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07.07.2022

14:30

Klimaschutz

Airlines wehren sich gegen Vorgaben der EU zur Verwendung von Bio- und E-Kraftstoffen

Von: Christoph Herwartz, Jens Koenen, Carsten Volkery

Die EU will Fliegen klimafreundlich machen und den Verbrauch von herkömmlichem Kerosin vermindern. Die Flugbranche warnt davor, dass die Konkurrenz aus dem Osten das Geschäft übernimmt.

Flugzeug imago images/Arnulf Hettrich

Flugzeug nach dem Start

Fliegen ist die klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen.

Brüssel, Frankfurt Bis 2050 will die Europäische Union (EU) klimaneutral sein. Eine der größten Herausforderungen dabei ist, den Luftverkehr entsprechend umzustellen. Ein neues Gesetz soll nun vorschreiben, dass Flugzeuge in Europa mit einem hohen Anteil an nachhaltigen Kraftstoffen betankt werden müssen. Das Europaparlament legte am Donnerstag seine Position dazu fest und verschärfte die Vorgaben.

Ab 2025 sollen demnach zwei Prozent der Kraftstoffe klimafreundlich sein, bis 2040 soll der Anteil auf 37 Prozent ansteigen und bis 2050 dann auf 85 Prozent.

Theoretisch lässt sich so der Klimaschaden des Fliegens deutlich reduzieren. Derzeit trägt der Flugverkehr gut 13 Prozent zu den CO2-Emissionen des europäischen Verkehrssektors bei.

Aber die Branche warnt mit drastischen Worten vor einem Schaden für die Wirtschaft.

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    „Wir stehen auf der Langstrecke im direkten Wettbewerb mit Turkish Airlines, Emirates und Qatar Airlines“, sagte der Lufthansa-Cheflobbyist Kay Lindemann kürzlich bei einer Diskussion in Brüssel. „Bei mir ist die Grenze des Verständnisses erreicht, warum die EU Politik für diese Airlines macht.“

    Auch der langjährige Condor-Chef Ralf Teckentrup findet deutliche Worte. Die Beimischungsquote sei ein „Brandbeschleuniger“, sagte er. „Damit haben sie einen neuen Exportschlager geschaffen: europäische Arbeitsplätze.“

    Geringer Klimaeffekt

    Wenn es so kommt, wie es das Europaparlament anstrebt, würde nicht nur die europäische Wirtschaft geschädigt, der Nutzen für das Klima wäre auch sehr überschaubar.

    Das Problem ist, dass es zum Verbrennungsmotor in Flugzeugen kaum Alternativen gibt. Die benötigten Batterien für einen elektrischen Antrieb wären zu schwer.

    Darum sollen Flugzeuge mit nachhaltigen Kraftstoffen betrieben werden, in der Fachdiskussion ist von „Sustainable Aviation Fuels“, kurz „SAF“, die Rede. Ein Teil davon kann aus Bioabfällen gewonnen werden.

    Die Grünen warnen vor einer Konkurrenz zwischen Lebensmitteln und Kraftstoffen: „Nahrungsmittel gehören nicht in den Tank, das gilt auch für Flugzeuge“, sagt die Europaabgeordnete Jutta Paulus.

    Das Parlament fordert daher verschärfte Anforderungen an die Kraftstoffe: Palmöl, Soja und andere Futter- oder Nahrungsmittelpflanzen sollen anders als von der EU-Kommission vorgeschlagen nicht verwendet werden.

    Sobald die Beimischungsquoten steigen, werden die verfügbaren Mengen an Biokraftstoffen nicht mehr ausreichen. Dann müssen E-Fuels her, synthetische Kraftstoffe, die in aufwendigen und teuren Verfahren mit Strom hergestellt werden. Bislang sind sie am Markt kaum verfügbar.

    Das Europaparlament spricht sich zwar dafür aus, auch Strom und Wasserstoff als nachhaltige Kraftstoffe anzuerkennen. Dass damit konkurrenzfähige Antriebe entstehen, ist aber nicht abzusehen.

    Kostenerstattung abgelehnt

    Flüge würden dementsprechend teurer. Die Schätzungen dazu gehen recht weit auseinander. Lufthansa hat vor einiger Zeit durchgerechnet, was die Beimischung des künstlichen Kerosins den Passagier kosten würde. Für einen Flug von Frankfurt nach New York würden mit SAF zum Beispiel rund 200 Euro mehr anfallen.

    Angesichts des harten Wettbewerbs sind das Mehrkosten, die die Entscheidung des Kunden, mit wem er fliegt, beeinflussen könnten. Würden immer mehr Passagiere auf Fluggesellschaften wie Emirates setzen, wäre die Folge eine Verlagerung des Flugverkehrs zu Drehkreuzen außerhalb der EU.

    Das wiederum würde nicht nur die hiesigen Flughäfen schwächen. Die EU-Staaten würden beim Luftverkehr auch zunehmend von nicht europäischen Airlines und deren wirtschaftlichen Interessen abhängig werden.

    Im Europaparlament gab es deswegen den Vorstoß, für Flüge zu internationalen Drehkreuzen zwar eine Beimischung von nachhaltigen Kraftstoffen vorzuschreiben, die Kosten den Fluggesellschaften über den Emissionshandel aber zu erstatten.

    „Wir wollen einen fairen Wettbewerb europäischer und außereuropäischer Fluglinien“, sagt der FDP-Europaabgeordnete Jan-Christoph Oetjen, der hinter diesem Vorschlag steht. Eine Mehrheit gab es dafür aber nicht. Nun hofft Oetjen darauf, dass die EU-Mitgliedstaaten den Vorschlag aufgreifen.

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