MenüZurück
Wird geladen.

05.09.2017

16:32 Uhr

Martin Schulz auf Youtube

„Soziale Gerechtigkeit“ auf den Unterarm tätowiert?

VonHeike Anger

Der SPD-Kanzlerkandidat steht im Youtube-Interview Rede und Antwort. Der Wähler erfährt dabei viel Persönliches von Martin Schulz – allerdings nur den „zweitgrößten Mist“, den er als Jugendlicher gebaut hat.

Kommentar zum TV-Duell

„Vielleicht hat Schulz wirklich zu wenig trainiert“

Kommentar zum TV-Duell: „Vielleicht hat Schulz wirklich zu wenig trainiert“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinWas denn der „größte Mist“ sei, den er als Jugendlicher gebaut habe, will Internetstar Nihan von Martin Schulz wissen. Der SPD-Kanzlerkandidat windet sich: „Da schäme ich mich ein bisschen. Das kann ich nicht öffentlich machen.“ Dann gibt er den „zweitgrößten Mist“ zum Besten: In einer durchzechten Nacht habe er ein Paket Waschpulver ins Freibad geschüttet. Es sei sogar die Polizei gekommen. „Ich war aber schnell genug“, erklärt Schulz. Hinter ihm blinkt die Studiokulisse. Fotos von Nagellackfläschchen, einem Caféhaustisch, einer Katze. 

Eine gute Stunde lang stellt sich der SPD-Kanzlerkandidat an diesem Dienstagmittag auf Youtube den Fragen von Internetstars. Gleich vier junge Youtuber löchern Schulz.

Merkels Ausflug in die Youtube-Welt: Erfahrung schlägt Follower

Merkels Ausflug in die Youtube-Welt

Erfahrung schlägt Follower

Verkauft wurde es als riskantes Aufeinandertreffen zweier Welten. Doch das Youtube-Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel fällt erschreckend unaufgeregt aus. Viele Zuschauer kritisieren die braven Fragensteller.

Da ist „ItsColeslaw“, die blonde Psychologiestudentin Lisa Sophie, die normalerweise auf Youtube über Alltagsprobleme und Tabuthemen spricht. Außerdem die 26-jährige Nihan, die via Internet Kosmetiktipps gibt und aus ihrem Alltag berichtet („Türkisch Kochen mit den Omis“). Dazu kommt „MrWissen2go“, der gerne die Welt erklärt. „Ihr seid schlecht in Geschichte, von Politik habt ihr keine Ahnung, und was in der Zeitung steht, habt ihr noch nie verstanden? Macht nichts, dafür habt ihr jetzt ja mich“, wirbt der 31-Jährige für seine Sendungen. Hinter „MarcelScorpion“ steckt Marcel Althaus, der vor fünf Jahren als 18-Jähriger als Selbstdarsteller bei Youtube begann. Bei ihm geht es sonst um Lifestyle und Entertainment. Zusammen erreichen die Kanäle der Internetstars mehr als 2,5 Millionen Follower.

Für Schulz ist es zunächst ein Glück, dass ihn die mit Goldkettchen geschmückte Nihan zum Thema Integration befragt. „Viele aus Ihrer Community zählen zu meinem Freundeskreis“, kann der Mann aus Würselen, der ehemaligen Bergbaustadt, berichten. Nihan kichert angetan, will dann aber doch wissen, wie sich die Integration verbessern lasse, denn bislang sei ja vieles schief gelaufen. Ihre Oma etwa spreche noch immer kein Deutsch, obwohl die Familie seit drei Generationen in Deutschland lebe. Die Beschleunigung der Asylverfahren, Arbeit für jene, die bleiben dürfen, und Sprachunterricht, rattert Schulz das SPD-Wahlprogramm runter.

Bereits vor drei Wochen hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich den Fragen von Youtubern gestellt. Dabei verriet sie, dass ihr „Lieblingsemoji“ der Smiley ist und dass sie Hass im Internet für Unfähigkeit hält, Argumente vorzubringen. Sie äußerte sich aber auch zur Lage in Nordkorea und in der Türkei, zu US-Präsident Donald Trump oder zur Pleite der Fluggesellschaft Air Berlin. Bis heute wurde das Video rund 1,8 Millionen Mal abgerufen.

Forscher halten es für eine kluge Strategie, sich den Fragen auf Youtube zu stellen. Denn es werde eine junge Zielgruppe erreicht, die sich nicht besonders für Politik interessiere und mit den traditionellen Wahlkampfmitteln nur schwer erreichbar sei, meint Kommunikationsforscher Patrick Donges von der Universität Leipzig.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Lana Ebsel

05.09.2017, 17:31 Uhr

Ein verwirrter alter Mann, der von seiner Vergangenheit und Nachbarschaft erzählt. Im Europaparlament ist er vermutlich nicht aufgefallen mit seiner Kompetenz.

Herr Tomas Maidan

05.09.2017, 17:42 Uhr

Schulz war richtig gut! Hat mir sehr gefallen. Zwei von meinen Kollegen wollen ihn jetzt auch wählen, obwohl sie sonst Nichtwähler waren.

Herr Peter Bast

05.09.2017, 17:48 Uhr

Ach Herr Maidan - lach - etwas Naive Taktik.. Ich meinerseits Frage mich - wieviele Nachbarn der liebe Herr Schulz hat.. oder wer Ihm die Strategie mit dem Geschichten erzählen beigebracht hat..So sozial wie er jetzt tut , war als Eu-Ratspräsident nie.. - Ich erinnere nur an angenommenen Sitzungsgelder - da hat man nichts vom Nachbarn und Sozial gehört.. - Meinem Nachbarn hab die Stizungsgelder gegeben, wenn ich tatsächlich nicht anwesend war oder so. - Ein Schelm der Böses bei solchen Geschichten denkt.. Der gute Herr Schulz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×