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22.02.2019

11:03

Konjunktur

Die deutsche Wirtschaft sendet Notsignale

Von: Norbert Häring

Die Industrie in Deutschland hat im zweiten Halbjahr 2018 den Rückwärtsgang eingelegt. Das ist kein Ausreißer, die Wirtschaft befindet sich im Abschwung.

Das Bruttoinlandsprodukt ist im 4. Quartal 2018 nicht gewachsen, aber auch nicht geschrumpft. dpa

Bauarbeiten

Das Bruttoinlandsprodukt ist im 4. Quartal 2018 nicht gewachsen, aber auch nicht geschrumpft.

FrankfurtBisher dachten die meisten Volkswirte, der Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2018 und die Stagnation im vierten seien vorübergehende Folge von Sondereffekten. Vor allem die Schwierigkeiten der wichtigen Autoindustrie mit der Umstellung auf neue Abgastests und das Niedrigwasser des Rheins wurden angeführt, verbunden mit der Erwartung, dass die Produktion die Ausfälle zumindest teilweise nachholen werde, wenn diese Probleme gelöst sind.

Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mit den ausführlichen Ergebnissen zum Bruttoinlandsprodukt bestätigte, lag die Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes im dritten Quartal um 0,4 und im vierten sogar um 1,4 Prozent niedriger als im Jahr zuvor.

Dass die gesamte Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorjahresquartal noch ein leichtes Wachstum aufwies, und im Vergleich zum Vorquartal immerhin nicht sank, lag vor allem am boomenden privaten Wohnungsbau und daran, dass der Staat deutlich mehr Geld ausgegeben hat.

Der Außenbeitrag, also die Exporte minus die Importe, lieferte dagegen im Vergleich zum Vorquartal keine Wachstumsimpulse. Im Vergleich zum Vorjahr brachte er sogar einen Abzugsposten von gut einem Prozentpunkt.

Bisher war die Hoffnung, dass nach Normalisierung des Rhein-Wasserstands und der gelungenen Anpassung der Autoindustrie an die neuen Abgastests ein Wachstumsschub aus der Industrie kommen würde, der die Schwäche des zweiten Halbjahrs 2018 zumindest teilweise kompensieren würde. Das scheint auszubleiben.

Geschäftsklima: Ifo-Index fällt erneut – „Deutsche Konjunktur bleibt schwach“

Geschäftsklima

Ifo-Index fällt erneut – „Deutsche Konjunktur bleibt schwach“

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Februar erneut gesunken. Für die Bank Unicredit liegt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession bei fast 40 Prozent.

Im Februar sank der Einkaufsmanagerindex für die Industrie, den das Marktforschungsinstitut Markit am Donnerstag bekanntgab, nochmals kräftig von ohnehin schwachen 49,7 Punkten auf nur noch 47,6 Punkte. Werte unter 50 Punkten deuten auf rückläufige Produktion hin. Zwar stieg gleichzeitig der Index für den Dienstleistungsbereich auf 55 Punkte. Die Industrie ist aber für die Konjunktur in der Regel wichtiger.

Für den Chefvolkswirt von Deutsche Bank Research, Stefan Schneider, deuten die schwachen Industriedaten darauf hin, dass das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal schrumpfen könnte. Er traut der Deutschen Wirtschaft deshalb in diesem Jahr nur einem halben Prozentpunkt Wachstum zu.

Die Regierung und die meisten Forschungsinstitute rechnen bisher mit rund einem Prozent.  Die These von den vorübergehenden Sondereffekten lasse sich nicht mehr länger aufrechterhalten, sagen die Deutsche-Bank-Volkswirte: „Von Nachholeffekten keine Spur.“

Besonders stark gefallen sind die Teile des Industrieindex, die am stärksten in die Zukunft weisen. So fiel der Index für den Auftragseingang im Februar auf nur noch 42,6 Punkte.

Ifo fällt auf schlechtesten Wert seit Dezember 2014

Der Ifo-Geschäftsklimaindex, den das Ifo-Institut am Freitag veröffentlichte, nährte die Sorgen um die deutsche Konjunktur weiter. Er beruht auf einer Befragung von deutlich mehr Unternehmen und fragt auch die Erwartungen für die nächsten Monate ab. Der Index fiel im Februar um 1,8 Punkte auf 98,5 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit Dezember 2014.

Das sagen Ökonomen zum fallenden Ifo-Index

Niedrigster Wert seit Dezember 2014

Die deutsche Wirtschaft schwächelt. Das Barometer für das Geschäftsklima sank im Februar auf 98,5 Punkte von zuvor 99,3 Zählern, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte. Das ist bereits der sechste Rückgang in Folge und der niedrigste Wert seit Dezember 2014. Ökonomen hatten lediglich mit einem Absinken auf 99,0 gerechnet. Erste Reaktionen.

