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16.03.2021

10:39

Klimabilanz 2020

Emissionsdaten 2020: Bundesregierung verfehlt Klimaziele im Gebäudesektor

Von: Silke Kersting

Aufgrund sinkender Emissionen in der Corona-Pandemie hat Deutschland sein Klimaziel 2020 doch noch erreicht. In der Pflicht steht jetzt vor allem Bundesbauminister Horst Seehofer.

Der Gebäudesektor bleibt ein Problembereich bei den Emissionen. dpa

Deutscher Mieterbund

Der Gebäudesektor bleibt ein Problembereich bei den Emissionen.

Berlin In Deutschland wurden 2020 rund 739 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen – 70 Millionen Tonnen weniger als 2019. Das geht aus den Emissionsdaten des Umweltbundesamtes (UBA) hervor, die heute von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und UBA-Präsident Dirk Messner vorgestellt wurden. In den vergangenen 30 Jahren sanken die Emissionen um 40,8 Prozent. Unterm Strich erreicht Deutschland damit sein Klimaziel 2020. Das lag bei einem Minus von 40 Prozent gegenüber 1990. 

Allerdings ist gut ein Drittel der Minderung auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. „Ohne die Corona-Lockdowns mit den Einschränkungen bei Produktion und Mobilität hätte Deutschland sein Klimaziel für 2020 verfehlt“, sagte UBA-Präsident Messner. „Das bedeutet, dass die Emissionen wieder steigen werden, wenn die Wirtschaft anspringt.“ Das gelte besonders für den Verkehrssektor, der sich nicht auf den vergleichsweise guten Zahlen ausruhen könne.

Das neue Bundesklimaschutzgesetz sieht seit 2020 jährlich kontinuierlich sinkende Jahresemissionsmengen für einzelne Sektoren vor. Im Gebäudesektor wurden die Ziele nicht erreicht.

Im Gebäudesektor würden rasch weitere Maßnahmen zu prüfen sein, sagte Umweltministerin Schulze. Die Daten werden nun wie im Gesetz vorgesehen vom neu eingerichteten Expertenrat für Klimafragen geprüft. Der Expertenrat legt innerhalb eines Monats eine Bewertung der Daten vor.

Danach, so Schulze, habe das Bundesbauministerium laut Gesetz drei Monate Zeit, ein Sofortprogramm vorzulegen, das Vorschläge für Maßnahmen enthält, die den Gebäudesektor in den kommenden Jahren wieder auf den vorgesehenen Zielpfad bringen. Das wäre Mitte Juli.

Die Bundesregierung forderte sie auf, jetzt schon das geplante Ausbautempo für Wind- und Sonnenstrom in diesem Jahrzehnt zu verdoppeln. Ein Überblick der Klimabilanz 2020 sortiert nach einzelnen Sektoren:

Energiewirtschaft: Anteil der erneuerbaren Energien steigt

Der Sektor verzeichnet mit  38 Millionen Tonnen CO2 den größten Emissionsrückgang, ein Minus von 14,5 Prozent gegenüber 2019. Mit 221 Millionen Tonnen CO2 lagen die Emissionen unter der erlaubten Jahresemissionsmenge von 280 Millionen Tonnen.

Den größten Anteil daran hatte der Rückgang der Emissionen aus der Verstromung von Braunkohle (minus 23 Millionen Tonnen). Die Emissionen aus der Steinkohle-Verstromung sanken um 13 Millionen Tonnen CO2. Der Anteil der erneuerbaren Energien stieg. Zudem sank in der Krise der Bruttostromverbrauch um mehr als vier Prozent.

Verkehrssektor: Rückgang ist auf Lockdown zurückzuführen

Hier sanken die CO2-Emissionen um 19 Millionen Tonnen (minus 11,4 Prozent) auf 146 Millionen Tonnen. Damit liegen sie ebenfalls unter der für 2020 festgelegten Jahresemissionsmenge von 150 Millionen Tonnen. Der Hauptteil dieser Minderung ist darauf zurückzuführen, dass während des ersten Lockdowns weniger Auto gefahren wurde, vor allem auf langen Strecken.

Ein kleinerer Teil ist auf niedrigere Emissionen durch den Anstieg der Neuzulassungen von Elektroautos zurückzuführen sowie auf mehr Biokraftstoffe.

Einen deutlichen Corona-Effekt gab es beim inländischen Flugverkehr, der 2020 fast 60 Prozent weniger CO2-Emissionen verursachte.

Industriesektor: Leichter Emissionsrückgang

Hier reduzierten sich die Emissionen um knapp neun Millionen Tonnen CO2 (minus 4,6 Prozent) auf 178 Millionen Tonnen. Auch dieser Sektor lag unter der festgeschriebenen Jahresemissionsmenge von 186 Millionen Tonnen. Konjunktureffekte infolge der Coronakrise spielten eine wichtige Rolle, die in den Branchen allerdings unterschiedlich ausfielen.

Die deutlichste Minderung gab es in der Stahlindustrie, wo die Rohstahlerzeugung um rund zehn Prozent zurückging. Im produzierenden Gewerbe gab es überwiegend leichte Emissionsrückgänge. Die gute Baukonjunktur wiederum führte zu höheren Prozessemissionen in der Industrie.

Gebäude: zu viel CO2-Ausstoß

Als einziger Sektor in 2020 überschreitet der Gebäudesektor seine Jahresemissionsmenge gemäß Klimaschutzgesetz, die bei 118 Millionen Tonnen CO2 liegt. Die Emissionsminderung liegt bei drei Millionen Tonnen (minus 2,8 Prozent) auf 120 Millionen Tonnen CO2. Während in den Bereichen Gewerbe, Handel und Dienstleistungen die Emissionen aufgrund der Pandemie sanken, sind die Emissionen in den privaten Haushalten gestiegen.

Der Landwirtschafts- und der Abfallsektor wiederum blieben unter der erlaubten Jahresemissionsmenge.

Umweltministerin Schulze sieht jedoch trotz Pandemie-Effekten Fortschritte beim Klimaschutz durch den „Umbau unserer Volkswirtschaft in Richtung Klimaneutralität“. Wie Klimapolitik wirke, sehe man vor allem im Energiesektor, wo der Kohleausstieg gut vorankomme. „Das macht Mut für andere Bereiche, in denen es noch viel zu tun gibt.“

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