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21.05.2019

11:01

Konjunktur

Handelskonflikte lähmen die deutsche Wirtschaft – doch einige Branchen verhindern die Rezession

Von: Donata Riedel

Die OECD senkt ihre Wachstumsprognose nicht weiter, weil der Bausektor und die Dienstleistungsbranche boomen. Doch die Industrie leidet stark unter den Handelskonflikten.

Durch die sich abschwächende Weltwirtschaft ist die Nachfrage nach Investitionsgütern, auf die Deutschland spezialisiert ist, bereits gesunken. dpa

Exportorientierung

Durch die sich abschwächende Weltwirtschaft ist die Nachfrage nach Investitionsgütern, auf die Deutschland spezialisiert ist, bereits gesunken.

BerlinDie OECD fürchtet das Ende der Globalisierung – und mit ihm erhebliche Wohlstandsverluste weltweit. Besonders hart würde das Deutschland mit seinem großen Industriesektor treffen – weil dieser „von globalen Wertschöpfungsketten geprägt“ ist. In seiner neuen Konjunkturprognose zeichnet die Industrieländerorganisation an diesem Dienstag ein eher düsteres Bild der Weltwirtschaft.

Immerhin: Die OECD-Ökonomen haben ihre Wachstumserwartungen für Deutschland nicht weiter gesenkt: Sie erwarten weiterhin ein Plus von 0,7 Prozent und damit etwas mehr als die Bundesregierung, die mit 0,5 Prozent rechnet.  

2020 soll sich das Wachstum laut OECD wieder beschleunigen, auf 1,2 Prozent. „Die beispiellos niedrige Arbeitslosenquote und der kräftige Lohnauftrieb dürften dem privaten Verbrauch weiterhin Impulse verleihen, und der Bausektor boomt“, schreibt Chefökonomin Laurence Boone.

Die Binnenkonjunktur bildet somit aktuell im Vergleich zu früheren Abkühlungsphasen der Konjunktur ein ungewöhnlich starkes Gegengewicht. Das hatten in den letzten Wochen auch die deutschen Konjunkturforscher einmütig festgestellt. Wäre Deutschlands Wirtschaft noch so einseitig exportabhängig wie in den 2000er-Jahren, wäre eine Rezession 2019 wohl kaum vermeidbar.

Denn die Industrie leidet unter den Handelskonflikten, die US-Präsident Donald Trump angezettelt hat. Diese haben den Welthandel bereits gebremst und werden ihn auch weiter schwächen. Das globale Wirtschaftswachstum werde von 3,5 Prozent 2018 auf 3,2 Prozent in diesem Jahr sinken, so die OECD.

Exporte gehen zurück

„Die sich abschwächende Weltwirtschaft belastet die Nachfrage nach Investitionsgütern, auf die Deutschland spezialisiert ist, und die Exportauftragseingänge sind erheblich gesunken“, stellen die Ökonomen fest. Die logische Konsequenz: Sie rechnen deshalb mit einer Verlangsamung des Exportwachstums in Deutschland.

Auf längere Sicht bezweifeln die Ökonomen um Boone, dass der Dienstleistungssektor als Konjunkturstütze ausreicht: „Eine dauerhafte Entkopplung ist unwahrscheinlich.“ Denn ein Großteil der Dienstleistungen ist von der Produktion abhängig. Weltweit tragen Dienstleistungen mehr als die Hälfte der Exporte: Dauert die Industriestagnation an, schwächelt irgendwann auch die Binnenkonjunktur.

Der Industriesektor hänge zudem stark von Investitionen ab – und deren Wachstum geht aktuell weltweit dramatisch zurück, etwa auf die Hälfte des Niveaus von 2018. Umso wichtiger sind laut OECD daher gerade jetzt staatliche Investitionen: Sie bestimmen das Wachstum und den Lebensstandard von morgen.

In Deutschland müssten als erstes die bereitgestellten Mittel für Forschung und Entwicklung, für den Ausbau des Bildungssystems, für Straßen, Schienen und Breitbandnetze viel schneller ausgegeben und verbaut werden, verlangt die OECD. „Trotz eines erheblichen Investitionsstaus liegen die geplanten Infrastrukturausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt nach wie vor unter dem Durchschnitt, der 2018 in anderen Ländern des Euro-Raums verzeichnet wurde“, kritisieren die Ökonomen und verlangen ein dauerhaft höheres Investitionsniveau.

Dringend müsse Deutschland seine Planungsbehörden stärken, vor allem in den Kommunen – und endlich auch die Verwaltungsverfahren vereinfachen. Die Bundesregierung habe zwar die richtigen Pläne für neue Stromnetze und den Ausbau erneuerbarer Energien, für das Bildungswesen und Digitalnetze.

Die Umsetzung aber dauere überall viel zu lange. „Höhere Investitionsziele würden das Wirtschaftswachstum langfristig stärken und die Inlandsnachfrage im gegenwärtigen Abschwung stützen“, mahnt Boone.

An die Weltpolitik wiederum richtet die OECD einen dringenden Appell: Die Handelsgespräche, koordiniert in internationalen Organisationen wie der Welthandelsorganisation WTO, müssten dringend reaktiviert werden. „Ausgangspunkt muss dabei eine gemeinsame Analyse der Handelsfragen sein, die der wechselseitigen Abhängigkeit der Volkswirtschaften mit ihren grenzüberschreitenden Produktionsketten Rechnung trägt“, schreiben die Ökonomen.

Das muss Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt nur noch US-Präsident Donald Trump klarmachen. Doch der ist im Gegenteil gerade dabei, die Handelskonflikte mit China und, mit Blick auf Autoexporte, auch mit Europa zu verschärfen.

Mehr: Die Turbulenzen auf dem Weltmarkt dürften noch anhalten, ein schnelles Ende des globalen Handelsstreits ist nicht in Sicht.

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