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19.11.2017

13:42

Kevin-Prince Boateng über die AfD

„Die wachsen und wachsen und keiner haut dazwischen“

Von: Dietmar Neuerer

Der Profifußballer Kevin-Prince Boateng hat viele bittere Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Dementsprechend besorgt ist er über das Erstarken der rechtspopulistischen Partei AfD. Was er von den Verbänden fordert.

„Wie ist es möglich, dass so eine Partei so viele Stimmen bekommt?“ dpa

Kevin-Prince Boateng.

„Wie ist es möglich, dass so eine Partei so viele Stimmen bekommt?“

BerlinDie teilweise ausländerfeindlichen Parolen der AfD haben beim Profifußballer Kevin-Prince Boateng ihre Spuren hinterlassen. „Wenn dich so viele Menschen aus dem Land wünschen, bist du besorgt“, sagte Boateng im Interview mit „jetzt“, dem Magazin der „Süddeutschen Zeitung“.

„Und wenn sich einer ans Mikrofon stellt und sagt, dass er Merkel jagen wird, denke ich: Jagen tut man Tiere, keine Menschen. Wie ist es möglich, dass so eine Partei so viele Stimmen bekommt? Die wachsen und wachsen und keiner haut dazwischen.“

Die AfD, die bei der Bundestagswahl 2013 noch knapp scheiterte, war mit 12,6 Prozent ins Parlament eingezogen. Der Spitzenkandidat und jetzige Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland machte am Wahlabend schon die erste Kampfansage an die künftige Bundesregierung: „Sie kann sich warm anziehen. Wir werden sie jagen“, sagte er. „Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen.“

Rechte Parteien in den Landtagen

Rechte Parteien in Deutschland

Immer wieder haben rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien den Sprung in deutsche Landesparlamente geschafft. Von langer Dauer war ihr parlamentarisches Wirken meist nicht. Die Fraktionen machten häufig eher durch interne Streitigkeiten von sich reden als durch politische Initiativen. Die rechtspopulistische AfD ist mittlerweile im Bundestag, in 13 Landtagen und im EU-Parlament vertreten.

NPD

Die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) erlebte in den 60er Jahren eine erste Erfolgswelle. Ihr gelang der Einzug in sieben der damals elf Landesparlamente, bei der Bundestagswahl 1969 scheiterte sie mit 4,3 Prozent nur knapp an der Fünfprozenthürde. Der Aufstieg war aber nur ein vorübergehendes Phänomen, in den 70er Jahren verschwand sie weitgehend wieder von der Bildfläche, ohne in den Landesparlamenten nennenswerte Ergebnisse erzielt zu haben.

Einen Wiederaufstieg mit neuem Personal erlebte die NPD nach der Wiedervereinigung. Wurde sie in den 60er Jahren noch von alten NSDAP-Anhängern getragen, konnte sie nun vor allem bei jenen Wählern in Ostdeutschland punkten, die sich als Verlierer der Wende sahen. 2009 zog sie in den Landtag von Sachsen ein, nach heftigen internen Querelen verfehlte sie 2014 den Wiedereinzug. Seit 2011 ist die NPD nur noch im Schweriner Landtag vertreten.

Republikaner

Unter Führung des früheren SS-Manns Franz Schönhuber wirbelten die rechten Republikaner vor einem Vierteljahrhundert die Parteienlandschaft auf. 1989 gelang ihnen völlig überraschend der Einzug ins Europaparlament und ins Abgeordnetenhaus von Berlin. 1992 erreichten sie bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 10,9 Prozent.

Vier Jahre später kam die Partei mit 9,6 Prozent erneut in den Landtag – und stellte damit eine Ausnahme von der Regel dar, dass rechte Protestparteien normalerweise nach einer Legislaturperiode wieder aus den Landtagen fliegen. Allerdings wurden auch die Republikaner von internem Streit zerrissen, inzwischen ist die Partei bedeutungslos.

DVU

Die Deutsche Volksunion (DVU) bot sich in den 90er Jahren als Auffangbecken für enttäuschte NPD-Wähler an und erzielte teils überraschende Wahlerfolge. 1991 zog sie ins Bremer Landesparlament ein, ein Jahr später in den Landtag von Schleswig-Holstein. In Sachsen-Anhalt erzielte sie 1998 mit 12,9 Prozent ihr bestes Ergebnis, auch in Brandenburg wurde sie in den Landtag gewählt.

