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15.06.2019

08:58

Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). dpa

DIHK

Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

KI-Gipfel bei der Kanzlerin

Wirtschaft fordert rasche Umsetzung der Strategie zur Künstlichen Intelligenz

Von: Frank Specht

Vor dem Zukunftsgespräch der Sozialpartner mit der Kanzlerin betont DIHK-Präsident Schweitzer die Chancen der Digitalisierung – und macht sich für den raschen Netzausbau stark.

Am Montag will sich die Bundeskanzlerin mit den Sozialpartnern treffen. In Schloss in Meseberg bei Berlin empfängt Angela Merkel die Präsidenten der Wirtschaftsverbände BDI, DIHK und ZDH und die Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften IG Metall und Verdi sowie der Gewerkschaftsdachverbände DGB und dbb.

Vor diesem sogenannten Zukunftsgespräch fordert die Wirtschaft die Bundesregierung auf, ihre Strategie zur Künstlichen Intelligenz (KI) weiter zu konkretisieren und rasch umzusetzen. „Für die deutsche Wirtschaft bietet die Digitalisierung enorme Chancen“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Eric Schweitzer, dem Handelsblatt.

Gerade in der Industrie erzeugten Maschinen schon heute viele Daten, die unmittelbar für neue innovative Produkte und Dienstleistungen genutzt werden könnten. „Diese Entwicklung sollten Wirtschaft, Politik und Forschung in Deutschland und Europa entschieden vorantreiben und gemeinsam gestalten“, sagte Schweitzer.

An den Gesprächen am Montag nehmen auch Vizekanzler Olaf Scholz (SPD), Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) sowie die Bundesminister für Inneres, Wirtschaft, Justiz, Arbeit, Gesundheit und Forschung teil.

Hauptthema des nunmehr zehnten jährlichen Treffens mit den Sozialpartnern ist die Künstliche Intelligenz. Es geht um deren Auswirkungen auf Unternehmens- und Arbeitsprozesse, aber auch um die Frage, welche Rolle die Tarifpartner bei der Einführung von KI in die Arbeitswelt spielen können oder welche Chancen die neuen Technologien zur Steigerung der Produktivität bieten.

Mitte November vergangenen Jahres hatte die Bundesregierung bei einer „Digitalklausur“ in Potsdam neben einer allgemeinen Digitalstrategie auch die KI-Strategie verabschiedet. Ziel ist, Deutschland zu einem der führenden Standorte bei der Entwicklung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz zu machen.

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Außerdem soll sichergestellt werden, dass die Nutzung und Entwicklung von KI-Anwendungen ethischen Maßstäben folgt und dem Gemeinwohl dient. Die Strategie umreißt insgesamt zwölf Handlungsfelder, von der Stärkung der Forschung in Deutschland und Europa über eine Förderung der Gründungsdynamik bis hin zur Erarbeitung von rechtlichen Standards für die neuen Technologien.

Die Bundesregierung müsse jetzt ihren Beitrag für ein gutes Innovationsklima leisten, indem sie vor allem ihre KI-Strategie weiter konkretisiere und umsetze, forderte DIHK-Präsident Schweitzer vor dem Treffen.

Damit Unternehmen Industrie- und Maschinendaten tatsächlich auch sammeln und in Echtzeit nutzen könnten, bräuchten sie zudem in ganz Deutschland eine leistungsfähige digitale Infrastruktur aus Glasfaser und 5G. „Denn ohne diese digitale Infrastruktur bleibt die Datenökonomie in Deutschland in den Kinderschuhen stecken“, sagte Schweitzer. Auch in die digitale Ausbildung junger Menschen müsse investiert werden.

Frage der Arbeitsplätze

In Meseberg dürfte durchaus kontrovers diskutiert werden, denn KI bietet zwar viele neue Chancen, birgt aber auch Risiken. So ist die Frage, inwieweit durch die neue Technologie Arbeitsplätze verdrängt werden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte sich deshalb schon zu Jahresbeginn in einem Impulspapier zum Thema Künstliche Intelligenz positioniert. „KI hat das Potenzial, zum Turbo der Digitalisierung zu werden“, heißt es darin. Deshalb sei eine „digitale Ethik“, wie sie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gefordert habe, nur folgerichtig.

Mit dem Aufkommen von KI-System erhalte die Debatte um die Automatisierung von Arbeitsplätzen neuen Schub, schrieb der DGB weiter: „Es muss darum gehen, menschliche Fähigkeiten durch KI zu erweitern – und nicht darum, Menschen zu ersetzen. Nur dann wird es Akzeptanz geben.“

Die Gewerkschaften fordern deshalb eine Beteiligung der Arbeitnehmer bei der Konzeptionierung und Entwicklung von KI-Systemen und eine Technikfolgenabschätzung. Zudem müsse der Beschäftigtendatenschutz gewährleistet sein.

Nicht weit verbreitet

Noch ist KI in deutschen Unternehmen nicht weit verbreitet. Nach dem Statusreport Künstliche Intelligenz des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) vom Oktober 2018 nutzen 33 Prozent der Großunternehmen und knapp 20 Prozent der Mittelständler KI für die Datenanalyse. Die Mensch-Maschine-Interaktion nutzen nur knapp sieben Prozent der großen und rund vier Prozent der kleinen Unternehmen.

Die Debatte über den Einsatz von KI ist dabei aber keineswegs auf Deutschland beschränkt. So hat sich die Industrieländerorganisation OECD erst im Mai dieses Jahres auf Grundsätze für Künstliche Intelligenz geeinigt. Darin heißt es unter anderem, dass KI inklusives Wachstum, eine nachhaltige Entwicklung und die Lebensqualität fördern soll.

KI-Systeme sollten zudem so transparent gestaltet sein, dass Menschen ihre Ergebnisse und Entscheidungen verstehen und hinterfragen und nötigenfalls eingreifen können. Außerdem fordert die OECD eine Rechenschaftspflicht der Entwickler und Betreiber von KI-Systemen für den einwandfreien Betrieb.

Mehr: Statt auf hochspezialisierte Produktionsstraßen für die Massenfertigung setzen Industrieunternehmen heute immer häufiger auf flexible Netzwerke. Lesen Sie unseren Bericht über die Fabrik der Zukunft.

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