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15.09.2017

00:36 Uhr

„Klartext, Frau Merkel“

Scharfe Kritik und eine Liebeserklärung

In der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“ sprechen Bürger über persönliche Schicksale. Dabei muss die Kanzlerin viel Kritik einstecken. Überschwängliches Lob gab es aber auch – von einem syrischen Flüchtling.

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fernsehstudio der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“ in Berlin: Es hagelte viel Kritik, doch es gab auch Lob. dpa

ZDF-Sendung "Klartext, Frau Merkel!"

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fernsehstudio der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“ in Berlin: Es hagelte viel Kritik, doch es gab auch Lob.

BerlinKanzlerin Angela Merkel hat sich in einer TV-Debatte mit Bürgern gegen scharfe Angriffe auf ihre Migrations- und Sozialpolitik zur Wehr gesetzt. Zwei Flüchtlinge unter den Studiogästen hielten der CDU-Chefin am Donnerstag in der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“ vor, ihnen drohe die Abschiebung. Ein Deutsch-Türke beklagte, Merkel gehe zu wenig gegen Rassismus vor. Ein syrischer Flüchtling nutzte die Sendung dagegen zugleich für eine Liebeserklärung an die Kanzlerin.

Scharf wandte sich Merkel gegen Tabus und Generalisierungen in der Diskussion über Kriminalität von Migranten und Flüchtlingen. Eine Bürgerin hatte ihr vorgehalten, nach dem Zuzug von Flüchtlingen und Migranten gebe es hunderttausende alleinstehende Männer mit rückständigem Frauenbild im Land. Es gebe dramatisch gestiegene Zahlen von Vergewaltigungen durch Zuwanderer.

Merkel entgegnete: „Es darf, wenn es um Kriminalität geht, überhaupt gar keine Tabuthemen geben.“ Es gebe schlimme Einzelfälle, Straftäter müssten das Land verlassen. „Aber das, was Sie jetzt hier als das großes demografisches Problem herausstellen, das sehe ich nicht.“ Und: „Wir sollten damit nicht alle unter einen Generalverdacht stellen.“

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Ein syrischer Flüchtling, der nach eigenen Worten in Duisburg als Praxishelfer arbeitet, lobte Merkel dagegen überschwänglich: „Ich liebe Sie.“ Er fuhr fort: „Die Frau Merkel ist die Beste nach meinem Papa und Mama, weil sie mit Herz arbeitet.“

Ein afghanischer Flüchtling beklagte, er und seine Landsleute würden kaum mehr als Asylbewerber anerkannt. Er sei vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) abgelehnt worden, obwohl er als Journalist in seinem Land verfolgt werde. „Das Bamf arbeitet so schlecht“, das wisse er aus seiner Erfahrung als Übersetzer bei Asylverfahren. „Warum bekommen alle Afghanen eine Ablehnung. Diese Unsicherheit macht uns richtig fertig.“ Er fügte in verzweifeltem Ton hinzu: „Warum ist das so? Wo sollen wir hingehen?“

Merkel sagte, 50 Prozent der afghanischen Asylbewerber würden akzeptiert. „Wir können ja nicht jedem das Zeichen geben: Du musst nur nach Deutschland kommen, da wirst du schon angenommen. Wir müssen das schon abwägen.“ Sie verwies aber auch darauf, dass derzeit nur verurteilte Straftäter nach Afghanistan abgeschoben würden.

Ein junger Deutsch-Türke aus Berlin fragte die Kanzlerin, warum sie nicht mehr gegen alltäglichen Rassismus in Deutschland tue. „Ich habe so viele Diskriminierungen in meinem Leben erfahren. Woran liegt das?“ Statt sich des Problems anzunehmen, komme immer wieder „die deutsche Leitkultur zum Vorschein“. Wenn die Union behaupte, „Multikulti“ sei gescheitert, sei das Rassismus. Merkel versicherte: „Wo immer Sie rassistischen Vorurteilen begegnen, werden Sie mich an Ihrer Seite haben.“ Sie sei aber gegen „Multikulti“, bei dem man nebeneinander her lebe ohne gemeinsame Grundlagen.

