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16.09.2019

10:21

Der Künstler meldete sich bereits häufiger politisch zu Wort. dpa

Herbert Grönemeyer

Der Künstler meldete sich bereits häufiger politisch zu Wort.

Konzert

„Wie ein Redner vor 1945“ – Politische Aussagen von Herbert Grönemeyer lösen Streit aus

Bei einem Auftritt positioniert sich Grönemeyer deutlich gegen rechts. Einige kritisierten daraufhin seinen Tonfall, andere stellen sich hinter den Musiker.

Berlin Der deutsche Musiker Herbert Grönemeyer hat mit Äußerungen auf einem Konzert in Wien eine Debatte ausgelöst. Bei einem Auftritt in Wien rief der 63-Jährige in der vergangenen Woche dazu auf, „keinen Millimeter nach rechts“ zu rücken.

Weiter erklärte Grönemeyer: Wenn Politiker in Österreich und Deutschland schwächelten, „dann liegt es an uns zu diktieren, wie ’ne Gesellschaft auszusehen hat. Und wer versucht, so ’ne Situation der Unsicherheit zu nutzen für rechtes Geschwafel, für Ausgrenzung, Rassismus und Hetze, der ist fehl am Platze (...).“

In den sozialen Medien gab es nicht nur Zustimmung für Grönemeyers Aussagen, sondern auch Kritik an seinem Tonfall. Viele Nutzer störten sich an dem Wort „diktieren“, andere verglichen seinen Tonfall mit Nazipropaganda.

Die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch, twitterte: „Das ist die furchterregendste, übelste, totalitärste Hassrede, die ich je gehört habe.“ Das sei Ton und Furor „des neuen Terrors von links“, schrieb sie. „Wer das unterstützt, ist – wie Heiko Maas – ein Fall für den Verfassungsschutz.“ Der AfD-Bundestagsabgeordnete Götz Frömming twitterte: Was ist bloß aus diesem Mann geworden? Der redet ja wie im Sportpalast.“

Kritik kam jedoch nicht nur von AfD-Politikern. Auch der Autor Bernd Stegemann, der sich auch in der Sammlungsbewegung „Aufstehen“ der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht engagiert, äußerte sich negativ. „Der Tonfall, mit dem Grönemeyer sein Publikum politisch anheizt, macht mir ein wenig Angst. Ich sag’s ungern, aber er klingt wie ein Redner vor 1945“, twitterte er.

Außenminister Heiko Maas lobte Grönemeyer dagegen. „Es liegt an uns, für eine freie Gesellschaft einzutreten und die Demokratie gemeinsam zu verteidigen“, schrieb der SPD-Politiker. „Danke an Herbert Grönemeyer und allen anderen, die das jeden Tag tun.“

Grönemeyer erhielt weitere Unterstützung. Der Kabarettist Florian Schroeder erklärte, als Besucher des Grönemeyer-Konzerts in Berlin könne er bestätigen, dass Grönemeyer alle seine Moderationen so laut brülle. „Grönemeyers Aufruf mit einer Sportpalast-Rede zu vergleichen, ist infam und vor allem dumm“, twitterte Schroeder.

Entscheidend sei der Inhalt einer Rede, nicht der Ton. „Wer den Ton, die Form, vom Gesagten trennt oder darüberstellt, betreibt gerade das Geschäft der Faschisten.“ Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali stellte sich ebenfalls hinter Grönemeyer.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle begrüßt zwar grundsätzlich Grönemeyers Statement, bemängelt jedoch die Form. „Ich finde es stark, dass Künstler wie Herbert Grönemeyer sich laut gegen Rechtsextremismus einsetzen. Aber ich finde es traurig, wie sich dieser Mann bei jeder Gelegenheit für seine Verachtung gegenüber Politik und Politikern abfeiern lässt“, twitterte Kuhle.

Es ist nicht das erste Mal, das Grönemeyer sich politisch äußert. Bei einem Konzert in Chemnitz erklärte er im Juli: „Das Land ist unser Land. Wir halten es fest und stabil und lassen es nicht nach rechts ausschwenken.“ Auch Udo Lindenberg sprach sich auf Konzerten seiner Tour in den vergangenen Monaten regelmäßig gegen rechts und die AfD aus.

Kommentare (3)

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Herr peter Mayer

16.09.2019, 12:31 Uhr

Da Herr grönemeyer politisch absolut gebildet ist,sollte er das singen lassen und in die Politik gehen wie so manch andere Gesangskollegen.im Gegenzug sollte Heiko Maas und so manche Politkollegen Konzerte geben .Bei einigen verdienten Sportlern hat man ja gesehen was raus kommt ,wenn sie plötzlich Unternehmer spielen.

Herr Moshe Lavi

16.09.2019, 16:50 Uhr

Er hat recht! Die Erscheinung der BRD-Regierung ist "anämisch" - um sie freundlich zu beschreiben! Ein fremder Beobachter könnte sich noch Fragen ob die Regierung kapituliert oder stillschweigend die Neo-nazistische -Tendenzen auch unterstütze.

Herr Jens Brandenburg

23.09.2019, 10:06 Uhr

Ich habe die Rede nicht gehört. Aber beim linken mainstream fällt immer wieder auf: es werden Meinungen stets mit dem Anspruch auf absolute Richtigkeit vertreten. Andere Meinungen werden ausgegrenzt. Eine Diskussion ist nicht erwünscht und wird vermieden mit diffamierenden Bezeichnungen. Unserer Demokratie fehlt nicht der Hass gegen Rechts sondern die Bereitschaft zur streitigen Diskussion. Strauss und Wehner konnten das noch, haben allerdings auch mit Diffamierung gearbeitet.

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