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02.09.2019

06:20

Bei männlichen Wählern genießt die AfD sehr viel höhere Zustimmungswerte als bei weiblichen. dpa

AfD-Wahlparty in Werder

Bei männlichen Wählern genießt die AfD sehr viel höhere Zustimmungswerte als bei weiblichen.

Landtagswahlen

Bis zu 33 Prozent – Bei männlichen Wählern ist die AfD stärkste Partei

Von: Christian Rothenberg

Männer wählen AfD, die Jungen die Grünen, SPD und CDU haben ein gravierendes Nachwuchsproblem. Das sind die spannendsten Zahlen zu den Landtagswahlen.

Düsseldorf Sachsen und Brandenburg haben gewählt. Bei der Auswertung der Zahlen zeigt sich, wie unterschiedlich die verschiedenen Wählergruppen abgestimmt haben. Ein Überblick über die interessantesten Zahlen:

Sachsen

Bei zwei Parteien gibt es laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen besonders bemerkenswerte Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Wählern. Die CDU schneidet bei Frauen (37 Prozent) deutlich besser ab als bei Männern (31). Bei der AfD ist es genau andersherum: Bei Männern holt sie 33 Prozent und damit so viel wie keine andere Partei, bei Frauen nur 22.

Auch bei den Altersgruppen gibt es einige auffällige Zahlen. Die CDU kommt bei unter 30-Jährigen auf wesentlich schlechtere Werte (17) als bei den über 60-Jährigen (43). In dieser Wählergruppe ist sie mit Abstand stärkste Partei.

Ganz anders bei den Grünen: Bei Wählern unter 30 ist die Partei erfolgreich (19), nicht jedoch bei denen über 60 (3). Die AfD erreicht bei Wählern zwischen 30 und 59 mehr als 30 Prozent und damit mehr als die anderen Parteien. Vorn liegt sie auch bei Wählern unter 30, obwohl sie mit 21 Prozent ihnen Landes-Schnitt verfehlt.

Ein Blick auf die Wahlneigung der Berufsgruppen: Die CDU ist bei Angestellten und Beamten (jeweils 34 Prozent) nur etwas erfolgreicher als bei Arbeitern (31). Die Linke schneidet bei Angestellten (12) überraschend besser ab als bei Arbeitern (9). Die SPD, die einst als Arbeiterpartei galt, kommt bei Arbeitern nur noch auf mickrige sieben Prozent, während die AfD (35) in dieser Berufsgruppe stark überdurchschnittlich punkten kann.

Sortiert man die Wahlergebnisse nach dem Bildungsgrad, ergibt sich folgendes Bild: Die CDU schneidet bei Menschen mit Hauptschulabschluss stark ab (43 Prozent). Linke (14) und Grüne (15) erreichen bei Personen mit Hochschulabschluss gute Werte, die AfD kommt hier nur auf 13 Prozent.

Die Wählerwanderungen: Die CDU gewinnt laut Infratest Dimap 126.000 Nichtwähler von 2014. Auch aus dem Lager von Linken (24.000) und SPD (23.000) verbucht sie viele Stimmen. Dafür verliert die Partei 84.000 Wähler an die AfD. Die gewinnt aus allen Richtungen hinzu, am stärksten von den 226.000 Nichtwählern. Die Linke verliert vor allem an AfD (29.000) und CDU (24.000).

Die AfD gewann vor allem in Ostsachsen viele Direktmandate. In zahlreichen sächsischen Gemeinden und Wahlkreisen gewann die Partei mehr als 40 Prozent der Zweitstimmen. In der Gemeinde Neißeaue holte die AfD 48,4 Prozent.

Brandenburg

In Brandenburg haben Frauen und Männer ebenfalls unterschiedliche Parteineigungen. SPD (29) und Grüne (11) lagen bei Wählerinnen überdurchschnittlich im Kurs. Das zeigen die Zahlen der „Forschungsgruppe Wahlen“. Bei Männern war die AfD auch in Brandenburg mit 29 Prozent stärkste Partei.

Bei den Altersgruppen zeigt sich: Die SPD hat ein Nachwuchsproblem. Je älter die Wähler, desto besser sind die Zahlen. Bei über 60-Jährigen erreicht die Partei immerhin 37 Prozent, bei unter 30-Jährigen dagegen nur 13 Prozent.

Ähnlich ist es bei der CDU, die bei Wählern unter 30 nur neun Prozent holt. Die Grünen punkten dagegen auch in Brandenburg vor allem bei den Jungen. 24 Prozent bei unter 30-Jährigen stehen sechs Prozent bei über 60-Jährigen gegenüber.

Geringer, aber dennoch ausgeprägt sind die Unterschiede bei den Berufsgruppen. Angestellte in Brandenburg wählen lieber SPD (28 Prozent), als es Selbständige tun (21). Die CDU wird von Beamten und Selbständigen (je 21) häufiger gewählt als von Arbeitern (13).

Die zieht es stark zur AfD, die bei Arbeitern wesentlich stärker abschneidet (35) als bei Beamten (17). Die FDP kommt bei Selbständigen auf neun Prozent, bei Arbeiter jedoch nur auf drei. Die Grünen sind bei Beamten (12) erfolgreicher als bei Arbeitern (6).

Großen Einfluss auf die Wahlentscheidung hat auch der Bildungsgrad: Die SPD punktet überdurchschnittlich bei Personen mit Hauptschulabschluss (34 Prozent). Besonders weit auseinander liegen die Gruppen bei der AfD: Bei Menschen mit mittlerer Reife liegt die Partei bei 32 Prozent, bei solchen mit Hochschulabschluss nur 14 Prozent. Genau andersherum ist das Bild bei den Grünen: Bei Hochschulabsolventen ist die Partei erfolgreich (18), bei Personen mit Hauptschulabschluss nicht (3).

Die Wählerwanderungen: Die SPD verzeichnet laut Infratest Dimap vor allem Zugewinne von den Linken (19.000) und aus dem Lager der Nichtwähler (37.000), dafür verliert sie 12.000 Wähler Richtung AfD. Die CDU verliert an alle anderen Parteien, am stärksten an die AfD (29.000).

Auch die Linke haben viele Stimmen verloren, vor allem an die SPD (19.000), AfD (13.000) und Grüne (12.000). Die AfD konnte 100.000 Nichtwähler von 2014 für sich gewinnen, die Grünen 17.000.

Im Westen Brandenburgs errang die SPD fast sämtliche Direktmandate, die AfD im Osten und Süden des Bundeslandes. Ihre besten Ergebnisse holte die Partei in Südost-Brandenburg, in der Gemeinde Hirschfeld holte sie 50,6 Prozent der Zweistimmen, in Heinersbrück 50,5.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Stehle

02.09.2019, 12:56 Uhr

Mehrparteiensysteme verändern sich; so wie das linke Spektrum sich von einer Volkspartei in die Linke und die SPD aufgeteilt hat, wird sich das konservative Lager in die AfD und die CDU aufteilen. Eine 10-30% Partei grundsätzlich von Koalitionen auszuschließen ist weder sinnvoll noch demokratisch. Am Anfang wollte auch keiner mit den Grünen oder der Linken, heute gibt es grüne und linke Ministerpräsidenten...
Wenn dann noch über Klimawandel die Grünen, über Freiheit die FDP kommt, sind Parlamente mit 6 ungefähr gleich starken Parteien die neue Norm. Dann braucht es immer öfters und eben ganz normal Minderheitsregierungen, die sich fraktionsübergreifend und themenspezifisch Mehrheiten suchen.

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