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21.10.2021

10:24

Kommentar

Digitalisierung ist nicht sexy, sie ist harte Arbeit

Von: Teresa Stiens

Die Koalitionäre sind sich einig, es braucht mehr Digitalisierung. Doch was das bedeutet, versteht kaum jemand. Es geht vor allem um Expertise in Mathematik, Statistik und Informatik.

Zu wenige Politiker kennen sich wirklich mit den Detailfragender Digitalisierung aus dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Roboter

Zu wenige Politiker kennen sich wirklich mit den Detailfragender Digitalisierung aus

Wenn sich die Politikerinnen und Politiker in diesen Tagen treffen, um über die Zukunft des Landes zu diskutieren, ist ein Wort in aller Munde: Digitalisierung. Es ist das Modewort der Stunde, mit dem sich die Führenden von morgen als Visionäre mit Weitblick inszenieren.

Oft wird es noch gepaart mit anderen wohlklingenden Verheißungen wie „digitaler Souveränität“. Wenn das Ganze aus dem Ruder läuft, kommen noch Metaphern hinzu: Deutschland solle Digitalisierungsweltmeister werden, heißt es dann.

Dass die Digitalisierung unentwegt als sexy dargestellt wird, ist gefährlich, denn es lässt sie zum Modewort verkommen. Alle möchten sie fördern, aber kaum jemand unter den politischen Entscheidern versteht, was das eigentlich bedeutet.

In Wahrheit ist die Digitalisierung harte Arbeit und fordert Know-how in Bereichen, mit denen sich freiwillig kaum ein Politiker auseinandersetzen will: Statistik, Mathematik und Informatik.

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    Dabei läuft der Politik die Zeit davon. Bis Ende 2022 sollen 575 Verwaltungsleistungen digitalisiert sein, so verspricht es zumindest das Onlinezugangsgesetz (OZG). Bisher davon flächendeckend erreicht: 16. Deutschland ist überall dort abgehängt, wo man nur abgehängt sein kann: beim Breitbandausbau, der Digitalisierung der Verwaltung oder der digitalen Bildung.

    Keine Ahnung von Detailfragen

    Das liegt vor allem daran, dass diejenigen, die diesen Prozess steuern, kaum Ahnung von Detailfragen haben. Es entscheiden größtenteils Juristen und Politikerinnen (manchmal in Personalunion) über komplexe technische Fragestellungen der IT. Die Annahme dahinter: Man wird sich schon irgendwie einlesen können.

    Dass das nicht funktioniert, ist in den letzten Jahren bravourös bewiesen worden. Eine funktionierende Digitalisierung erfordert Leute, die sich ernsthaft mit Themen auseinandersetzen, die so gar nicht mehr sexy klingen: Schnittstellenmanagement, Datenverarbeitung, Programmiersprachen oder Algorithmen.

    Über 46.000 IT-Fachkräfte bräuchte es laut Schätzungen der European School of Management and Technology, um das Versprechen des OZG in der deutschen Verwaltung wirklich einlösen zu können.

    Die künftige Bundesregierung muss sich also entweder geschlossen zum Abendstudium der angewandten Informatik anmelden oder dafür sorgen, dass die Verwaltung für IT-Personal attraktiver wird.

    Dazu zählen andere Gehaltsstrukturen und projektbezogene Anstellungen, aber auch eine andere Arbeitskultur mit flachen Hierarchien. Denn die jetzige Situation erfordert sehr viel mehr als nur schöne Schlagworte.

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