Merkel musste sich gegen schwere Vorwürfe wehren, sie tue zu wenig gegen Altersarmut. Als sie die Riester-Rente gegen Vorwürfe einer Krankenhaus-Reinigungskraft im Publikum verteidigte, hielt ihr eine weitere Frau vor, dies sei eine Unverschämtheit: „Das ist ein Witz, was sie erzählen.“ Die Reinigungskraft hatte zuvor gesagt, einen Riester-Vertrag zur Aufstockung ihrer Rente würde sie niemals abschließen: „Da ist nur Riester von reich geworden.“

Merkel versicherte, Deutschland werde trotz großer Zweifel von Experten sein Klimaschutzziel bis 2020 schaffen. „Wir werden Wege finden, wie wir bis 2020 unser 40-Prozent-Ziel einhalten. Das verspreche ich Ihnen.“ Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, dass bis 2020 in Deutschland 40 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen werden.

Ein junger Mann hielt Merkel vor, Deutschland sei auf dem Weg in einen Überwachungsstaat. Die Kanzlerin hielt entgegen, die Regierung müsse die richtige Balance zwischen Sicherheit und Bürgerrechten finden. Zugleich müssten aber auch die Voraussetzungen geschaffen werden, terroristischen Gefährdern das Handwerk zu legen.

Merkel versicherte, bei einem Unionssieg bei der Bundestagswahl die volle Legislaturperiode von vier Jahren Kanzlerin zu bleiben. Zugleich betonte sie: „Ich habe immer gesagt, dass ich der Meinung bin, der Parteivorsitz und das Amt der Bundeskanzlerin gehören zusammen.“ Auf die Frage, ob das Angebot ihres SPD-Herausforderers Martin Schulz, bei ihm Vizekanzlerin zu werden, etwas für sie sei, ging Merkel nicht ein. Sie schloss die Augen, nickte - und musste wie zahlreiche Zuschauer im Studio selbst lachen.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Herr Rainer E. Pfander

15.09.2017, 08:42 Uhr

Überschwengliches Lob für unsere Kanzlerin?
Ach so, von einem Syrer!
Weil in meiner Umgebung kenne ich inzwischen niemand mehr,
der dieser Dame huldigt.

Herr Peter Spiegel

15.09.2017, 09:12 Uhr

Dank Frau Merkel sind die syrischen Deserteure in Deutschland, den Krieg hat die Wertegemeinschaft dennoch verloren. Was für ein Trost für Frau Merkel, daß sie
dafür von den Syrern geliebt wird unnd der Steuerzahle die nächsten Jahrzehnte
die Liebhaber aushalten muß.

Herr Grutte Pier

15.09.2017, 09:19 Uhr

"Zwei Flüchtlinge unter den Studiogästen hielten der CDU-Chefin am Donnerstag in der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“ vor, ihnen drohe die Abschiebung. Ein Deutsch-Türke beklagte, Merkel gehe zu wenig gegen Rassismus vor."

Es ist natürlich ein unglaublicher Vorgang, dass abgelehnten "Flüchtlingen" nach geltendem Recht die Abschiebung droht (vollzogen wird ja eher weniger). Was das dann gleich wieder mit "Rassismus" zu tun hat erschließt sich einem normal denkenden Menschen nicht, denn dann könnte man auch argumentieren, es wäre rassistisch einen Vergewaltiger weg zu sperren.
Aber das ist auch egal, da es primär darum geht das Wort selbst "unterzubringen" und damit den eingeimpften Schuldkomplex der Deutschen anzusprechen.

Zudem sind das alles Scheingefechte.

Jedermann weiß dass jeder, der es mal ohne Papiere (aber mit modernstem Handy) über die Grenze geschafft hat und das Zauberwort "Asyl" stammeln konnte, die sofortige Vollalimentierung auf Lebenszeit durch den deutschen netto-Steuerzahler (der schon länger hier lebt) zusteht.

Die weltbeste Kanzlerin (von der CDU) hat kein Interesse, an dem Zustand und tausendfachen Rechtsbruch etwas zu ändern.

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