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30.06.2022

14:25

Klimaschutz

Wissing versus Lemke: Neuer Streit ums Verbrenner-Aus

Von: Daniel Delhaes

Die FDP will mit einem eigenen Vorschlag die Zukunft von Autos mit Verbrennungsmotoren sichern. Grüne und EU-Kommission sind skeptisch – und könnten das FDP-Vorhaben ausbremsen.

Berufsverkehr in Berlin imago images/photothek

Berufsverkehr in Berlin

Ab 2035 dürfen in der EU keine Autos mehr neu zugelassen werden, die Benzin oder Diesel tanken.

Berlin Innerhalb der Bundesregierung ist neuer Streit über die Zukunft des Verbrennungsmotors ausgebrochen. Die FDP pocht auf einen neuen Vorschlag der Bundesregierung, um das jüngst auf europäischer Ebene beschlossene Aus für Verbrennungsmotoren ab 2035 aufzuheben.

Die FDP will mit einer neuen Regelung dafür sorgen, dass über das Jahr 2035 hinaus Autos und leichte Nutzfahrzeuge neu zugelassen werden können, sofern sie ausschließlich mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden. „Die Bundesregierung wird sich hierzu einbringen und gemeinsam einen Vorschlag erarbeiten“, erklärte eine Sprecherin von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) dem Handelsblatt. Synthetische Kraftstoffe oder E-Fuels werden mithilfe von Strom hergestellt und sind klimafreundlicher als Benzin, Diesel oder Erdgas.

Zuständig für einen Vorschlag wäre indes das von den Grünen geführte Bundesumweltministerium. Obendrein war im EU-Umweltrat am Dienstag auch anderes verabredet worden. „Daher arbeitet die Bundesregierung derzeit nicht an einem solchen Vorschlag“, stellte ein Sprecher von Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) auf Nachfrage klar.

„Das Initiativrecht für den im Beschluss des Umweltrats genannten Vorschlag liegt bei der Europäischen Kommission“, erklärte er weiter.

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    Darin wird die EU-Kommission aufgefordert, einen Vorschlag vorzulegen, wie nach 2035 noch Fahrzeuge zugelassen werden können, die mit synthetischen Kraftstoffen fahren – und damit mit einem Verbrennungsmotor. Auch Verkehrsminister Wissing hatte am Dienstagabend noch erklärt: „Die EU-Kommission wird hierzu einen konkreten Vorschlag unterbreiten, und zwar sowohl für Pkw wie auch für leichte Nutzfahrzeuge.“

    Allerdings ist das Interesse innerhalb der EU-Kommission begrenzt. Der zuständige Vizekommissionspräsident Frans Timmermans hatte am Dienstag deutlich gemacht, dass die Kommission allein entscheide, ob sie einen Vorschlag unterbreiten werde. Er verwies auf das Initiativrecht. Ohnehin ist in der Protokollnotiz keine Frist festgelegt, wann ein Vorschlag vorliegen soll.

    Grafik

    Timmermans sagte, derzeit seien E-Fuels „keine realistische Lösung“. Sollten sie es sein, dann sei die Kommission offen. „Es ist Sache der Hersteller zu zeigen, dass es geht.“ Die EU-Kommission sei technologieoffen.

    E-Fuels brauchen viel Energie

    E-Fuels gelten nicht als klimaneutral. Auch ist ungeklärt, wie sichergestellt wird, dass Fahrzeuge wirklich nur synthetische Kraftstoffe tanken können und nicht doch auch Benzin und Diesel. Entscheidend ist aber vor allem die Frage, wie effizient ein Fahrzeug die weltweit knappen Ökoenergien nutzt.

    So hatte bereits die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität festgestellt, dass batteriebetriebene Elektroautos auf einen Wirkungsgrad von 69 Prozent kommen, Autos mit einer wasserstoffbetriebenen Brennstoffzelle auf 26 und ein mit synthetischen Kraftstoffen betankter Verbrenner auf 13 Prozent.

    Laut Umweltministerium benötigt ein E-Auto rund 18 Kilowattstunden Strom auf 100 Kilometern, ein E-Fuels-Auto hingegen 115 Kilowattstunden und damit fast sechsmal so viel. Entsprechend seien E-Fuels allenfalls etwas für Flugzeuge, die Schifffahrt oder schwere Nutzfahrzeuge, für die es noch keine Alternative zu Kerosin, Schweröl und Diesel gibt.

    Umweltministerin Lemke lehnt es deshalb ab, künftig Autos mit derart synthetischen Kraftstoffen zu betreiben. Allenfalls Sonderfahrzeuge sollen dann noch mit Verbrennungsmotor und diesen Kraftstoffen fahren dürfen.

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