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04.08.2020

10:31

Kommentar

Spielergehälter lassen sich nicht deckeln

Von: Diana Fröhlich

Der Streit über die hohen Gehälter der Top-Fußballer führt in die Irre. Die Vereine müssen professioneller wirtschaften und ihr Eigenkapital stärken.

Die Topstars verdienen Millionen – bringen ihren Mannschaften aber auch viel Geld ein. dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Robert Lewandowski

Die Topstars verdienen Millionen – bringen ihren Mannschaften aber auch viel Geld ein.

Es ist ein schneller, erster Reflex: Eine Gehaltsobergrenze für Fußballer – die braucht es dringend. Millionäre, die nichts anderes tun, als gegen einen Ball zu treten, gibt es schließlich zuhauf. Dem Wettbieten einzelner europäischer Klubs um Topspieler muss endlich ein Ende gesetzt werden. Und deshalb ist es gut, dass ein altes Streitthema jetzt, mitten in der Coronakrise, wieder thematisiert wird: die Deckelung der Spielergehälter.

Oder doch nicht?

Zwei neue Gutachten des Bundestags sehen eine Gehaltsobergrenze als realisierbar an. Aber so einfach, so pauschal lässt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit nicht beantworten. Schließlich regelt der Markt den Preis. Fußballprofis wie Cristiano Ronaldo, Lionel Messi oder auch Robert Lewandowski sorgen mit ihrer Genialität quasi im Alleingang dafür, dass ihre Mannschaft, ihr Verein, ihr Arbeitgeber Erfolg hat. Das ist den Klubs eben sehr viel wert.

Und nicht nur denen: Auch die Zuschauer, die Medien, die werbetreibenden Unternehmen machen gern mit beim Spiel um die Milliarden. Sie alle stützen das System. In der Bundesliga haben in der Saison 2018/19 die 18 Vereine rund vier Milliarden Euro erwirtschaftet. Das war der zweitstärkste Umsatz in Europa. Der Fußball ist eine Geldmaschine.

Fußball ist längst zum Geschäft geworden und sollte auch so behandelt werden

Initiativen, die in diesem System die Gehälter der Profis begrenzen sollen, gab es bereits mehrere. Ohne durchschlagenden Erfolg. Weil sich ein solcher vor allem von der Moral getragener Gedanke im Fußball nicht durchsetzen wird. Weil es nicht um den Sport geht, sondern um das Geschäft. Wer gewinnen will, der muss investieren. Und bislang zumindest war das Geld dafür ja auch da. Wer sich die Bilanzen der deutschen Bundesligavereine anschaut, der stellt im Übrigen fest: Die Personalkostenquote – gemeint sind die Ausgaben für Spielergehälter im Vergleich zu den Einnahmen eines Vereins – liegt laut „ DFL Wirtschaftsreport 2019“ bei noch nicht einmal 40 Prozent.

Und doch, die Pandemie hat vor allem die Vereine, die nicht in internationalen Wettbewerben vertreten sind – und dort hohe Einnahmen generieren –, in eine existenzielle Krise gestürzt. Ihnen sei geraten, ihre Eigenkapitalquote weiter zu erhöhen – die liegt in der Bundesliga derzeit bei gut 40 Prozent – und in ihre Professionalisierung zu investieren. Anstatt vergeblich darauf zu hoffen, dass sich die Europäische Fußball-Union Uefa für eine solidarische Gehaltsobergrenze einsetzt. Denn nur Vereine, die sich als mittelständisches Unternehmen verstehen – und auch so agieren, haben langfristig finanziellen Erfolg. Dann darf der Star auch ruhig was kosten.

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