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29.11.2018

16:11

Künstliche Intelligenz

Grüne kritisieren deutsche KI-Strategie als provinziell

Von: Barbara Gillmann

Die Bundesregierung verliert sich bei Künstlicher Intelligenz in „nationalem Klein-klein“, kritisieren die Grünen. Nötig sei „KI made in Europe“.

Deutschland will den Bereich mit drei Milliarden Euro fördern. AFP

Künstliche Intelligenz

Deutschland will den Bereich mit drei Milliarden Euro fördern.

Berlin Die Grünen kritisieren die Drei-Milliarden-Euro-Strategie der Bundesregierung für Künstliche Intelligenz (KI) als provinziell: „Die KI-Strategie enttäuscht die Erwartungen, weil sie keine Prioritäten setzt und sich im nationalstaatlichen Kleinklein verheddert“, sagte die Grünen-Sprecherin für Innovations- und Technologiepolitik, Anna Christmann, dem Handelsblatt.

Die Regierung müsse „ihre nationalen Scheuklappen ablegen und endlich europäisch die Kräfte bündeln“. Europa habe bereits beim Datenschutz einen starken einheitlichen Standard gesetzt, „das müssen wir beim Thema Künstliche Intelligenz wiederholen“, sagte der grüne Sprecher für Digitalwirtschaft, Dieter Janecek.

Dazu bringen die Grünen an diesem Freitag als erste Fraktion einen Antrag im Bundestag ein, der dem Handelsblatt vorliegt. Nötig sei nicht „KI made in Germany“, wie die Strategie der Regierung überschrieben ist, sondern „KI made in Europe“, so Christmann.

Nur so könne Europa selbst Standards und Anwendungsfelder bestimmen. „Ansonsten machen chinesische oder amerikanische Digitalkonzernen die Regeln und dabei kommt der Datenschutz, die Nachhaltigkeit und Ökologie schnell unter die Räder“, so Janacek. Eine Strategie für KI „darf nicht auf nationaler Ebene stehenblieben“, heißt es im Antrag, „zwingend nötig ist ein abgestimmter europäischer Ansatz“.

Vor allem bei der Forschung fordern die Grünen gemeinsame europäische Anstrengungen, in die schon im Jahr 2019 100 Millionen Euro für unabhängige europäische vernetzte KI-Institute fließen müssten. Die Regierung jedoch habe für das geplante deutsch-französische Zentrum gerade mal 500.000 Euro bereit gestellt“, so Christmann. Das sei viel zu niedrig.

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Die 100 Millionen müssten zudem flexibel eingesetzt werden können, fordern die Grünen: Etwa um damit Top-Gehälter für Top-Forscher zahlen zu können oder die nötigen Höchstleistungsrechner auf- oder umzubauen. Daher müsse Deutschland auch die Gründung des „Gemeinsamen Unternehmens für europäische Hochleistungsrechner“ unterstützen und kofinanzieren.

Die von der Bundesregierung geplante deutsch-französische Vernetzung von Forschungszentren für Künstliche Intelligenz ist bisher das einzige herausragende Kooperationsprojekt der Strategie. Die Nachbarn gelten als sehr stark in der Grundlagenforschung für KI. Doch auch im Bundesforschungsministerium weisen die Experten darauf hin, dass auch nordeuropäische Staaten sehr weit seien bei der Forschung an Künstlicher Intelligenz für Dienstleistungen.

Bessere Bezahlung von Forschern gefordert

Um Deutschland für Top-Forscher für Künstliche Intelligenz attraktiver zu machen, fordern die Grünen flexiblere Möglichkeiten, sie auch besonders gut zu bezahlen, damit die Forschung nicht hoffnungslos hinter den weit höheren Gehältern der Industrie hinterherhinke.

Um den Nachwuchs europaweit zu fördern, schlagen die Grünen ein spezielles Doktorandenprogramm gemeinsam mit europäischen Partnern vor. Daneben wollen sie ein spezielles Förderprogramm für Frauen in der Digitalwirtschaft und „um mehr Mädchen für Fächer wie Informatik zu begeistern“.

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Der Kampf um die nötigen zahlreichen Köpfe hat das Forschungsministerium bewogen, im Rahmen der KI-Strategie ausschließlich Forschungszentren an Universitäten fördern zu wollen, und nicht an Großforschungseinrichtungen. Denn nur an den Universitäten gebe es den direkten Draht zu den Studenten, lautet die Begründung.

Neben einem „abgestimmten europäischen Ansatz“ fordern die Grünen angesichts der rasanten Entwicklung in USA, China, Japan und Korea auch eine globalen Ansatz. Die Bundesregierung solle sich dafür einsetzen, unter dem Dach der Vereinten Nationen „einen internationalen KI-Gipfel zu initiieren – analog zum Klimakonferenz“.

Dort müsse man einerseits die Chancen der KI, etwa im Kampf gegen den Klimawandel, angehen, aber auch die Risiken etwa durch Überwachung wie schon heute in China oder die neuen Möglichkeiten der Kriegsführung durch Künstliche Intelligenz.

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