Alexander Krüger, Bankhaus Lampe

„Die gute Nachricht ist, dass die Stimmung weiterhin nicht abstürzt. Aktuell geht die Eintrübung stärker auf die Lagekomponente zurück. Bisher war sie weitgehend erwartungsgetrieben. Angesichts des drohenden harten Brexit und eventueller Autozölle wundert dies nicht. Ein Rezessionssignal geht vom Geschäftsklima weiterhin nicht aus. Wachstumsseitig werden fortan aber deutlich kleinere Brötchen gebacken. Der Abschwung wird sich weiter festsetzen.“

Uwe Burkert, LBBW

„Der erneute Fall ist wenig ermutigend. Andererseits dürfte inzwischen die Stimmung schlechter sein als die Lage. Irgendwo auf dem nun erreichten Level sollte das Geschäftsklima einen Boden finden. Aber für eine Trendwende zurück nach oben müssen erst einmal die beiden Event-Risiken Brexit und Handelsstreit geklärt werden.“

Andreas Rees, Unicredit

„Die Abschwungsignale aus der deutschen Wirtschaft haben sich nochmals verstärkt. Immerhin ist die Unternehmensstimmung zum sechsten Mal in Folge gefallen, auch wenn der Rückgang nicht ganz so kräftig war wie im Vormonat. Auf Basis unseres Rezessionsmodells, in das die Ifo-Geschäftserwartungen eingehen, beträgt die Rezessionswahrscheinlichkeit mittlerweile fast 40 Prozent. Vor allem der Gegenwind aus der Weltwirtschaft macht den deutschen Unternehmen schwer zu schaffen: die globale Konjunkturverlangsamung, die Unsicherheit durch den Brexit, die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie die angedrohten US-Zölle auf europäische Autos.“

Andreas Scheuerle, Dekabank

„Je näher der Brexit-Termin rückt, je näher wir einer Entscheidung über die US-Schutzzölle auf Automobile kommen, desto schwerer wiegen diese Themen in der Wahrnehmung der Unternehmen. Die anfänglich noch kleinen Wellen türmen sich inzwischen zu Wogen auf. Zusätzliche Querwinde kommen von der überraschend starken Abschwächung des Welthandels. In dieser stürmischen See machen die Unternehmen die Luken dicht und reffen ihre Segel.“

Jörg Zeuner, KfW

„Die Stimmung fällt weiter, das ist komplett nachvollziehbar. Die Drohung der USA mit Strafzöllen auf unser wichtigstes Exportgut - Autos - steht konkreter denn je im Raum. Gleichzeitig rast unser bedeutender Partner Großbritannien weiter ungebremst auf die in Sichtweite kommende Brexit-Klippe zu und auch in der Weltwirtschaft läuft es nicht mehr so richtig rund. Wir haben deshalb heute früh unsere Konjunkturprognose für 2019 halbiert und erwarten nun nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr.“

Thomas Gitzel, VP Bank

„Die Alarmglocken läuten. Die kommenden Monate werden spannend. Und wenn man so will, zeigt der Ifo-Geschäftsklimaindex den Spannungsbogen auf. Aber um das Wachstum im ersten Quartal müssen wir uns rein rechnerisch keine Sorgen machen. Nachholeffekte werden den BIP-Zuwachs anschieben. Nach dem WLTP-Desaster fährt die Automobilindustrie ihre Produktion hoch und auch die aufgrund des trockenen Sommers 2018 unterbrochenen Lieferketten über die deutschen Flüsse gehören der Vergangenheit an. Beide Effekte werden ausreichen, um die Zuwachsraten des BIP deutlich über die Nulllinie zu hieven.“
Quelle: Reuters

Die Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als auch die Perspektiven für die kommenden sechs Monate. „Diese Ergebnisse und andere Indikatoren deuten auf ein Wirtschaftswachstum im ersten Quartal von 0,2 Prozent hin. Die deutsche Konjunktur bleibt schwach“, kommentierte Ifo-Chef Clemens Fuest die schlechten Umfragewerte.

Anders als beim Einkaufsmanagerindex hat sich das Geschäftsklima laut Ifo auch im Dienstleistungsgewerbe deutlich verschlechtert. Im verarbeitenden Gewerbe fiel der Index sogar zum sechsten Mal in Folge. Die aktuelle Geschäftslage wurde zwar noch als gut bezeichnet, die Unternehmen erwarten aber eine deutliche Verschlechterung.