Die DVU war voll auf ihren Gründer, den reichen Münchener Verleger Gerhard Frey, zugeschnitten. Bei den Wahlen trat sie in der Regel mit völlig unbekannten Kandidaten an. In den Landtagen machte sie vor allem mit internen Streitereien von sich reden, die DVU-Fraktionen zerfielen rasch. 2010 gingen die Reste der Partei in der NPD auf.

Schill-Partei

Eine weitere rechte Partei, die klar auf eine Führungsfigur zugeschnitten war, war die Partei Rechtsstaatliche Offensive des Hamburger Richters Ronald Schill. Sie schaffte es sogar in die Regierungsverantwortung. 2001 zog sie mit 19,4 Prozent in die Bürgerschaft ein und trat unter CDU-Bürgermeister Ole von Beust in die Regierung ein. Schill hatte sich als Richter mit umstrittenen harten Urteilen gegen Straftäter einen Namen gemacht.

Die Regierungskoalition zerbrach 2003 unter spektakulären Umständen. Von Beust entließ Schill als Justizsenator. Der Bürgermeister warf Schill den Versuch vor, ihn wegen seiner Homosexualität erpressen zu wollen. Bei der Wahl 2004 kam die Schill-Partei nicht mehr ins Landesparlament.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) mahnte daraufhin die neuen AfD-Abgeordneten, ihr Mandat ernst zu nehmen. „Das erfordert eine sprachliche Disziplin in der Debatte, die die Bedeutung eines Parlamentes erkennen lässt und nicht Provokationen anstelle von Kooperationen setzt“, sagte Lammert Anfang Oktober der „Welt“. Mit Blick auf die Äußerung Gaulands, die AfD werde Kanzlerin Angela Merkel (CDU) jagen, fügte Lammert hinzu: „Ein Parlament ist kein Jagdrevier.“

Die Sorgen des Profifußballers Boateng kommen nicht von ungefähr. Vor gut einem Jahr hatte nicht nur Gauland mit einer Äußerung über Boatengs Bruder provoziert. Der AfD-Vize hatte mit Blick auf den Nationalspieler Jérôme Boateng gesagt: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut, aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“

Auch Parteikollegin Beatrice von Storch sorgte nach dem Aus des DFB-Teams bei der EM 2016 mit einem Tweet für Empörung. „Vielleicht sollte nächstes Mal dann wieder die deutsche NATIONALMANNSCHAFT spielen?“, twitterte sie in Anspielung auf Fußballer mit Migrationshintergrund.

Brexit 2019

Kommentare (2)

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G. Nampf

20.11.2017, 11:03 Uhr

"Vielleicht sollte nächstes Mal dann wieder die deutsche NATIONALMANNSCHAFT spielen?“, twitterte sie in Anspielung auf Fußballer mit Migrationshintergrund."


Immer wieder der gleiche Käse. Die Fußballspieler mit Migrationshintergrund sind Deutsche und Leistungsträger der Mannschaft. Ohne sie wäre der deutsche Fußball richtig armselig

Ich bin stolz darauf, daß sich Migrantensöhne (- und -töchter) - insbesondere die türkischstämmigen- zur deutschen Nationalmannschaft bekennen .

Frau Annette Bollmohr

20.11.2017, 14:03 Uhr

„Die wachsen und wachsen und keiner haut dazwischen“

Doch, viele sogar.

Man merkt nur leider oft nicht viel davon, weil die bislang (ich hoffe: noch!!!) politisch nicht "schlagkräftig" genug sind.

Weil sie bei ihrem Kampf gegen den Rassismus auf die falsche Strategie setzen: Immer mehr Gesetze (also Bevormundung) statt Freiheit (also Eigenverantwortung).

Da kann man nur hoffen, dass heute dank der stark verbesserten Möglichkeiten der Kommunikation (insbesondere auch der digitalen) heute nicht mehr so viel Zeit vergeht wie früher, bis endlich alle (jedenfalls alle anständigen und friedfertigen Menschen, also fast alle) dazugelernt haben.

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