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10.05.2019

11:32

Kohleausstieg

Steigende Stromkosten belasten die Gewinne der Industrie

Von: Klaus Stratmann

Schon relativ geringe Strompreissteigerungen können für die Industrie gravierende Folgen haben, zeigt eine Studie. Besonders betroffen sind energieintensive Branchen.

Da Gas teurer ist als Kohle, steigen die Strompreise durch die Schließungen von Kohlekraftwerken. dpa

Braunkohlekraftwerk

Da Gas teurer ist als Kohle, steigen die Strompreise durch die Schließungen von Kohlekraftwerken.

BerlinEin dem Handelsblatt vorliegendes Gutachten des Energiewirtschaftlichen Instituts der Uni Köln (EWI) hat verschiedene Fallkonstellationen für Unternehmen der Nicht-Eisen-Metall-Industrien (Aluminium, Kupfer, Zink) berechnet. Im Mittelpunkt der Berechnungen steht dabei die Stromkostenintensität, also das Verhältnis von Stromkosten zur Bruttowertschöpfung. In Auftrag gegeben hat das Gutachten die Wirtschaftsvereinigung Metalle.

In den betrachteten Fällen variiert die Stromkostenintensität zwischen acht Prozent bei einem kleinen Kupferwalzwerk und 87 Prozent bei der Aluminiumelektrolyse. Am Beispiel der Aluminiumelektrolyse werden die Folgen eines Anstiegs der Stromkosten besonders deutlich: Eine Erhöhung der Stromkosten um einen Cent je Kilowattstunde senkt die Bruttowertschöpfung den EWI-Berechnungen zufolge um 15 Millionen Euro. 24 Prozent der Bruttowertschöpfung werden damit aufgezehrt.

In den anderen untersuchten Fällen sind die Folgen laut EWI nicht ganz so dramatisch, aber immer noch gravierend: Die gleiche Strompreiserhöhung vermindert die Bruttowertschöpfung eines großen Aluminiumwalzwerks um sechs Millionen Euro, was 3,5 Prozent der Bruttowertschöpfung entspricht.

Bei einem großen Kupferwalzwerk führt sie zu einer Reduzierung der Bruttowertschöpfung um vier Millionen Euro oder 2,1 Prozent. Bei einem kleinen Kupferwalzwerk sind es 199.000 Euro oder 0,5 Prozent. Im Vergleich zu anderen Branchen des verarbeitenden Gewerbes ist die Stromkostenintensität der Metallindustrie mit durchschnittlich 14,5 Prozent am höchsten.

Entsprechend groß sind die Auswirkungen von Strompreissteigerungen. Auf Platz zwei folgt die Papierindustrie. Dort liegt die Stromkostenintensität nach Angaben des EWI bei 9,5 Prozent. Nach Berechnungen des EWI würde sich die Bruttowertschöpfung des gesamten verarbeitenden Gewerbes bei einer Strompreiserhöhung von einem Cent um 0,5 Prozent oder insgesamt 2,9 Milliarden Euro reduzieren.

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Davon würde die Metallindustrie 439 Millionen Euro zu schultern haben, was einer Minderung der Bruttowertschöpfung um 2,3 Prozent entspricht. „Dies zeigt die erhöhte Sensibilität der Nicht-Eisen-Metallindustrie bei Strompreisanstiegen im Vergleich zu vielen anderen Branchen, selbst innerhalb des produzierenden Gewerbes.

Bei allen Wirtschaftszweigen außer Papier, Metall und Chemie liegt die Minderung deutlich unterhalb von einem Prozent, so dass diese Branchen von steigenden Strompreisen weniger stark betroffen wären“, heißt es in der EWI-Studie.

Die Wirtschaftsvereinigung Metalle hält es für unabdingbar, dass die Mehrbelastungen bei den Stromkosten, die sich aus dem Kohleausstieg ergeben, ausgeglichen werden: „Wenn es der politische Wille der Bundesregierung ist, an einem Ausstieg aus der Kohleverstromung festzuhalten, bedarf es einer Kompensation der daraus resultierenden Mehrkosten für die energieintensiven Industrieunternehmen, welche im internationalen Wettbewerb stehen“, fordert der Verband.

Die Wirtschaftsvereinigung kann sich dabei auf den Abschlussbericht der von der Bundesregierung eingesetzten Kohlekommission berufen. Auch in dem Bericht werden solche Kompensationszahlungen gefordert. Die Bundesregierung will den Kohleausstieg auf der Basis des Berichts gesetzlich regeln.

Dass der politisch verordnete Ausstieg aus der Kohleverstromung steigende Strompreise zur Folge haben dürfte, bestreitet niemand. Einer der Treiber für diesen Strompreiseffekt ist der Umstand, dass ein Teil der wegfallenden Kohle-Kapazitäten durch Gaskraftwerke ersetzt werden muss. Da Gas teurer ist als Kohle, steigen die Strompreise.

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Welchen Umfang dieser Anstieg haben wird, ist indes umstritten. Eine im Januar veröffentlichte Analyse, die Aurora Energy Research im Auftrag von BDI und DIHK angefertigt hatte, kommt zu dem Ergebnis, dass die geplanten Kohlekraftwerksschließungen bis 2030 zu einem Anstieg der Strompreise im Großhandel in einer Spanne von vier bis 14 Euro je Megawattstunde (MWh) führen.

Auch in den Jahren davor führt die vorzeitige Abschaltung von Kohlekraftwerken der Analyse zufolge bereits zu einem Anstieg der Strompreise. Der vom EWI unterstellte Anstieg um einen Cent je Kilowattstunde entspricht einem Anstieg von zehn Euro je Megawattstunde.

Die Strompreiseffekte des Kohleausstiegs dürften in den kommenden Tagen auch die Politik beschäftigen. Am Mittwoch findet einen öffentliche Anhörung des Wirtschaftsausschusses des Bundestags zum Thema Kohleausstieg statt.

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