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25.06.2019

00:04

Kitas und Horte

Arbeitsmarkt für Erzieher boomt, Fachkräfte dringend gesucht

Von: Barbara Gillmann

Erzieherinnen in deutschen Kitas und Horten betreuen 3,6 Millionen kleine Kinder. Bei den Grundschülern fehlen künftig aber zehntausende Fachleute.

Das Aufgabenspektrum in der Erziehung wächst enorm. dpa

Kommunen suchen Erzieher

Das Aufgabenspektrum in der Erziehung wächst enorm.

Berlin Der Arbeitsmarkt für Erzieher und Erzieherinnen ist gewaltig gewachsen: Mittlerweile arbeiten fast 770.000 Beschäftigte in Kitas, Horten und als Tagesmütter. Vor zehn Jahren waren es fast 300.000 weniger. Und 2019 werden voraussichtlich 57.000 weitere junge Menschen ihre Ausbildung abschließen.

Dieser Boom „war Anfang des Jahrtausends noch völlig undenkbar und stellt eine der erstaunlichsten Wachstumsdynamiken im Bildungswesen der letzten hundert Jahre dar“, sagt der Direktor des Deutschen Jugendinstituts (DJI), Thomas Rauschenbach, mit Blick auf das neue „Fachkräftebarometer Frühe Bildung“ der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (Wiff).

Insgesamt werden heute 3,6 Millionen Kinder in 56.000 Einrichtungen betreut. Bis 2025 wird ihre Zahl weiter enorm steigen – auch wegen des geplanten Rechtsanspruchs auf Ganztagesbetreuung der Grundschulkinder. Dafür prognostizierte das DJI schon 2017 für das Jahr 2025 eine „Personallücke“ von 329.000 Kräften. Ein aktuelle Prognose soll folgen, sobald die Bevölkerungsprognosen der amtlichen Statistik vorliegen.

Neben dem zahlenmäßigen Mangel an Fachkräften warnt die Weiterbildungsinitiative Wiff auch vor Defiziten beim Personal: Noch vor zehn Jahren war es das klare Ziel, mehr akademisch ausgebildete Pädagogen in den Kitas anzustellen – seither sind zahlreiche neue Studiengänge für Erziehungswissenschaft oder Kindheitspädagogik entstanden, die Zahl der Berufstätigen mit einem einschlägigem Abschluss hat sich seit 2006 verdreifacht. Der Anteil der Akademikerinnen in den Kitas der Republik ist jedoch nur von drei auf sechs Prozent gestiegen.

„Fataler“ Mangel an Akademikerinnen in der Kita

„Die Professionalisierungsansprüche für die Frühe Bildung drohen aufgrund der angespannten Personalsituation zunehmend in den Hintergrund zu geraten“, kritisiert daher die Ko-Leiterin des Fachkräftebarometers, Professorin Anke König von der Universität Vechta. „Das ist fatal, denn um die steigenden Anforderungen konzeptionell bewältigen zu können, sind gerade akademische Fachkräfte gefragt“, so König.

Doch die Kita-Träger stellen vor allem vollzeitschulisch ausgebildete Erzieherin ein. Akademikerinnen hingegen könnten daher trotz des Personalmangels „nicht überall Fuß fassen oder eine ihrer Qualifikation angemessene Stellefinden", formulieren die Autoren vorsichtig – sie sind den Arbeitgebern offenbar schlicht zu teuer.

Die Herausforderungen jedoch sind enorm, das Aufgabenspektrum wächst: Denn mittlerweile werden auch fast 670.000 Kinder unter drei Jahren betreut – 2007 waren es nur 280.000. Heute nehmen vier von fünf Einrichtungen solche jüngeren Kinder auf, die entsprechend intensiver betreut werden müssen als die älteren.

Fast 40 Prozent der Kitas arbeiten heute zudem auch integrativ, denn die Zahl der Kinder mit besonderem Förderbedarf ist um fast fünfzig Prozent auf 84.000 gestiegen. Dazu kommt das Thema Spracherwerb: Die Zahl der Kinder, die zu Hause eine andere Sprache als Deutsch sprechen, ist um 55 Prozent auf fast 700.000 geklettert.

Mit all diesen Herausforderungen wachsen auch die Führungs- und Managementaufgaben der Kita-Leitungen, mahnt das Barometer. Doch die durchschnittliche Zeit, die eine Kita-Leiterin dafür übrig hat, liegt nach wie vor nur bei gut zwei Stunden in der Woche. Immerhin: Die Zahl der Kitas, die überhaupt keine ausgewiesene Leitung haben, ist seit 2011 von 30 auf zehn Prozent zurück gegangen.

Mehr: Bund und Länder streiten über die Kosten der Ganztagsbetreuung für Grundschüler. Warum die Wirtschaft zur Eile drängt, lesen Sie hier.

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Kommentare (1)

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Herr Stefan Timm

25.06.2019, 09:15 Uhr

Was bitte soll ein akademischer Abschluss im Erziehungsbereich bringen? Gibt es darüber irgendwelche aussagekräftigen Untersuchungen? Ich kann aus meiner eigenen Beobachtung berichten, dass eine Mitarbeiterin in einer Mittagsbetreuung, die gerade einmal über einen Hauptschulabschluss verfügt, aber aufgrund ihrer Berufserfahrung und ihrer Einstellung sowie Eignung als Kinderpflegerin eingestuft ist, sämtliche Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen um Längen schlägt, was die Qualität der Arbeit betrifft.

Ich halte daher die "Akademisierung" speziell in diesem Bereich für einen unsinnigen und schädlichen Versuch, den Beruf (vermeintlich) attraktiver zu machen und eine bessere Entlohnung zu rechtfertigen. Jeder, der sich dafür einsetzt, schuldet den Nachweis, dass sich ein akademischer Abschluss positiv auf die Arbeit mit den Kindern auswirkt.

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