft eher steigend.

Dienstleistungen im IT-Bereich sind oft Projektarbeit – ideal für Freelancer dpa

Programmierer

Dienstleistungen im IT-Bereich sind oft Projektarbeit – ideal für Freelancer

Zwei Themen beschäftigen den aktuellen Sozialwahlkampf der linken Parteien, also von Linken, SPD und Grünen: prekäre Beschäftigte und Soloselbstständige samt ihrer angeblich unzureichenden sozialen Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) verspricht eine bessere Absicherung für die Zukunft. Das betrifft das Verbot der sachgrundlosen Befristung ebenso wie eine Versicherungspflicht für Soloselbstständige in der Deutschen Rentenversicherung. Manchem Unionspolitiker wäre eine andere Lösung lieber: Alle Selbstständigen ohne eigene Angestellte würden von ihren Auftraggebern sozialversicherungspflichtig angestellt.

Dann wäre der soziale Schutz dieser Erwerbstätigengruppe gewährleistet, und nebenher wäre die Finanzierungsbasis der umlagefinanzierten Sozialversicherung gesichert. Denn diese droht unter Druck zu geraten, sollte das klassische Normal-Arbeitsverhältnis durch die Digitalisierung der Wirtschaft ausfransen – zugunsten von Freelancern.

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Genau das könnte passieren. Es wäre aber trotzdem kein Beinbruch, meint Nikolas Reuter, Chief Executive Officer der Etengo Unternehmensgruppe. Der Personaldienstleister hat sich darauf spezialisiert, Freelancer im IT-Bereich passgenau an Unternehmen zu vermitteln. Seit Anfang 2016 veröffentlicht er außerdem einen Freelancer-Index, um die Entwicklung der Nachfrage nach Soloselbstständigen abzubilden. Befragt wird dabei jedes Halbjahr eine repräsentative Stichprobe von Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Zwar ist die Zahl der Unternehmen, die dem Einsatz von Freelancern bei IT-Projekten eine sehr große bis eher große Bedeutung beimisst, seit Februar 2016 von 83 Prozent auf 70 Prozent gesunken. Aber damit sind immer noch sieben von zehn Unternehmen der Meinung, dass sie im IT-Bereich nicht auf „Freiberufler“ verzichten können. Jedes zweite Unternehmen (51 Prozent) erwartet, dass Freiberufliche in den nächsten Monaten wieder an Bedeutung gewinnen werden. 53 Prozent glauben, dass der Anteil, den Freiberufler in ihren IT-Projekten übernehmen, eher weiter steigen wird. Aktuell wird im Durchschnitt ein Fünftel der Arbeiten von Freelancern erledigt. Für die kommenden sechs Monate wird erwartet, dass dieser Anteil auf 25 Prozent ansteigen wird.

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Dabei wird es immer komplizierter, den passenden Soloselbstständigen zu finden: 25 Prozent der Unternehmen haben das Gefühl, auf dem Freelancer-Markt schwieriger die geeignete Fachkraft für Projekte zu finden. Im Durchschnitt braucht es vier Termine mit verschiedenen Kandidaten, bis der passende Soloselbstständige gefunden ist.

Oft scheitert der Arbeitseinsatz dann aber doch noch: Grund dafür sind die begrenzten Budgets der Unternehmen, denn IT-Freelancer sind teuer. Etengo zahlt seinen Leuten 84 Euro die Stunde. Die Etats vieler Unternehmen geben das am Ende nicht her. 66 Prozent der befragten Firmen geben an, dass sie mit Budgetproblemen zu kämpfen haben.

Deswegen ist es oft schwierig, den geeigneten Mann oder die geeignete Frau dann auch tatsächlich für den Job zu gewinnen, wobei Frauen auf dem Markt der soloselbstständigen IT-Fachleute bisher nur eine sehr kleine Rolle spielen. „Am Ende zieht der Bewerber dann doch eine Tür weiter, weil ihm dort eine bessere Bezahlung geboten wird“, weiß Reuter. 59 Prozent berichten hier von Schwierigkeiten.

Kommentare (2)

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Herr Freier Lanzer

11.09.2017, 16:44 Uhr

Warum schreibt mir als freelancer überhaupt irgendein dahergelaufener Politiker vor, dass ich kranken- oder rentenversichert sein muss. Deutschland und Europa konvertiert zum Sozialismus - alles reguliert und vorgeschrieben!
Vielen Dank für die Beschneidung von immer mehr Freiheiten. Das Gesetz der Frau N. (Pippi Langstrumpf) hat auf mich und viele andere freelancer extrem negative Auswirkungen. Unternehmen werden immer restriktiver bei dem Einsatz von freelancern. Unser Geschäft wird massiv eingeschränkt. Hat bei den Genossen überhaupt irgendwer schon mal in der freien Wirtschaft gearbeitet? (und nein - Lehrer arbeiten nicht in der freien Wirtschaft).

Herr Hagen Aescht

12.09.2017, 17:40 Uhr

Nun ja, die verbandsseitigen Bemühungen um den Austausch mit der Politik sind wichtig und notwendig, insofern leistet der im Bericht benannte Dienstleister sicherlich lobenswerte und nutzenstiftende Arbeit. Allerdings ist ein Kompromissvorschlag mit Nachweis einer Alterssicherung in zweijährigem Prüfungsturnus nur ein weiteres Bürokratiemonster und trägt kaum zu einer Besserung der Gesamtsituation bei.
Auf politischer Ebene wäre viel wichtiger, auf einen klaren Kriterienkatalog hinzuarbeiten. Unser Gesetzgeber hat nämlich durchaus nachvollziehbare und richtige Gründe, dem Missbrauch von (Schein-)selbständigkeit vorzubeugen. Wo unsere Politik zwar gut denkt, aber leider nicht gut macht, ist einen nachvollziehbaren Rahmen zu schaffen, worin sich denn nun ein echter von einem unechten Selbständigen unterscheidet. Nur deshalb gibt es ja diese ganzen unkalkulierbaren Risiken im Statusfeststellungsverfahren, weil der Soll-Zustand, gegen den gepfüft wird, alles andere als klar und nachvollziehbar gestaltet wurde. Hier wäre politisch anzusetzen. Wir beraten unsere Kunden im Umfeld Scheinselbständigkeit und unerlaubter Arbeitnehmerüberlassung und unserem Haus sind Fälle bekannt, in denen der gleiche Sachverhalt seitens der Sozialversicherer genau gegenteilig beschieden wurde. Sowas darf/kann bei einer klaren Gesetzgebung nicht passieren.
Wünschenswert wäre allerdings auch, auf Seiten der Freelancer und auf Seiten der sie in Anspruch nehmenden Kunden Bewusstsein zu schaffen, was einen echten Selbständigen ausmacht und wie ein rechtskonformes Zusammenarbeitsmodell auszusehen hat. Ist das nämlich sauber umgesetzt, dann stellt ein Statusfestellungsverfahren auch keine (so große) Gefahr mehr dar. Viele Probleme in diesem Umfeld sind durchaus auch mal hausgemacht.

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