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04.06.2019

12:00

Konjunktur

Die Digitalbranche wächst kräftig gegen den Trend

Von: Donata Riedel

Die flaue Konjunktur in Deutschland schlägt auf die Digitalwirtschaft nicht durch, stellt der neue Bitkom-Ifo-Branchenindex fest. Sorge bereitet der Fachkräftemangel.

Die Digitalunternehmen schätzen ihre aktuelle Lage durchweg besser ein als die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate. dpa

Leuchtdisplay auf der Cebit

Die Digitalunternehmen schätzen ihre aktuelle Lage durchweg besser ein als die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate.

BerlinDie Digitalwirtschaft bleibt eine Insel der Seligen in der ansonsten von einer abkühlenden Konjunktur geprägten deutschen Wirtschaftswelt. „Die Geschäfte der Branche laufen prächtig“, sagte Achim Berg, Präsident des Branchenverbandes Bitkom bei der Vorstellung des neuen Digitalindex‘, der ein sehr gutes Geschäftsklima zeige und vom Ifo-Institut in Zusammenarbeit mit dem Bitkom ermittelt wird.

„Diese Branche expandiert“, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest. Der Bitkom erwartet für 2019 ein Wachstum von 1,5 Prozent – im Gegensatz zur Gesamtwirtschaft in Deutschland, für die die Bundesregierung nur 0,5 Prozent Wachstum prognostiziert hat.

Dabei schätzen die Digitalunternehmen ihre aktuelle Lage durchweg besser ein als die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate: Die Sorgen um Handelskonflikte drücken auch in dieser Boombranche auf die Stimmung, so Fuest. Allerdings sei es auch ein häufiges Muster, dass in einem langjährigen Aufschwung irgendwann die Erwartung auf künftig noch bessere Geschäfte nachlässt.

Für den neuen Bitkom-Ifo-Digitalindex befragen Ifo und Bitkom 400 Hersteller, Händler und Service-Firmen. Vor allem IT-Dienstleister, Telekomunternehmen, Hersteller von Software, Hardware und elektronischer Bauteile sowie Einzelhändler elektronsicher Geräte geben Auskunft.

Der Digitalindex stieg von April auf Mai um 2,2 auf 27 Punkte. Die Zahl besagt, dass von den Befragten 27 Prozent mehr ihre Geschäfte gut einschätzen als schlecht. Vor allem die auch zuvor schon hervorragende Lageeinschätzung  verbesserte sich um 2,8 Punkte auf 46,7 Punkte, während die Erwartungen nur leicht auf 8,8 Punkte steigen – nachdem sie seit Mitte 2018 meist gesunken waren.

Wachstumshemmnis Fachkräftemangel

Da die Digitalunternehmen weiter eine hohe Einstellungsbereitschaft zeigen und die Preise anheben, erwartet Fuest nicht, dass die vorsichtigeren Erwartungen der Vorbote schwächerer Geschäfte sind. Dagegen spreche auch, dass die Branche sowohl die Zahl ihrer Arbeitsplätze, auf 1,174 Millionen, als auch ihre Produktivität steigert.

Das große Wachstumshemmnis bleibt der Fachkräftemangel: Mehr Ausbildung in diesem Bereich wünscht Berg. Die Branche setze zudem auf das neue Fachkräftezuwanderungsgesetz, das das Anwerben von Spezialisten aus Nicht-EU-Staaten erleichtern soll.

Von der Bundesregierung erhofft sich Berg eine „zielgenauere Förderung“, etwa im Bereich der selbstlernenden Künstlichen Intelligenz. Hingegen wie bisher auch Datengetriebene Innovationen zu fördern, stoße in Deutschland schnell an Grenzen: Es würden dafür hierzulande zu wenig Daten zur Verfügung stehen. „Gießkannenförderung bringt wenig“, sagte Berg.

Das meint auch Fuest. „Wie fördert man eine Branche, in der sowieso alle beschäftigt sind?“, fragte er. Beide Experten plädieren für die schnelle Digitalisierung des öffentlichen Sektors. Doch die komme noch immer nur schleppend voran, weil die Koordination zwischen Bund, Ländern und Gemeinden nicht gelinge.

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