Die deutsche Industrie geht damit geschwächt in ein Jahr, in dem sie womöglich noch einige Tiefschläge zu verkraften haben wird. Die US-Regierung hat Sonderzölle auf deutsche Autos angedroht und liegt auch mit China im Handelsstreit. In wenigen Wochen droht zudem noch ein ungeregelter Austritt Großbritanniens aus der EU, der die Zollschranken im Handel mit diesem wichtigen Exportmarkt heruntergehen lassen würde.

Weil die Europäische Zentralbank anders als normal mit Nullzinsen in diesen Abschwung geht und auch das Potenzial zum Aufkauf von Staatsanleihen bereits zu einem großen Teil ausgeschöpft hat, ist von dieser Seite nicht allzu viel Hilfe für die Konjunktur zu erwarten.

Konjunktur: Deutsche Wirtschaft schrammt an Rezession vorbei

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Deutsche Wirtschaft schrammt an Rezession vorbei

0,0 Prozent: Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte von Oktober bis Dezember. Hauptgrund für das schwache Abschneiden ist die Autoindustrie.

Daher dürfte nun die Diskussion um eine Investitionsoffensive des Staates und sonstige Maßnahmen zur Konjunkturstützung neue Schärfe gewinnen. Erst vor wenigen Tagen hat die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, die Bundesregierung aufgefordert, mehr zur Konjunkturstützung zu tun. Auch Umverteilung zugunsten der Geringverdiener könne helfen, weil diese ihr Geld eher ausgeben, als es auf die hohe Kante zu legen.

Im vierten Quartal war eher letzteres nach den Zahlen der Statistiker der Fall. Der private Konsum hatte zwar noch einen leichten Wachstumsbeitrag geleistet. Aber im Vergleich zum kräftigen Anstieg der verfügbaren Einkommen fiel er eher schwach aus. Die verfügbaren Einkommen legten – nicht inflationsbereinigt – im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent zu, der private Konsum nur um 2,7 Prozent.

Rekordüberschuss im Staatshaushalt

Der Überschuss im Staatshaushalt von 58 Milliarden Euro 2018, den das Statistikamt ebenfalls am Freitag verkündete, dürfte nicht dazu beitragen, die Rufe nach höheren Staatsausgaben aus dem In- und Ausland zu dämpfen. In absoluten Zahlen war das der höchste je erzielte Überschuss, was allerdings auch mit der Geldentwertung über längere Zeiträume zusammenhängt.

Aber auch relativ zum Bruttoinlandsprodukt war der Überschuss mit 1,7 Prozent sehr hoch. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen erzielten jeweils zweistellige Milliardenüberschüsse, die höchsten der Bund mit 14,9 Milliarden, am wenigsten die Länder mit 11,1 Milliarden.

Konjunktur: Industrie noch mit sattem Auftragspolster im Inland

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Industrie noch mit sattem Auftragspolster im Inland

Im Inland haben sich die nicht erledigten Aufträge erhöht, während sie sich im Ausland verringert haben – ein Signal für die langsamere Gangart der globalen Wirtschaft.

Während aus dem Ausland vor allem auf eine Investitionsoffensive des Staates gedrängt wird, plädiert das konservative und unternehmensnahe Lager für Steuersenkungen. Diese gelten zwar bei Ökonomen als weniger konjunkturstimulierend, haben aber nach Ansicht ihrer Befürworter günstige Wirkungen auf das langfristige Wachstum. Aus dem linken und gewerkschaftsnahen Lager werden zusätzlich zu höheren Investitionen auch mehr Sozialausgaben gefordert.

Kommentare (2)

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Herr Frank Krebs

22.02.2019, 17:10 Uhr

Ich kann dieses Abschwung-Geraune nicht mehr hören. Die deutsche Wirtschaft arbeitet seit Jahren am Produktivitätslimit, da sind ein paar schwächere Quartale durchaus willkommen. Wir haben Vollbeschäftigung und das auf Jahre hinaus. Also, macht die Leute nicht verrückt!

Herr Helmut Metz

22.02.2019, 19:53 Uhr

@ Frank Krebs

Und solange die Euro-Südschiene via Target2-Zahlungssystem lustig weiter anschreiben lassen kann (wobei an eine Rückzahlung nie gedacht wird), steht auch weiterhin weltmeisterlichen Exporten in andere EU-Staaten nichts entgegen. Die Deutschen verschenken ihre Arbeitskraft und ihre Produkte ja schließlich gerne.

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