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04.01.2022

15:05

Krisentreffen der Kultusminister

Grünen-Politiker Gehring: „Kinder in der Schule, in Zoos, Büchereien und Sportvereinen impfen“

Von: Barbara Gillmann, Jürgen Klöckner

Die Kultusminister der Länder wollen die Schulen geöffnet lassen. Doch dafür müssen die Schutzmaßnahmen verschärft und die Impfungen beschleunigt werden, warnen Experten.

Politiker und Wissenschaftler fordern mehr kindgerechte Impfmöglichkeiten – etwa im Klassenzimmer oder in Zoos. imago images/Political-Moments

Impfen in der Schule

Politiker und Wissenschaftler fordern mehr kindgerechte Impfmöglichkeiten – etwa im Klassenzimmer oder in Zoos.

Berlin Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen, insbesondere durch die Omikron-Variante, fordert der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, Kai Gehring, „weit mehr kindgerechte Impfmöglichkeiten – nicht nur flächendeckend in der Schule, sondern auch in Zoos, im Sportverein oder in Büchereien“. Während in früheren Jahrzehnten Impfungen in der Schule „eine Selbstverständlichkeit für den Gesundheitsschutz waren, ist uns hier auch kulturell etwas verloren gegangen“, sagte der Grünen-Politiker dem Handelsblatt.

Zudem müssten auch an den Schulen weit mehr als bisher „die Eltern informiert und für die Impfung geworben werben“, forderte Gehring vor der Krisensitzung der Kultusminister an diesem Mittwoch. 

Die Kultusminister schalten sich zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um den Umgang mit der wiederaufflammenden Pandemie zu besprechen. Bislang wollen fast alle Länder den Präsenzunterricht diese oder nächste Woche wie geplant starten. 

Nur Thüringens Kultusminister Helmut Holter (Linke), in dessen Bundesland die Inzidenzen Topwerte erreichen, hatte Distanzunterricht angeordnet, um „vor die Welle zu kommen“. Er musste jedoch zurückrudern, weil es dafür nach dem offiziellen Auslaufen der sogenannten pandemischen Lage nach dem Infektionsschutzgesetz keine Rechtsgrundlage mehr gibt. 

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    Stattdessen sollen nun die Schulen entscheiden: „Weil ich das nicht entscheiden kann, habe ich es auf die Schulen delegiert. Und ich weiß, dass es eine weitere Belastung der Schulleitungen bedeutet“, sagte Holter im Deutschlandfunk. 

    Ansonsten drängen sowohl die neue Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Schleswig-Holsteins Schulministerin Karin Prien (CDU), als auch Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) darauf, den Präsenzunterricht solange es irgend geht fortzusetzen. Prien regte flächendeckende Impfungen in Schulen an, die es in ihrem Land bereits gibt. 

    GEW fordert kürzere Quarantäne für Lehrkräfte 

    Auch der Jugendmediziner Jörg Dötsch riet vor Schulschließungen in der jetzigen Lage ab. „Ich plädiere dafür, die Schulen offen zu halten“, sagte Dötsch dem Handelsblatt, der auch Mitglied des Expertenrats der Bundesregierung und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Köln ist. „Schulschließungen wären bei einem Total-Lockdown erfolgreich – also dann, wenn das gesamte gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben ebenfalls geschlossen würde. Denn sonst würde sich das Infektionsgeschehen in andere Bereiche - etwa den Freizeitbereich - verlagern.“

    Gegen Schulschließungen spreche auch, dass Kinder auch bei der neuen Omikron-Variante von einer Infektion weniger stark betroffen seien. „Zum anderen helfen Schulen, das Infektionsgeschehen durch die regelmäßigen Tests zu kontrollieren“, sagte Dötsch. „Dies zeigt sich auch daran, dass die Infektionszahlen in den Schulen während der Pandemie konstant geblieben sind, obwohl das Virus immer ansteckender wurde.“

    Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte, die Quarantäne auch für Lehrer zu verkürzen, um so den Unterricht sicherstellen zu können. Der Verband der Berufsschullehrer fordert die konsequente Nutzung aller Hygienemöglichkeiten, ansonsten könnte der Berufsschulunterricht – ähnlich wie in der Wirtschaft – wegen der vielen Lehrerausfälle „kollabieren“, warnte der Vorsitzende Joachim Maiß. Zwar könne man Berufsschüler für eine gewisse Zeit auch online unterrichten, das jedoch sei wegen „nach wie vor mangelnder digitaler Ausstattung, fehlender Gigabitanbindung in der Fläche und Datenschutzproblemen“ vielfach noch immer nicht möglich.

    Gehring von den Grünen appellierte an Länder und Kommunen, „die Schulen bei der Umsetzung der seit Monaten gängigen Maßnahmen besser zu unterstützen – von täglichen Tests über Maskenpflicht bis zu Luftfiltern und Wechselunterricht –, um so den Präsenzunterricht solange wie möglich sicherzustellen“. Anderenfalls drohten gerade „die ohnehin bildungsbenachteiligten Schüler, die am meisten unter der Pandemie gelitten haben, abgehängt zu werden“.

    Der Digitalpakt sowie die Luftfilter- und Aufholprogramme des Bundes kritisierte Gehring als „zu spät und anfangs zu kompliziert“, hier brauche es mehr Flexibilität und Schnelligkeit. Mittelfristig müssten vor Ort jedoch auch grundsätzliche bauliche Mängel behoben werden, etwa „dass in den Schulen alle Fenster zu öffnen sind, schnelles Internet verfügbar ist und Toiletten saniert werden“.

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